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Neu von Winfried Berner:
"Bleiben oder Gehen"
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Reengineering / Ablaufoptimierung: Nicht nur Struktur-, auch Kulturveränderung
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Die meisten Unternehmen haben inzwischen umfangreiche Erfahrung
mit Reengineering-Projekten und anderen Ansätzen zur Ablaufoptimierung
und diese Erfahrung hat nicht nur das Management, sondern
auch die Belegschaft. Das heißt, wann immer ein solches Projekt
neu gestartet wird, ist den Mitarbeitern sofort klar, dass dies
erhebliche Veränderungen bringen kann: von Arbeitsvereinfachungen
über Umstrukturierungen bis hin zu Personalabbau.
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Dies löst gemischte Gefühle aus: Ängste und Befürchtungen
auf der einen Seite, Hoffnungen und positive Erwartungen auf der
anderen. Wobei das Augenmerk immer zunächst der Bedrohlichkeit
gilt, bevor Chancen erkundet werden. Je nach Vorgeschichte
des Unternehmens und individueller Persönlichkeit fallen
die Reaktionen unterschiedlich aus: Eine Belegschaft, die Vertrauen
in den Vorstand oder die Geschäftsführung hat, verhält
sich hier grundlegend anders als eine, die schlechte Erfahrungen
gemacht hat und voller Misstrauen ist.
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Zu diesen kollektiven Vorerfahrungen kommen individuelle Muster.
Je nach Persönlichkeit entwickeln Mitarbeiter ganz unterschiedliche
Strategien, mit Veränderung umzugehen. In der amerikanischen
Literatur findet sich die prägnante Unterscheidung von drei
Typen: "change victims", die Veränderung u.U.
unter lautem Klagen, aber ohne eigene Initiativen über
sich ergehen lassen, "survivors" oder "change surfers",
die sich flexibel verhalten, aber primär auf die Wahrung ihrer
eigenen Interessen bedacht sind, und "change designers",
die aktiv in den Veränderungsprozess eingreifen und ihn entweder
mit- oder gegen-gestalten.
Zwar kommen diese persönlichen Stile auch bei anderen Veränderungsprozessen
zum Tragen, aber bei Reengineering-Projekten wirken sie sich markant
deutlich aus: Die "Change Designer" finden sich typischerweise
entweder in den Projektleitungen oder sind die Kristallisationskerne
des intelligenten Widerstands. Die "Surfer"
arbeiten in den Projekten mit, wenn es opportun ist, haben aber
schon immer vor diesem Weg gewarnt, wenn der Wind sich gedreht hat,
und können dies auch beweisen. Nur die "Victims"
finden alles ganz furchtbar und erinnern sich wehmütig an bessere
Zeiten, in denen sie noch über viel schönere Katastrophen
zu klagen hatten. |
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Im Gegensatz zu Veränderungen
der Aufbauorganisation funktionieren Ablaufveränderungen
nur, wenn die betroffenen Mitarbeiter mitziehen oder sie
zumindest nicht blockieren. Denn sehr oft erfordern die gefundenen
Lösungen, damit sie wirklich funktionieren, ein Umdenken in
Bezug auf Arbeitsabläufe und eigenes Rollenverständnis,
und das lässt sich nicht anordnen.
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Auf Mitwirkung angewiesen
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Für ein aktives Mittragen der Lösungen sind die Mitarbeiter
am ehesten zu gewinnen, wenn das Management durch frühzeitige
und offene Kommunikation Vertrauen schafft und Ängste abbaut. Um aber Vertrauen
entwickeln zu können, müssen die Mitarbeiter verstehen,
was der Sinn des Unterfangens ist, wie es im einzelnen abläuft
und wie ihre Rolle dabei ist bzw. sein könnte. Dazu muss auch
die heikelste aller offenen Fragen klar und überzeugend beantwortet
werden, nämlich die, was mit den durch die Optimierung eingesparten
Kapazitäten geschieht. Wenn klar ist, dass sie in die Erledigung
anderer Aufgaben oder in die Erschließung neuer Märkte
fließen sollen, werden die Mitarbeiter in anderer Weise mitziehen
als wenn nichts gesagt wird und damit unausgesprochen ein
Personalabbau im Raum steht.
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Sehr wichtig ist, welche Signale von der Geschäftsleitung
zu Projektbeginn gesetzt werden. Zwar können Entschlossenheit und
Ausdauer nur begrenzt durch heldenhaftes Auftreten beim Kickoff-Meeting
bewiesen werden, doch prägt der Projektstart die Erwartungen,
wie sich die Geschäftsleitung im Laufe des Projekts verhalten
wird, und zwar im positiven wie im negativen Sinne.
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Je höher die Erwartungen, desto größer ist auch
das Potenzial für Enttäuschungen. Deshalb wäre es
ein großer Fehler, aus der eigenen Euphorie heraus Dinge zu
versprechen, die man nicht einhalten kann bzw. wird zum Beispiel
in bezug auf eigenen Zeiteinsatz oder auf immerwährende Verfügbarkeit.
Wenn Sie andererseits zu wenig eigenes Engagement zeigen, wird der
Funke nicht überspringen. Es ist extrem wichtig, hier sorgfältig
auf die Balance zu achten zwischen dem, was die Mitarbeiter legitimerweise
von ihren obersten Chefs erwarten können, und dem, was Sie
tatsächlich zu leisten bereit und in der Lage sind.
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Commitment des Managements
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Die Nagelprobe, was die anfänglichen Signale wert waren, kommt
später, wenn die Anfangseuphorie vorbei ist und die ersten
Widerstände, Konflikte und möglicherweise auch Krisen auftreten. Denn erst bei rauer See zeigt sich,
was der Kapitän wirklich wert ist bei schönem Wetter
segeln und dazu markige Sprüche machen, kann jedes Großmaul.
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©
2001 Winfried Berner - vollständige oder auszugsweise Wiedergabe, gleich in welcher Form, honorarpflichtig und nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung / Zitate im üblichen Umfang mit Quellenangabe gemäß wiss. Zitationsregeln zulässig. Näheres siehe Nutzungsbedingungen.

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