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Neu von Winfried Berner:
"Bleiben oder Gehen"
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Qualitative Bestimmung des Veränderungsbedarfs: Was soll sich eigentlich ändern und wie gravierend ist das?
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Um die Reaktionen der Belegschaft auf die Veränderungen abzuschätzen,
ist die zentrale Frage, wie einschneidend die Veränderungen
für die direkt Betroffenen sein werden. Denn natürlich ist es
ein großer Unterschied, ob die Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze
bedroht sehen oder ob sich "nur" die Arbeitsabläufe
oder die Arbeitsweise verändern sollen. Zwar darf man auch scheinbar geringe Veränderungen nicht auf
die leichte Schulter nehmen: Auch sie können zu großer
Aufregung und dramatischen Zuspitzungen führen besonders
in Unternehmen, die Veränderung nicht gewohnt sind. Dennoch
gilt die Regel: Je gravierender die Veränderung, eine desto
größere Rolle spielen Emotionen insbesondere Angst.
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Ausmaß
und Bedrohlichkeit der Veränderung
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Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass hierbei nicht Ihre
Bewertung der Veränderungen entscheidend ist, sondern die der
Betroffenen. Wenn die Mitarbeiter heftiger reagieren als der Vorstand
erwartet hat, heißt es oftmals: "Ich verstehe nicht,
warum sich die Leute so anstellen das sind doch wirklich
keine dramatischen Veränderungen!" Solche Aussagen sind
nicht nur unsinnig, sondern gefährlich. Denn hinter dem so
signalisierten Unverständnis steht die mangelnde Bereitschaft
zum Perspektivwechsel. Das trotzige Beharren auf der eigenen Sichtweise
aber ist keine gute Prognose für weitere Entwicklung.
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... aus Sicht der Betroffenen
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Machen Sie deshalb bitte nicht den Fehler, nur den eigenen Maßstab anzulegen. Der Ihrer Mitarbeiter wird mit großer Wahrscheinlichkeit ein anderer sein, und zwar aus mindestens zwei Gründen: Erstens ist es ein großer Unterschied, ob man Objekt oder
Subjekt, Treiber oder Getriebener der Veränderung ist. Menschen
haben das Bedürfnis, die Kontrolle über ihr Schicksal
zu haben. Von außen kommende Veränderungen bedrohen diese
Kontrolle, und auf Kontrollverlust
reagieren Menschen, wie die Psychologie sehr sorgfältig erforscht
hat, mit Angst, Widerstand und, wenn sich die Kontrolle nicht wiedererlangen
lässt, mit Resignation.
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Verändern oder verändert werden
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Zweitens ist die Reaktion auf Veränderungen maßgeblich
vom eigenen Selbstvertrauen und Lebensmut abhängig. Wer seit
10 Jahren die gleiche Arbeit tut und sich keine Umstellung mehr
zutraut, reagiert ganz anders als jemand, der Erfahrung mit Veränderungen
hat und in seinem tiefsten Inneren sicher ist, ihnen gewachsen zu
sein. Deshalb sind gerade statische Organisationen besonders schwer
zu verändern: Was viele als Beharrungsvermögen bezeichnen,
ist in Wirklichkeit nichts als die blanke Angst, den künftigen
Anforderungen nicht gewachsen zu sein, und die daraus resultierenden
geballten Widerstände.
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Wie viel muss sich im Denken und Handeln der Mitarbeiter verändern?
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Die zweite kritische Frage ist die nach Art und Inhalt der Veränderung.
Veränderungen in der Struktur
kann man "machen", wenn man die nötige Macht besitzt
Veränderungen in der Kultur
hingegen, also in der Art und Weise, wie die Mitarbeiter miteinander
und/oder mit externen Partnern umgehen, lassen sich nicht vorgeben,
sondern nur über einen gut gestalteten Prozess herbei-führen.
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Strukturelle Veränderungen kommen in der Regel verblüffend
rasch zum Leben, weil sie von der normativen Kraft des Faktischen
unterstützt werden: Wenn Sie eine Abteilung auflösen oder
eine Führungsebene herausnehmen, dann mag dies große
Aufregung und heftige Proteste auslösen, aber die neue Struktur
wird, wenn sie erst einmal in Kraft ist, in aller Regel relativ
rasch zu arbeiten beginnen. Die Notwendigkeiten des Tagesgeschäfts
lassen einfach keine andere Wahl. Ähnlich ist es, wenn Sie
Unterstellungsverhältnisse ändern: Den betroffenen Mitarbeitern
und Führungskräften bleibt kaum etwas anderes übrig
als sich zusammenzuraufen.
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Die normative Kraft des Faktischen
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Ganz anders verhält es sich, wenn Sie die Kultur,
d.h. die Gewohnheiten Ihres Unternehmens verändern wollen
zum Beispiel den Grad der Kundenorientierung, die Innovationskraft,
Flexibilität, das unternehmerische Denken oder was auch immer.
Hier haben Sie eine echte missionarische Herausforderung vor sich,
denn aus der Tatsache, dass Sie erhebliche Veränderungen für
erforderlich halten, folgt für Ihre Mitarbeiter kein Handlungsbedarf.
Im Gegenteil: Jeder einzelne Ihrer Mitarbeiter ist von der Richtigkeit
seines Denkens und Handelns genauso fest überzeugt wie Sie
von dem Ihren. Und ist höchstens beleidigt, dass sie an seiner
Einstellung etwas auszusetzen haben.
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Kulturänderung eine missionarische Aufgabe
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Hier kommt Ihnen keine Eigendynamik zu Hilfe ganz im Gegenteil.
Auch mit "Motivationsmaßnahmen" ist hier wenig zu
wollen das haben zum Beispiel die Unternehmen erfahren, die
versucht haben, die Innovationsfreude ihrer Mitarbeiter durch eine
Vervielfachung der Prämien für das "betrübliche
Vorschlagswesen" zu steigern. Nach einem kurzen Strohfeuer
(das im wesentlichen daraus resultiert, dass einige Schlaumeier
ihre Schubladenvorlagen zu Geld machen) fällt das Ganze üblicherweise
in sich zusammen.
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Die Hoffnung, die Kultur durch eine Vision,
ein Leitbild, Führungsgrundsätze
oder ähnliches in Bewegung zu bringen, geht meist ebenfalls
ins Leere. Die Schnelligkeit, mit der solche Leitsätze erarbeitet,
verabschiedet und verkündet sind, wird nur noch von deren Folgenlosigkeit
übertroffen. "Gelesen, gelacht, gelocht", wie es
Michael Löhner sarkastisch, aber treffend beschrieben hat.
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Bei der Kulturveränderung haben Sie genau das umgekehrte Problem
wie bei Umstrukturierungen, wo geradezu ein Sog nach Informationen
herrscht: Diesmal sind Sie es, der etwas von den Mitarbeitern will,
und nur wenn Ihnen ein Weg einfällt, ihre Köpfe und Herzen
zu erreichen, werden Sie eine Veränderung bewirken. Das heißt,
wann immer es darum geht, die Einstellungen und das Verhalten von
Mitarbeitern nachhaltig zu beeinflussen, kommt es ganz besonders
auf eine wirksame Veränderungsstrategie an.
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Wirksamer
Prozess
erforderlich
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Diagnose,
Teil 1: Quantitative Bestimmung
des Veränderungsbedarfs
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Diagnose,
Teil 2: Qualitative Bestimmung des Veränderungsbedarfs
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Diagnose,
Teil 3: Vorerfahrungen / Veränderungsbereitschaft
und Veränderungsfähigkeit
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Diagnose,
Teil 4: Typologie von Veränderungsprozessen
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