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Neu von Winfried Berner:
"Change!" 15 Fallstudien zu Sanierung, Turnaround, Prozessoptimierung, Reorganisation und Kulturveränderung
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Winfried Berner:
"Bleiben oder Gehen"
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Kunden- und Lieferanten-Kommunikation: Nicht vergessen,
von wem man lebt
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In Zeiten der Veränderung geht zwangsläufig
viel Aufmerksamkeit und Energie nach innen mit der
Folge, dass Kunden und Lieferanten oft sträflich vernachlässigt
werden. Dabei wird häufig übersehen, dass Betroffene
der Veränderung nicht nur auf dem Werksgelände sitzen.
Auch Kunden, Händler und Lieferanten bekommen deren Auswirkungen
zu spüren von holpriger Auftragsabwicklung über
unklare Strukturen bis hin zu verunsicherten Innen- und Außendienst-Mitarbeitern.
Das ist gefährlich, weil es das Unternehmen verwundbar macht: Clevere Wettbewerber haben in solchen Zeiten außergewöhnlich
gute Chancen, verärgerte oder verunsicherte Kunden zu
sich herüberzuziehen, und Lieferanten können die
Situation entweder ausnutzen oder ihre Anstrengungen auf andere
Kunden verlagern, wenn sie zu lange in der Luft hängen
und auf vergeblich auf Entscheidungen warten.
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- Veränderungen machen verwundbar
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Unternehmen, die durch Umstrukturierungen oder andere größere
Veränderungsprozesse gehen, sind in dieser Phase besonders
angreifbar, weil sie aus den vielfältigsten Gründen
nicht mehr so gut funktionieren. An dieser Tatsache selbst
lässt sich nicht viel ändern, wohl aber an ihrem
Ausmaß und an ihren Auswirkungen. Erfolgreiches Change
Management muss daher auch eine gute Kommunikation mit Kunden
und Lieferanten einschließen.
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- Kommunikation noch wichtiger
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| Deren Bedeutung gerade in schwierigen Zeiten wird in den nächsten
Jahren noch erheblich zunehmen, weil ziemlich sicher ist,
dass solche Schwächephasen in Zukunft noch viel systematischer
als heute für gezielte Attacken genutzt werden. Ein deutliches
Signal, dass der Wind hier rauher wird, ist ein Buch, das im
Jahr 2000 in den USA erschienen ist. Es trägt den bezeichnenden
Titel: "Capitalize on Merger Chaos Six Ways to Profit
From Your Competitors' Consolidation and Your Own". Dem
werden mit ziemlicher Sicherheit weitere Bücher (und
Berater) folgen.
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Auf Angriffe vorbereitet sein |
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| Bereiten Sie sich daher vorbeugend auf Angriffe
an allen Fronten vor. Überall, wo Sie etwas haben, was
für Wettbewerber (oder andere Interessenten) attraktiv
ist Kunden, Vertriebskanäle, wichtige Lieferanten,
aber auch Mitarbeiter , macht es für Ihre Konkurrenten
Sinn, Sie in dieser Schwächephase mit voller Kraft anzugreifen.
Schon heute kreisen über jedem Unternehmen, das durch
schwierige Umstrukturierungen oder eine Fusion geht, die Headhunter.
Je länger die Unsicherheit dauert, desto sicherer wird
auch der schwerfälligste Wettbewerber sich an Ihre Kunden
(und eventuelle Schlüssellieferanten) heranmachen und
versuchen, aus vorhandener Verunsicherung, Verärgerung
oder Enttäuschung für sich Kapital zu schlagen.
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Das kann mit sportlichen, aber auch mit weniger sportlichen Methoden geschehen. Seien Sie deshalb auch auf Diffamierungen und das gezielte Ausstreuen von Gerüchten und Spekulationen gefasst: "Ach, hatten Sie auch Schwierigkeiten mit den letzten Lieferungen? Ja, das hört man zur Zeit wirklich überall im Markt. Ich will ja nichts gesagt haben ... Was man so, hört, klingt ja nicht besonders gut. Angeblich kriegen sie nach ihrer Fusion die Integration der IT-Systeme nicht hin. Also, in deren Haut möchte ich nicht stecken. Wenn die das nicht bald hinkriegen, werden die in größte Schwierigkeiten kommen das geht ja an die Liquidität!"
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- Gezieltes Säen von Gerüchten
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| Besonders beliebt ist das Säen von Zweifeln an der Sicherheit
der Ersatzteilversorgung ("Lassen Sie sich das lieber
schriftlich geben!"), an der Zukunftssicherheit von Systemen
("Natürlich erzählen die Ihnen heute, dass
sie die Produktreihe weiter entwickeln ...") und am langfristigen
Bestand des Unternehmens ("Sie wissen ja, einem nackten
Mann kann man nicht in die Tasche greifen da hilft
auch keine Garantie!"). Aber auch offene und verdeckte
Falschinformation kommt vor ("Wie man hört, ist
die Einstellung dieser Baureihe längst beschlossene Sache,
weil sie sich ja mit einer Produktlinie des Übernehmers
überlappt. Und Sie wissen ja selbst, bei Fusionen müssen
schließlich Synergieeffekte herauskommen!").
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- Versuche, Ihren Kunden Angst zu machen
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Vorbeugende Kommunikation |
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Der Schlüssel zur erfolgreichen Selbstverteidigung
ist proaktive Kommunikation. So ist es zum Beispiel sinnvoll,
Kunden telefonisch oder über ein Mailing "vorzuwarnen",
wenn absehbar ist, dass es etwa wegen der Umstellung
von Systemen für eine Übergangszeit zu Problemen
kommen wird. Noch besser ist ein Telefon-Rundruf, weil er die Chance zur direkten Kommunikation
und damit zur Klärung von Irritationen gibt. Wenn sie
vorab informiert wurden, haben die meisten Kunden und Lieferanten
für so etwas Verständnis jedenfalls so lange
die entstehenden Unannehmlichkeiten nicht allzu gravierend
sind und die Sache nach ein paar Wochen wieder rund läuft.
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Sofern Ihre Produkte über den Handel vertrieben werden, beziehen Sie all diese Aussagen primär auf Ihre Händler oder Vertriebspartner. Je nach Problemlage kann es aber sinnvoll sein, darüber nachzudenken, ob auch die Endkunden in irgend einer Weise angesprochen werden müssen.
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- Vertriebspartner und Endkunden
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In jedem Fall abzuraten ist von der altdeutschen Strategie
"Augen zu und durch!" Wer gar nichts kommuniziert
und hofft, dass sich der entstehende Ärger in Grenzen
halten wird, läuft das Risiko, dass viele Kunden tatsächlich
nichts sagen, sondern ganz einfach den Lieferanten wechseln.
Oder sie bestrafen Sie durch pingeliges Verhalten und verzögerte
Zahlungen.
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Den Außendienst vorbereiten |
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Von großer Bedeutung ist weiter, den eigenen Außendienst
und zwar sowohl die Vertriebsleute als auch Anwendungstechniker,
Monteure, Servicetechniker etc. auf mögliche Kritik
von Kunden und auf Gespräche über die stattfindenden
Veränderungen vorzubereiten. Denn für die Leute
an der Front ist es ein Albtraum, beim Kunden mit Fragen und
Kritik konfrontiert zu werden, auf die sie selbst nicht den
Hauch einer Antwort haben. So etwas ist die effizienteste
Form, die Loyalität der eigenen Mannschaft zu verbrennen.
Und wenn Ihre Außendienst-Leute erst einmal wie geprügelte
Hunde durch den Markt schleichen und beginnen, sich anderswo
zu bewerben, dann ist es nur noch eine Frage von Tagen, bis
auch das Geschäft wegbricht.
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- Desorientierter Außendienst
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Damit Mitarbeiter auch in schwierigen Zeiten selbstbewusst
gegenüber Kunden und Wettbewerbern auftreten können,
ist notwendig, dass sie gut informiert sind. Sie müssen
Ihren Kunden den Sinn und Nutzen des Veränderungsvorhabens
erläutern können. Die erforderliche Schulung sollte
man tunlichst nicht erst dann durchführen, wenn intern
alle wesentlichen Fragen geklärt sind. Denn bis zeigt
Ihr Außendienst längst Auflösungserscheinungen.
Zweckmäßiger ist, den Außendienst alle paar
Wochen zusammenzurufen und ihn auf den neuesten Stand der
Dinge zu bringen. Natürlich kostet das eine Menge Zeit
aber immer noch weniger, als wenn die Leute ständig
am Telefon hängen, um die neuesten Informationen und
Gerüchte mitzubekommen, und sich vor Angst vor unangenehmen
Fragen nicht mehr zum Kunden trauen.
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- Desorientierter Außendienst
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| Dieser regelmäßige Austausch mit dem Außendienst ist nicht nur zur Information, Schulung und moralischen Aufrüstung wichtig, sondern auch deshalb, weil Sie so am schnellsten erfahren, was draußen im Markt los ist. Wenn Sie von gezielten Aktionen Ihrer Wettbewerber frühzeitig erfahren, können Sie darauf rasch und wirksam antworten mit gezielten Gegenmaßnahmen, nötigenfalls auch mit juristischen Schritten. Schon wenige Tage Verzögerung können zur Folge haben, dass gegen eine Attacke keine wirksame Gegenwehr mehr möglich ist.
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- Informationen aus erster Hand
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Informationsveranstaltungen für Kunden, Händler und Lieferanten |
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| Je nachdem, wie tief die Veränderungen in Ihre Kunden-
oder Lieferantenbeziehungen eingreifen, kann es sinnvoll oder
sogar notwendig werden, eigene Informationsveranstaltungen für diese Zielgruppen durchzuführen zum Beispiel um sie mit neuen Konzepten und Systemen, aber
auch mit neuen Prozessen und Anforderungen vertraut zu machen. Natürlich müssen solche Veranstaltungen gut vorbereitet und organisiert sein. Wichtig ist, dass Sie dabei "mit dem Kopf der Kunden (bzw. Lieferanten) denken". In der Regel werden Kunden und Lieferanten nicht an den Details Ihrer internen Veränderungen interessiert sein. Ihre zentralen Fragen sind: Was bedeutet das für uns? Welche Risiken und Nachteile ergeben sich daraus für uns? Welchen Nutzen, welche Vorteile könnte es für uns bringen?
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- Informations- veranstaltungen
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Noch wichtiger ist aber, dass Sie sich sehr genau auf die
vorhandene Stimmung einstellen. Wenn "Druck auf dem Kessel"
ist, hat es keinen Sinn, eine Glamour-Veranstaltung zu bieten
damit würden Sie nur bewirken, dass die Teilnehmer
ihrem angestauten Ärger in den Pausen oder der abschließenden
Diskussion Luft machen. Wenn vorhandene Verstimmungen nicht
im Vorfeld ausgeräumt werden können, müssen
sie in der Anfangsphase der Veranstaltung thematisiert und
zur Zufriedenheit der Teilnehmer behandelt werden so
unangenehm das auch sein mag.
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- Gut auf die Stimmung einstellen
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Dass dies im ersten Teil der Veranstaltung geschieht, ist deshalb wichtig, damit sich die Veranstaltung insgesamt nicht vom Positiven zum Negativen entwickelt, sondern vom Negativen zum Positiven. Eine mutige und konstruktive Auseinandersetzung mit Kritik eröffnet die Chance, die Veranstaltung insgesamt in einer optimistischen, zukunftsgerichteten Stimmung abzuschließen. |
- Vom Negativen zum Positiven
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Und seien Sie darauf vorbereitet, dass die Veranstaltung ein "Nachspiel" hat. Viele Teilnehmer werden Ihre Fragen
und Kritikpunkte nicht bei der Veranstaltung artikulieren,
sondern Sie unmittelbar danach oder in den folgenden Tagen ansprechen sei es,
weil sie Sie nicht in der Öffentlichkeit in Verlegenheit
bringen wollten, sei es, weil sie die Gelegenheit zu einem
vertraulichen Gespräch nützen wollen oder
weil sie hoffen, noch den einen oder anderen Informationsvorsprung
für sich herauszuholen. Das ist übrigens keine schlechte
Nachricht, sondern eine gute. Halten Sie sich also in den
Tagen nach der Veranstaltung genügend Zeit für ausführliche
Telefongespräche frei!
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© 2002 Winfried Berner - vollständige oder auszugsweise Wiedergabe, gleich in welcher Form, honorarpflichtig und nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung / Zitate im üblichen Umfang mit Quellenangabe gemäß wiss. Zitationsregeln zulässig. Näheres siehe Nutzungsbedingungen.
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