|
|
Neu von Winfried Berner:
"Change!" 15 Fallstudien zu Sanierung, Turnaround, Prozessoptimierung, Reorganisation und Kulturveränderung
|
|

|
Für weitere Informationen
klicken Sie bitte hier.
|
| |
Winfried Berner:
"Bleiben oder Gehen"
|
|

|
Für weitere Informationen
klicken Sie bitte hier.
|
| |
Anzeige
Anzeige
|
|
|
|
Sprachbarrieren: Wenn Sie Englisch als Firmensprache einführen
|
 |
|
So banal es ist: Ohne eine gemeinsame Sprache kann man nicht
zusammenarbeiten. Deren Fehlen wird rasch zum Problem, wenn Unternehmen
grenzüberschreitend fusionieren
oder internationale Märkte erschließen wollen. Denn, wie es ein
Kollege ebenso hübsch wie pauschal formuliert hat, "der Ausländer
spricht einfach nicht genug Deutsch". Und, was die Sache noch schlimmer
macht, der Deutsche nicht genug ausländisch.
|
Ohne gemein-same Sprache geht nichts
|
|
|
|
|
Sobald ein Unternehmen die Grenzen des deutschen Sprachraums überschreitet,
bleibt ihm kaum eine andere Wahl als Englisch zur Firmensprache
auszurufen. Mit Deutsch, wie es einige Großunternehmen in der Vergangenheit
versucht haben, schränkt man die Zahl der in Frage kommenden ausländischen
Manager sehr stark ein. Das mag bei den polyglotten Holländern,
Schweden und Ungarn noch funktionieren, doch schon vor dem Überschreiten
des Ärmelkanals wird die Zahl der Kandidaten sehr übersichtlich,
und jenseits des Atlantik kann man getrost alle Hoffnung fahren
lassen, deutschsprachige Führungskräfte rekrutieren zu können. Öfter als einem lieb sein kann, stünde man dann bei Stellenbesetzungen vor der fatalen Alternative, entweder einen schwächeren Kandidaten
mit den Deutschkenntnissen einzustellen oder den besseren, der kein oder kaum
Deutsch spricht.
|
|
Keine Alternative
zu Englisch
|
|
|
Natürlich kann man sich damit behelfen, die Schlüsselpositionen
in den ausländischen Niederlassungen mit Deutschen zu besetzen.
Und für eine Übergangsphase ist das beim Erschließen neuer Märkte
wahrscheinlich sogar ein sinnvoller Weg. Doch auf die Dauer hat
es den Preis, dass man den "Eingeborenen" ihre Karrieregrenzen so
deutlich vor Augen führt, dass viele gute Leute entweder gar nicht
unterschreiben oder nach ein paar Jahren wieder weg sind. Außerdem
ist es in vielen Auslandsmärkten ein Handicap, wenn ein Unternehmen
gegenüber Markt und Gesellschaft nicht durch Einheimische repräsentiert
wird.
|
|
|
Also denn: Englisch ist Firmensprache – what's the problem?!
Naja – um ehrlich zu sein: Das Englisch ist das Problem. |
|
Die hohe Hürde, ausländisch zu reden
|
|
|
Wer von Kindesbeinen an mit Englisch als Zweitsprache aufgewachsen
ist oder ein paar Schul- oder Studienjahre im Ausland verbracht
hat, der kann sich kaum vorstellen, wie hoch die Hürde "Englisch
als Firmensprache" für viele Mitarbeiter ist – übrigens auch auf
höheren Hierarchieebenen. Viele haben Englisch noch von der Schule
her in schlechter, wenn auch mittlerweile verblasster Erinnerung.
Wobei dummerweise nicht nur die schlechten Erinnerungen verblasst
sind, sondern auch alle anderen ...
|
|
Kärgliche Reste des
Schulenglisch
|
|
|
Und so wird die Teilnahme an englischsprachigen Meetings für sie
zur Qual: Die Anstrengung, die "Native Speaker" zu verstehen, das
hassenswert gute Englisch mancher Kollegen und ihr demonstratives
Vorführen von Vokabeln und Idioms, das peinliche Radebrechen mancher
anderer Kollegen, die Angst,
sich zu blamieren oder "etwas Unmögliches" zu sagen, der Frust,
mit seinen Diskussionsbeiträgen immer einen Tick zu spät dran zu
sein, die oft vergebliche Suche nach den richtigen Vokabeln, die
Fragezeichen in den Augen der anderen Teilnehmer, ihr Bemühen um
Geduld, wenn man doch einmal etwas zu sagen versucht, die Qual,
seine Gedanken nicht richtig artikulieren zu können ...
|
|
|
Und so fällt ihnen ein Stein von der Zunge, wenn sie in der Pause
endlich wieder "normal" reden dürfen. Eilfertig betonen sie dann,
dass man sich in seiner Muttersprache eben doch viel präziser ausdrücken
und vor allem die Nuancen besser rüberbringen könne. Was zwar stimmt,
das Problem aber eher verharmlost. Denn bei Licht besehen wäre es
schon ein großer Fortschritt, wenn bloß die Nuancen verloren
gingen. Wer immer erst darüber nachdenkt, wie er es formulieren
könnte und ob er es überhaupt sagen soll, der sagt in vielen Fällen
gar nichts. Was zur Folge hat, dass eben nicht nur die Nuancen verloren
gehen, sondern so gut wie alles, was er beitragen könnte.
|
|
Zu hohe Anforderungen an sich selbst
|
|
|
In dieser Sprachnot werfen sich manche in die Schlacht und kämpfen:
Melden sich zu Wort, ringen um Begriffe und Formulierungen – und
schaffen es auf diese Weise tatsächlich, ihre wichtigsten Gedanken
mitzuteilen. Ganz nebenbei verbessert sich auf diese Weise allmählich
auch ihr Englisch – nicht auf ein Niveau, mit dem sie Shakespeare
einschüchtern könnten, aber doch weit genug, dass sie sich mit ihren
ausländischen Kollegen über alles Wesentliche verständigen können.
Was ja der eigentlichen Funktion von Sprache schon ziemlich nahe
kommt.
|
|
|
Leider ist dieses Rezept nicht übertragbar. Der
Sprung über die Sprachbarriere gelingt nicht allen aus eigener Kraft: Sie vermeiden
englischsprachige Meetings, wo es geht, sitzen, wenn es denn sein
muss, schweigend und leidend dabei und äußern sich nur, wenn sie
direkt angesprochen werden. Oder wenn Ihnen der Kragen platzt –
wobei sie dann allerdings rasch ins Deutsche verfallen. Dieses Vermeidungsverhalten
verhindert natürlich auch, dass sich irgend eine Art von Geläufigkeit
aufbauen kann. Diese "Totalverweigerer" sind in der realen Gefahr,
gegenüber ihren gewandteren (oder mutigeren) Kollegen zurückzufallen
und zu einem enttäuschten und verbitterten Hort der alten Welt im
Unternehmen zu werden.
|
|
|
Das wäre nicht nur für die Betroffenen selbst tragisch, sondern
auch für das Unternehmen. Denn die "Englisch-Verweigerer" sind im
Allgemeinen nicht die schlechtesten Leute: Oft handelt es sich dabei
um eher introvertierte Fachleute und Führungskräfte mittleren und
höheren Alters, oft (aber nicht ausschließlich) um Ingenieure. Sehr
häufig sind darunter Menschen, die hohe Maßstäbe an ihre Arbeit
stellen – und sich, was das Englisch betrifft, genau mit diesen
Ansprüchen an sich selbst in eine Sackgasse manövrieren. Denn im
Gegensatz zu den "Kämpfern" sind sie nicht damit zufrieden, dass
man ihre Kernaussagen versteht, sondern möchten, wenn sie sich schon
äußern, ihre Gedanken auch in korrektem Englisch vorbringen.
|
|
|
Je höher jedoch der Maßstab, den man an sich legt, desto größer
ist aber nicht nur die Gefahr des Scheiterns, sondern auch die Wahrscheinlichkeit
des Verweigerns. Denn wer keine Chance sieht, den eigenen Vorgaben
gerecht zu werden, für den liegt es angesichts der absehbaren Niederlage
nahe, zu resignieren
und gar nicht mehr anzutreten. Überhöhte Maßstäbe sind ein effektives
Selbstentmutigungsprogramm: Wenn vorhersehbar ist, dass das Ergebnis nicht
"gut genug" sein wird, kann man es auch gleich bleiben lassen.
|
|
Fatales Entgegenkommen
|
|
|
Um ihren verdienten Mitarbeitern diese Quälerei zu ersparen, lassen
manche Top Manager Fünfe gerade sein und dulden, dass trotz offizieller
Firmensprache Englisch in international zusammengesetzten Meetings
Deutsch gesprochen wird. Unter Umständen ist dabei auch ein Stück
Machtpolitik im Spiel, denn natürlich beeinflusst die Sprache, die
gesprochen wird, die Kräfteverhältnisse, was bei internationalen
Firmenzusammenschlüssen die Gewichte durchaus verschieben kann. Entsprechend schnell
entstehen Spekulationen,
die in diese Richtung gehen.
|
|
|
Doch was immer die Gründe und Hintergründe sind: In aller Regel
ist ein solches Vorgehen ein verhängnisvoller Fehler. Denn es sperrt
alle, die kein Deutsch sprechen, aus dem
Diskussions- und Entscheidungsprozess aus. Man muss sich in die
Haut der Betroffenen versetzen, um die Auswirkungen nachvollziehen
zu können: Sie sind aus großen Entfernungen angereist, nur um zu
erleben, dass sie an den Meetings, derentwegen sie kamen, zwar physisch,
aber nicht wirklich teilnehmen dürfen. Eine bruchstückhafte und
nachträgliche Übersetzung kann diese "Aussperrung" nicht ausgleichen.
|
|
Faktische Aussperrung
der Ausländer
|
|
|
Spätestens wenn sich diese frustrierende Erfahrung ein zweites
und ein drittes Mal wiederholt, vermuten selbst die Gutwilligsten,
dass der politische Wind sich gedreht hat und ihnen ab sofort ins
Gesicht bläst. Und sie fragen sich, ob sie in dieser Firma noch
eine Zukunft haben. Und diese Frage zu stellen, heißt zugleich, sie
zu beantworten: Eher früher als später ziehen sie die Konsequenzen
und sehen sich nach beruflichen
Alternativen um. Was sehr rasch zur Folge haben kann, dass einem
mitten in der Integrationsphase wichtige Stützen des Auslandsgeschäfts
wegbrechen.
|
|
... führt zu deren
Abwanderung
|
|
|
An dieser Stelle könnte man hitzig einwenden, dass es den Deutschen,
die nicht genug Englisch sprechen, doch auch nicht anders ginge.
Der Einwand ist nicht völlig unberechtigt, übersieht jedoch, dass
es hier nicht nur um Gerechtigkeit geht, sondern auch um Zweckmäßigkeit.
Es gibt genügend Deutsche (Schweizer, Österreicher ...), die Englisch
sprechen, aber nicht genügend Amerikaner, Engländer, Franzosen,
Japaner, Chinesen, die Deutsch sprechen. Jede gute Strategie muss
sich aber an dem zentralen Engpass orientieren. Deshalb kommt man,
so ungerecht es die Betroffenen finden mögen, an Englisch als internationaler
Firmensprache nicht vorbei. (Hätten sich die USA vor vielen Jahren
für Deutsch entschieden, wäre das vielleicht anders – und wir würden
unsere Muttersprache, genau wie heute die Engländer, kaum noch wieder
erkennen. Doch das ist Schnee von gestern.)
|
|
Keine Alternative
zu Englisch
|
|
Den Übergang forcieren und unterstützen
|
|
|
Mit der Umstellung der Firmensprache zu warten, bis alle gut genug
Englisch sprechen, ist der falsche Weg; es ähnelt dem Prinzip: "Ich gehe erst ins Wasser, wenn ich schwimmen kann." Für das Top
Management stellt sich die Frage anders: Wie kann man den Übergang
möglichst rasch schaffen, ohne jene verdienten Mitarbeiter und Führungskräfte,
die nicht genügend Englisch sprechen, zu überfordern und mittelfristig
in die innere Emigration zu treiben?
|
Schnellst-
mögliche Umstellung
|
|
|
Dies ist am ehesten durch die Verbindung von zwei Maßnahmen zu
erreichen, die sich an dem bewährten Prinzip "Fordern und Fördern"
orientieren: Zum einen die klare und unerbittliche Ansage, dass
ab sofort (und nicht erst nach einer Übergangszeit!) Englisch die
alleinige Firmensprache für internationale Meetings wie auch für
Mitteilungen von übergeordnetem Interesse ist. Was zur Konsequenz
hat, dass alle, die ihre Position halten oder es noch zu etwas bringen
wollen, sofort – und ohne Verschleppung! – ihr Englisch auf ein
Niveau bringen müssen, dass sie damit verhandlungssicher sind. Nur
eine solche klare Ansage löst den Handlungsdruck
aus, der erforderlich ist, damit wirklich etwas geschieht, statt
dass bloß gute Vorsätze für die Zukunft gefasst werden.
|
|
Englisch konsequent
fordern
|
|
|
Die andere Voraussetzung ist die großzügige und ermutigende Unterstützung des erforderlichen Lernprozesses. Denn gerade wenn man möglichst
viele von den alten Haudegen (und Verweigerern) auf dem Weg in die
Zukunft mitnehmen möchte, darf man nicht bloß Druck machen, sondern
muss in Unterstützung investieren. Nach unserer Erfahrung sollte
man dabei weniger auf teuren Einzelunterricht setzen – auch für
die obersten Führungsebenen nicht! – als auf professionelle Gruppentrainings,
die Hemmschwellen ab- und Geläufigkeit aufbauen. Solche Trainings
werden zum Beispiel von meinen Kollegen Paul
Smith Associates angeboten. Sie zielen darauf ab, dass die Teilnehmer
innerhalb einer Woche auf Englisch "laufen lernen", das heißt aktiv
an der Kommunikation teilnehmen und sich ab dann, genau wie die
"Kämpfer", aus eigener Kraft weiter entwickeln.
|
|
|
|
©
2002 Winfried Berner - vollständige oder auszugsweise Wiedergabe, gleich in welcher Form, honorarpflichtig und nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung / Zitate im üblichen Umfang mit Quellenangabe gemäß wiss. Zitationsregeln zulässig. Näheres siehe Nutzungsbedingungen.
|
|
Verwandte Themen:
Angst
Resignation
Ermutigung
Entmutigung

|
|
|