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Neu von Winfried Berner:
"Change!" 15 Fallstudien zu Sanierung, Turnaround, Prozessoptimierung, Reorganisation und Kulturveränderung
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Winfried Berner:
"Bleiben oder Gehen"
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Verdeckte Verhandlungen: Die Rationalisierung von Eigeninteressen
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Viele Situationen im Change Management sind ihrem Charakter
nach verdeckte Verhandlungen: Hinter der Maske einer "rein sachlichen"
Diskussionen werden in Wirklichkeit Eigeninteressen
ausgefochten. Manchmal kommt das schon in der
Bestandsaufnahme
vor, wenn heftig über die Repräsentativität von Daten oder
die "wahre" Sachlage gestritten wird, weil Betroffene die
möglichen Konsequenzen der entstehenden Befunde ahnen. Das
häuft sich, wenn es an die Umsetzung geht. Auch Fragen der
Arbeitsverteilung und der Termine im Projekt sind ein beliebter
Gegenstand verdeckter Verhandlungen.
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- Hinter den Kulissen der "Sachdiskussion"
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Zu verdeckten Verhandlungen kommt es immer dann, wenn Menschen
einerseits das Gefühl haben, es sei nicht ratsam, sich offen
zu ihren Eigeninteressen
zu bekennen, sie ihre Interessen andererseits doch, so
gut es geht, durchsetzen wollen. Die Tendenz, seine Eigeninteressen
zu verleugnen, hat seine Gründe sowohl in der Persönlichkeit
des Einzelnen als auch in den "heimlichen Spielregeln" des
sozialen Systems, in dem er sich bewegt.
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- Uneingestandene Eigeninteressen
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| Was ist das Besondere an verdeckten Verhandlungen, und welche
Besonderheiten gelten für sie? Es geht schon damit los, wie
es losgeht:
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Der Trick, vollendete Tatsachen zu schaffen
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| Am günstigsten ist es natürlich, wenn man seine Interessen
ohne Verhandlung erreicht. Deshalb ist es ein beliebter Trick,
der verdeckten Verhandlung dadurch zuvorzukommen, dass man
Fakten schafft – zum Beispiel indem man als Projektleiter
die Arbeitsverteilung kurz vor der Abreise zu einem wichtigen
Termin festlegt und (angeblich oder tatsächlich) keine Zeit
für Diskussionen hat. Oder indem man als Mitarbeiter seine
Arbeitsergebnisse so spät abliefert, dass keine Möglichkeit
für vertiefende Untersuchungen mehr besteht.
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- "Normative Kraft des Faktischen"
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| Für die Abwehr dieser Taktik gilt: Wer sich überrumpeln lässt,
hat schlechte Karten. Wenn Sie mit Ihren Interessen also nicht
unter die Räder kommen wollen, müssen Sie in solchen Fällen
ein klares und deutliches Stopp-Signal setzen: "Augenblick
mal! Das geht so nicht!" Dabei kommt es nicht auf die Qualität
Ihrer Argumente an, sondern hauptsächlich auf den Nachdruck
Ihres Auftretens. Denn nur wenn Sie es schaffen, den abfahrenden
Zug anzuhalten, haben Sie überhaupt noch eine Chance zur Einflussnahme.
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- Nicht überrumpeln lassen!
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| Natürlich kann man, wenn man sich doch hat überrumpeln lassen,
versuchen, eine "Wiederaufnahme" durchzusetzen. Doch der Widerstand
dagegen wird erheblich sein, weil die anderen Beteiligten
wenig Neigung verspüren werden, eine bereits geregelte Sache
noch einmal aufzurollen. Und irgendwann entfaltet auch die
"Normative Kraft des Faktischen" ihre Wirkung: Die Realität ist bereits hat sich bereits in der eingeschlagenen Richtung weiterentwickelt; die anderen
Teammmitglieder haben zum Beispiel bereits begonnen, gemäß der festgelegten Rollenverteilung
zu arbeiten, sodass es nach einiger Zeit aus rein praktischen
Gründen kein Zurück mehr gibt.
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Die Spielregeln verdeckter Verhandlungen |
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| Mit dem Widerspruch gegen die Vorgabe oder den Regelungsvorschlag
ist die verdeckte Verhandlung eröffnet. Möglicherweise beginnt
sie mit einer Vor-Verhandlung, bei dem die andere Seite noch
einmal der Versuch macht, über den "Sachzwang" des Zeitproblems
vollendete Tatsachen zu schaffen. Die richtige Taktik ist
in diesem Fall, das Zeitproblem zur Kenntnis zu nehmen, ohne
es sich aber zu eigen zu machen. So nach der Devise: "Das
ist möglicherweise ein Problem sein, aber es ist ganz sicher
nicht mein Problem." Oder, noch kühler: "So wie Sie das darstellen,
scheint hier in der Tat ein Zeitproblem zu bestehen. Also
sollten Sie dringend etwas unternehmen, um es zu lösen!"
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- Sich das Problem nicht zu eigen machen
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Diese Gedanken müssen Sie nicht unbedingt aussprechen, aber
Sie sollten sie zur Grundlage Ihres Handelns machen. Denn
bei solchen "Zeit-Spielen" ist ganz entscheidend, zu wessen
Lasten die Zeit läuft: Wer ist unter Zeitdruck: Der Projektleiter,
der zum Flieger muss, oder der Mitarbeiter, der mit der Aufgabenverteilung
nicht einverstanden ist? Wenn Sie den Zeitdruck zu Ihrem Problem
machen (lassen), dann kommen Sie auch kaum umhin, seine Konsequenzen
zu akzeptieren.
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- Sich nicht jeden Schuh anziehen
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| Für die verdeckte Verhandlung selbst gelten die Spielregeln
des dialektischen Streitgesprächs: Argumente und Gründe sind
taktische Werkzeuge, um die eigene Position durchzusetzen;
ihr Gewicht und selbst ihr Wahrheitsgehalt sind nachgeordnete
Größen; allein Plausibilität, Eindruck und Wirkung zählen. (Dass Sie
sich vermutlich trotzdem an gewisse Mindeststandards der Redlichkeit
halten, ist eine ethische und keine taktische Frage.) Gesprächsziel
des Streitgesprächs ist das rhetorische Schach-Matt des Gegners:
Also dass er zähneknirschend einlenkt, nicht, weil Sie ihn
überzeugt haben (natürlich nicht), sondern weil ihm keine
Gegenargumente mehr einfallen.
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- Dialektisches Streitgespräch
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| Versuchen Sie, verdeckte Verhandlungen möglichst zügig zu
einem Ergebnis zu führen! Je länger man miteinander gerungen
hat, desto größer ist am Schluss die Frustration für den,
der unterliegt. Das birgt das Risiko einer dauerhaften Belastung
der Beziehung. Natürlich haben Sie die Verhandlungsdauer nicht
alleine unter Kontrolle. Das Wichtigste, was Sie dennoch zur
Abkürzung tun können, ist, in Ihren Aussagen deutlich zu sein – vor allem in Bezug auf die Frage, wofür Sie unter keinen Umständen zu haben sind.
Lassen Sie keine Erwartungen entstehen, die Sie nicht erfüllen
wollen oder können, und verhindern Sie auch, dass falsche Hoffnungen entstehen! Wenn Sie am Anfang den Eindruck vermitteln,
dass Sie unter Umständen doch mit sich reden ließen, frustrieren
Sie Ihren Verhandlungsgegner doppelt, wenn Sie sich am Schluss
doch unnachgiebig zeigen.
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Wechsel in eine offene Verhandlung |
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| Prinzipiell ist es in einer verdeckten Verhandlung jederzeit
möglich, in eine offene Verhandlung überzuwechseln. (Außer
– siehe oben – in Organisationen, in denen die Artikulation
von Eigeninteressen tabuisiert ist.) Der Wechsel in eine offene Verhandlung geschieht einfach
dadurch, dass man sich offen zu seinen Interessen bekennt.
Weniger ratsam ist, sich selbst bedeckt zu halten und stattdessen
die Interessen des Verhandlungsgegners anzusprechen. Das würde
er mit großer Wahrscheinlichkeit, als Foul ansehen – und die
Unterstellung von Eigeninteressen gerade dann, wenn Sie richtig
liegen, mit Schärfe zurückweisen.
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- Interessen auf den Tisch legen
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| Der Wechsel in die offene Verhandlung kann angebracht sein,
um ein Spiel mit falschen Karten, das immer offensichtlicher
und unehrlicher wird, zu beenden und das Gespräch so abzukürzen:
"Lassen Sie uns die Karten doch offen auf den Tisch legen.
Mir geht es im Kern um Folgendes: ...." Allerdings setzt das
ein gewisses Vertrauen in den Verhandlungsgegner voraus. Denn
wenn der nicht mitzieht, sondern weiter kühl behauptet, dass
es ihm ausschließlich um das Interesse des großen Ganzen ginge,
haben Sie sich einen taktischen Nachteil eingehandelt. Umgekehrt kann der Wechsel in die offene Verhandlung auch ein taktisch sinnvoller Schachzug sein – nämlich der letzter Ausweg, wenn man das taktische Streitgespräch zu verlieren droht.
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- Auch ein taktisches Kalkül
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© 2002 Winfried Berner - vollständige oder auszugsweise Wiedergabe, gleich in welcher Form, honorarpflichtig und nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung / Zitate im üblichen Umfang mit Quellenangabe gemäß wiss. Zitationsregeln zulässig. Näheres siehe Nutzungsbedingungen.
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