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Persönlicher Brief: Ein "Joker" für
spezielle Fälle
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In Zeiten von Telefon und E-Mail hat ein persönlicher,
möglicherweise sogar handgeschriebener Brief aus höheren Hierarchieebenen
den Charakter des Besonderen. (Zumindest dann, wenn er nicht
bloß den Verdacht nährt, dass sich der Vorstand
mit modernen Kommunikationsmitteln schwer tut.) Schon von
der "Auflage" her eignet sich ein persönlicher
Brief (nicht zu verwechseln mit einem Mailing)
nur für sehr gezielte, punktgenaue Interventionen. Im
Methoden-Repertoire des Change Management ist er eher ein
Joker für Sonderfälle als ein Standard-Instrument.
Wann ein persönlicher Brief das richtige Signal ist und
wie er abgefasst sein muss, ist sehr stark eine Frage des
Gespürs.
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- Außergewöhn-liches Signal
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Nur wenn er wirklich auf den Adressaten und dessen besondere
Situation eingeht, ist ein Brief eine sinnvolle Sache. Ein
allgemeiner Appell wird nicht dadurch persönlich, dass
er handgeschrieben ist und nur in einem einzigen Exemplar
existiert. Tiefe Wirkung auf den Empfänger wird ein Brief
nur dann entfalten, wenn der sich persönlich angesprochen und in seinem Denken verstanden fühlt
und auch ein Stückchen geehrt, dass sich der Vorstand
seinetwegen diese Mühe macht. |
- Eingehen auf den Einzelnen
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| Ein Brief hat den Nachteil, dass man die Reaktionen des Empfängers
nicht sieht und nicht, wie im persönlichen Gespräch,
auf sie eingehen kann. Er hat den Vorteil, dass der Empfänger
sich dem geschriebenen Text nicht ohne weiteres entziehen
kann, indem er, wie im persönlichen Gespräch, in
wortreiche Erklärungen und Rechtfertigungen flüchtet.
Und dass er nicht sofort antworten kann, sondern sich erst
einmal mit den Aussagen auseinandersetzen muss. Sowohl als
Vorteil wie als Nachteil kann man ansehen, dass man nichts
relativieren kann. "Ha gegrapha, gegrapha", soll
schon Pontius Pilatus gesagt haben: "Was ich geschrieben
habe, habe ich geschrieben." Diese Endgültigkeit
liegt dem einen, dem anderen nicht.
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- Besonderheiten der Schriftform
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Ich habe Briefe erlebt, die hartnäckige Opponenten zum
Einlassen auf einen konstruktiven Dialog veranlasst haben,
und solche, die wirkungslos verpufft sind zum Schaden
des Schreibers. Solche, die mit Wut und Empörung auf
öffentlichen Veranstaltungen verlesen wurden, als Beweis
dafür, wie die Geschäftsleitung Leute unter Druck
setzt, und solche, die mit innerer Berührung zitiert
wurden, um den Kollegen eine veränderte Haltung zu begründen.
Von keiner Sorte indes sehr viele, den persönliche Briefe
sind ein stilles und wohl auch seltenes Instrument.
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Denken Sie über einen persönlichen Brief insbesondere
dann nach, wenn Sie einen Mitarbeiter, den Sie schätzen
und den Sie nicht verlieren wollen, ein deutliches Signal
übermitteln wollen sei es, |
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dass Sie ihm Mut machen wollen, eine
schwierige Zeit durchzustehen,
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dass Sie ihm deutlich machen wollen,
dass Sie trotz aller momentanen Verwerfungen (wie Fusion,
Umstrukturierung) auf ihn setzen,
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dass Sie ihm einfach für eine außergewöhnliche
Leistung danken wollen, oder auch,
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dass Sie ihm klar machen wollen, dass
Sie sein derzeitiges Verhalten nicht billigen und nicht
länger hinnehmen werden.
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Für den Fall, dass Sie auf einen persönlichen Brief
eine Antwort erhalten, die ihrerseits eine Antwort von Ihnen
erwartet: Erwidern Sie nicht schriftlich, sondern wechseln
Sie ins Vier-Augen-Gespräch. Denn so sehr ein Brief ein
Signal setzen kann, so wenig eignet sich dieses Medium dazu,
Unstimmigkeiten auszudiskutieren und zu einem gemeinsamen
Weg zurückzufinden.
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© 2001 Winfried Berner - vollständige oder auszugsweise Wiedergabe, gleich in welcher Form, honorarpflichtig und nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung / Zitate im üblichen Umfang mit Quellenangabe gemäß wiss. Zitationsregeln zulässig. Näheres siehe Nutzungsbedingungen. |
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