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Neu von Winfried Berner:
"Bleiben oder Gehen"
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Mitarbeiterbefragung: Synchronisation für einen neuen Aufbruch
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Um in Erfahrung zu bringen, was Ihre Mitarbeiter bewegt, wie
(un)zufrieden sie sind und wie sie über verschiedene Dinge denken,
ist eine Mitarbeiterbefragung eigentlich ein viel zu großes Geschütz:
Das können Sie schneller, billiger und genauer durch einen Motivations-
und Führungsaudit herausfinden. Dagegen sind Mitarbeiterbefragungen
ein ausgezeichnetes Instrument, um die Aufmerksamkeit der gesamten
Belegschaft auf ein kritisches Thema zu lenken. Damit bewirken sie
eine Synchronisation der Wahrnehmung, die die optimalen Startbedingungen
für einen neuen Aufbruch schafft.
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Kein ideales Messinstrument
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Die erste wichtige Frage, bevor Sie eine Mitarbeiterbefragung
durchführen (lassen), ist, was Sie damit eigentlich erreichen wollen.
Irreführenderweise scheint die Antwort sonnenklar: Sie wollen wissen,
wie die Mitarbeiter über verschiedene Dinge denken und wie sie mancherlei
wichtige Fragen (wie zum Beispiel Betriebsklima oder Führungsqualität)
bewerten. Aber das ist eigentlich keine Antwort. Denn die Daten
sind ja kein Selbstzweck. Wozu wollen Sie dies wissen? Welche Hypothesen
haben Sie im Kopf? Welche weiteren Schritte schweben Ihnen vor?
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Was wollen Sie erreichen?
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Nun könnten Sie pikiert einwenden: "Welche weiteren Schritte wir
unternehmen wollen, hängt natürlich von den Ergebnissen der Befragung
ab. Genau dafür brauchen wir ja die Daten!" Dann hätten Sie allerdings
ein Problem. Denn ob eine Mitarbeiterbefragung eine gute oder eine
schlechte Idee ist, hängt maßgeblich davon ab, wie es danach weiter
geht. Eine Mitarbeiterbefragung produziert nämlich nicht nur Daten,
sondern auch Erwartungen. Was zur Folge hat, dass Sie damit sowohl
sich selbst als auch das gesamte Top Management in Zugzwang bringen.
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Es entstehen nicht
nur Daten
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Eine Mitarbeiterbefragung weckt Erwartungen
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Man kann nach einer Mitarbeiterbefragung nicht so tun, als ob nichts
gewesen wäre, und zur Tagesordnung übergehen – damit würde man große
Irritation und Enttäuschung auslösen. Die Mitarbeiter würden nicht
mehr verstehen, was Sie eigentlich wollen.
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Hier liegt ein fundamentaler Unterschied zwischen sozialen und
technischen Messungen: Dort handelt es sich um sogenannte nicht-reaktive
Messungen; das heißt flapsig gesagt, dass es dem vermessenen Objekt
zutiefst egal ist, ob es vermessen wird. Oder etwas seriöser ausgedrückt,
dass sich das Messobjekt durch die Messung nicht nennenswert verändert.
In sozialen Systemen hingegen haben wir es fast immer mit "reaktiven
Messungen" zu tun. Das heißt, die Messung löst bei den Mitarbeitern
Reaktionen aus. Vor allem schafft sie Erwartungen – und damit das
Potenzial für Enttäuschungen.
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Wenn Sie zum Beispiel zahlreiche Fragen zur Qualität von Führung
und Zusammenarbeit stellen und an die Mitarbeiter appellieren, diese
Fragen ungeschminkt und offen zu beantworten, dann erklären Sie
damit öffentlich, dass Sie dieses Thema erstens für wichtig und
zweitens für überprüfenswert halten. Daraus entsteht zwangsläufig
die Erwartung, dass Sie etwas unternehmen werden, wenn die Befunde
Handlungsbedarf anzeigen. Was mit großer Wahrscheinlichkeit der
Fall sein wird. (Und Sie können sich darauf verlassen, dass die
Mitarbeiter und der Betriebsrat
hierfür ein gutes Gespür haben.) Wenn nach einer Mitarbeiterbefragung
nichts Ernsthaftes geschieht, entsteht daher große Enttäuschung, und das Management verliert
an Glaubwürdigkeit
und Vertrauen.
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Das hat drei Konsequenzen. Erstens, dass Sie, falls Sie noch gar
nicht sicher sind, ob Sie in ihrer Folge größere Maßnahmen ankündigen
und durchführen wollen, besser die Finger von einer breit angelegten
Mitarbeiterbefragung lassen. Zweitens, dass Sie bei der Auswahl
der Fragen sehr sorgfältig darauf achten sollten, die Aufmerksamkeit
der Belegschaft nicht auf Themenfelder zu lenken, auf denen Sie
derzeit nichts unternehmen wollen oder können. (Ein großes Risiko
bei zugekauften oder geklauten Fragebögen!)
Drittens, dass in diesem Erwartungseffekt auch eine große Chance
liegt. Denn sie können eine Mitarbeiterbefragung ganz gezielt nutzen,
um die Aufmerksamkeit
der gesamten Belegschaft auf eine bestimmte Thematik zu lenken,
bei dem Sie Handlungsbedarf sehen.
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Falls Sie fürs Erste nicht mehr wollen als ein paar empirische
Daten, denken Sie besser über alternative Methoden nach. Vermutlich
führt Sie hier ein Motivations-
und Führungsaudit, also die mündliche Befragung einer kleinen
Stichprobe von Mitarbeitern, schneller, besser und mit weniger Risiken
und Nebenwirkungen zum Ziel.
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Synchronisierung der Aufmerksamkeit
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Der größte Nutzen von Mitarbeiterbefragungen liegt nicht in den
Daten, die sie liefern, sondern darin, dass sie die Aufmerksamkeit
der gesamten Belegschaft synchronisieren
und so einen gemeinsamen Aufbruch ermöglichen. Das beginnt damit,
dass alle Mitarbeiter den Fragebogen erhalten und durchblättern.
Viele füllen ihn nicht nur aus, sondern diskutieren auch mit Kollegen
darüber. Und natürlich löst auch die Auswertung, wenn sie offen
und in guter Aufmachung kommuniziert wird, vielfältige Diskussionen
aus.
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Bündelung der Aufmerksamkeit
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Die breite Diskussion der Ergebnisse und der abzuleitenden Schlussfolgerungen
ist, wenn man eine Mitarbeiterbefragung so einsetzt, nicht der unvermeidliche
Abschluss des "Projekts Befragung", sondern ein zentraler Bestandteil
der
Dramaturgie
auf dem Weg zu einer Veränderung. Deshalb sollte sich die Geschäftsleitung
nicht aktiv nur an diesen Diskussionen beteiligen, sondern gezielt
Foren für sie schaffen (z.B. Diskussionsveranstaltungen,
Workshops, ein Diskussionsforum
im Intranet).
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Breite Diskussion
auslösen!
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Scheuen Sie sich nicht, bei der Diskussion über die Befunde auch
kontrovers Stellung zu nehmen! Denn aus der Tatsache, dass viele
Mitarbeiter oder Führungskräfte eine bestimmte Auffassung vertreten,
folgt noch lange nicht, dass sie Recht haben bzw. dass ihre Sichtweise
das Unternehmen weiter bringt (
Rationalität). Beispielsweise
kann es durchaus sein, dass in den Antworten zum Thema Kundenorientierung
eine hohe (Selbst-)Zufriedenheit der Mitarbeiter zum Ausdruck kommt.
Das heißt nicht unbedingt, dass auf diesem Gebiet kein Handlungsbedarf
besteht – möglicherweise sprechen Ihre eigene Erfahrung oder auch
Kundenbefragungen
eine deutlich andere Sprache. Möglicherweise ist die hohe Zufriedenheit
sogar ein Teil des Problems. Dann wäre es nicht nur sinnvoll, sondern
sogar notwendig, die Ergebnisse der Befragung mit einer anderen
Sichtweise zu konfrontieren und damit ganz gezielt eine kontroverse
Diskussion auszulösen.
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In aller Regel fördert eine Mitarbeiterbefragung bestimmte
Wünsche und Erwartungen an die Geschäftsleitung zu Tage. Daraus folgt keineswegs,
dass Sie diesen Vorstellungen ohne Wenn und Aber entsprechen müssten.
Wichtig ist nur, dass Sie, falls Sie dies nicht zu tun beabsichtigen, klar und deutlich Stellung beziehen.
Hier hat das Management eindeutig eine Bringschuld: Wenn Sie den
artikulierten Vorstellungen vieler Mitarbeiter nicht zu entsprechen
beabsichtigen – wofür es gute Gründe geben kann –, dann müssen Sie
dies sagen. Anderenfalls leisten Sie dem Entstehen falscher
Erwartungen und damit späteren Enttäuschungen und Konflikten Vorschub.
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Der entscheidende Nutzen einer Mitarbeiterbefragung ist erstens, dass sich die ganze Mannschaft
für einige Wochen mit dem Themenfeld beschäftigt, dass Sie ins Blickfeld
der Aufmerksamkeit rücken wollten, und dass sie dabei zweitens
zu (einigermaßen) übereinstimmenden Schlüssen kommt. Heftige Kontroversen
und Konflikte sind in dieser Diskussion
nicht schädlich, sondern willkommen: Wenn unterschiedliche Sichtweisen
und Erwartungen nicht mit staatsmännischem Geschwätz zugekleistert,
sondern offengelegt und sauber geklärt werden,
helfen sie, Klarheit über Ziele und Prioritäten zu schaffen. Wenn
Sie dabei selber dazulernen und redlicherweise sogar gezwungen sind,
Positionen zu korrigieren, war die Diskussion in doppelter Hinsicht
besonders wertvoll: Erstens haben Sie neue Erkenntnisse gewonnen,
und zweitens haben Sie den Mitarbeitern bewiesen, dass die Geschäftsleitung
lern- und veränderungsbereit ist.
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Gemeinsame Schluss-folgerungen
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Im besten aller denkbaren Fälle steht am Schluss dieser Diskussion
ein breiter Konsens über Ziele, Prioritäten und die Vorgehensweise
zu ihrer Erreichung. Im zweitbesten Fall verstehen Führungskräfte,
Mitarbeiter und Betriebsrat
zumindest, weshalb die Geschäftsleitung bestimmte Maßnahmen einleitet,
und wissen, in welche Richtung es gehen wird – auch wenn sie davon
vielleicht nicht begeistert sind. Natürlich ist ein breiter Konsens
besser, aber er ist nicht immer erreichbar, und es ist nicht sinnvoll,
den Preis einer Verwässerung der Prioritäten dafür zu bezahlen.
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Wie Sie bei Vorbereitung und Durchführung einer Mitarbeiterbefragung
konkret vorgehen, lesen Sie im Abschnitt Mitarbeiterbefragung:
Praktische Tipps.
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© 2001 Winfried Berner – vollständige oder auszugsweise Wiedergabe, gleich in welcher Form, honorarpflichtig und nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung / Zitate im üblichen Umfang mit Quellenangabe gemäß wiss. Zitationsregeln zulässig. Näheres siehe Nutzungsbedingungen.
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Synchronisierung
Dramaturgie
Motivations- und Führungs-Audit
Bestandsaufnahme
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