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Neu von Winfried Berner:
"Bleiben oder Gehen"
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Ergebnispräsentationen: Taktgeber der Projektarbeit
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Der größte Nutzen von Ergebnispräsentationen
im Change Management liegt wohl darin, dass sie die Projektteams
von Zeit zu Zeit zwingen, die Ergebnisse ihrer Arbeit auf
den Punkt zu bringen. Ohne solche regelmäßigen
Zäsuren besteht vor allem bei unerfahrenen Teams die
Gefahr der Verzettelung: Man hat recherchiert, Analysen durchgeführt,
Berge von Daten gesichtet, eine Menge von Ideen gesammelt
und kontrovers diskutiert aber man hat wenig dokumentiert, und wenn es dann ernst wird, tut man sich schwer,
all diese Erkenntnisse zu Schlussfolgerungen und einem begründeten,
entscheidungsreifen Vorschlag zu verdichten.
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- Viel Arbeit, wenig Resultate
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Einige Aufmerksamkeit verdient die Frage nach dem richtigen
zeitlichen Abstand der Präsentationen. Dabei sind zwei
gegenläufige Aspekte zu berücksichtigen. Ist der
Abstand zu dicht, sinkt die Produktivität der Teams,
weil sie dann fast nur noch für die Präsentationen
arbeiten. Außerdem wird die Sache für alle Beteiligten
frustrierend, weil es von Präsentation zu Präsentation
nicht genügend Fortschritte gibt. Ist der Abstand zu
groß, sinkt die Produktivität ebenfalls, weil dann
eine "Leerlaufphase" in der Mitte entsteht, wo zu
unfokussiert und zu folgenlos gearbeitet wird (siehe Grafik).
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Abb.: Die meiste Zeit wird in der mittleren Phase verloren der wachsende Ergebnisdruck in der Endphase rettet
noch manches.
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Was ist daran so schwierig? Die Schwierigkeit dabei ist zum einen eine intellektuelle, zum anderen eine emotionale. Die intellektuelle Leistung besteht darin, sich von den ganzen Details zu lösen und das "Big Picture", das Gesamtbild, herauszuarbeiten. Das emotionale Problem ist die Angst vor der Übernahme einer doch ganz erheblichen Verantwortung. Denn Verdichtung bedeutet Weglassen und wer das Falsche weglässt, ist verantwortlich dafür, dass falsche Schlussfolgerungen gezogen und möglicherweise Fehlentscheidungen von erheblicher Tragweite getroffen werden. |
- Die Arbeit auf den Punkt bringen
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In der Regel sind zur Vorbereitung einer Ergebnispräsentation (ein bis) zwei Teamsitzungen plus Vor- und
Nachbereitung erforderlich, um die in einer Projektphase gesammelten
Erkenntnisse und Ideen präsentationsreif aufzubereiten. Weiter
wird die Sitzung unmittelbar nach dem Lenkungsausschuss etwa
zur Hälfe von einer Nachbesprechung bestimmt sein, so
dass allenfalls die andere Hälfte für die Planung
der nächsten Schritte bleibt. Wenn sich die Teams wöchentlich
treffen, blieben bei einem monatlichen Präsentationsrhythmus
also gerade noch ein (bis zwei) Teamsitzungen für die
inhaltliche Weiterarbeit. Das ist eindeutig zu wenig.
Umgekehrt ist ein Acht-Wochen-Abstand schon fast zu lange,
so dass sich ein ungefähr sechswöchiger Rhythmus
oftmals als der "goldene Mittelweg" erweist.
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Schlussfolgerungen und Entscheidungsempfehlungen |
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Machen Sie dem Projektleiter und den Teams von Anfang an deutlich,
dass Ergebnispräsentationen nicht dem Nachweis von Fleiß
dienen, sondern der Darstellung von Erkenntnissen, Schlussfolgerungen
und Empfehlungen. Das ist ein Lernprozess, der ein Stück
Geduld erfordert. Unerfahrene Projektleiter und Teams neigen
dazu, dem Lenkungsausschuss bzw. der Geschäftsleitung
anerkennungsheischend vorzuführen, wie viel sie gearbeitet
und was sie alles untersucht haben. Außerdem haben sie
die Tendenz, nur Einzelbefunde und Ideen vorzutragen und auf
die Frage nach Empfehlungen zu antworten: "Das muss der
Lenkungsausschuss (bzw. die Geschäftsleitung) entscheiden!"
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- Nicht Fleiß, sondern begründete Empfehlungen
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So verständlich dieses Ausweichen ist, so wenig hilft
es weiter. Denn der Lenkungsausschuss bzw. die Geschäftsleitung
ist in der Regel überfordert, in den rund 60 Minuten,
die ihm normalerweise pro Team zu Verfügung stehen, die
Essenz der Aussagen herauszufiltern und auf dieser Basis eine
abgewogene Entscheidung zu treffen. Um schnell entscheiden
zu können, brauchen sie erstens eine Verdichtung der
Einzelbefunde zu Kernaussagen, zweitens Schlussfolgerungen
und drittens begründete Entscheidungsempfehlungen, zum
Beispiel in Form einer vergleichenden Bewertung verschiedener
Optionen.
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- Überforderung des Lenkungs-ausschusses
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Bis Projektleiter und Teams solche Empfehlungen liefern, bedarf
es einer gewissen "Lehrzeit". Ideal ist, wenn sie
ein erfahrener Mentor oder Coach schon im Vorfeld der Präsentation
begleitet, der immer wieder auf Verdichtung, Schlussfolgerungen
und Empfehlungen drängt und die Teams dabei sowohl handwerklich
unterstützt als auch ihnen "Mut zur Aussage"
macht. Manche lernen das sehr schnell, andere tun sich schwerer
damit. Auch in Top-Beratungsunternehmen dauert es in der Regel
einige Monate, bis junge Berater so weit sind, dass sie den
Mut haben, ihre gesammelten Befunde auf den Punkt zu bringen
und daraus eine klare und sauber begründete Empfehlung
abzuleiten. Die penetrant wiederkehrende Frage lautet hier immer: "So what – was folgt daraus?"
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- "So What – was folgt daraus?"
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Von der Präsentation zur Mitarbeiter-Kommunikation |
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Für die Projektteams ist die Präsentation im Lenkungsausschuss
der Höhepunkt ihrer Arbeit: Wenn sie ihre Ergebnisse
dort vorgestellt und eine positive Resonanz gefunden haben,
betrachten ihre Mission als erledigt und wenden sich nach
kurzer Verschnaufpause der nächsten Phase zu. Ähnlich
die Mitglieder des Lenkungsausschusses: Sie stellen in der
Sitzung mit Befriedigung fest, dass das Projekt im Großen
und Ganzen rund läuft, machen ihren Haken hinter der
Sache und wenden sich ebenfalls anderen Aufgaben zu. Bei so
viel Zufriedenheit gerät leicht in Vergessenheit, dass
es außerhalb des Lenkungsausschusses auch noch Menschen
gibt, die vielleicht informiert werden sollten. |
- Mission erledigt, Kommunikation vergessen
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Denn die Unterversorgung von Führungskräften und
Mitarbeitern mit Information
kann je nach Typus des
Vorhabens unterschiedliche Auswirkungen haben. Bei den
sogenannten "Pull-Projekten" wie Umstrukturierungen,
Fusion oder Turnaround brodelt die Gerüchteküche, und es ziehen die abenteuerlichsten
Mischungen aus Dichtung und Wahrheit durchs Haus. Bei den
"Push-Projekten" wie der Veränderung einer Unternehmenskultur
oder der Einführung eines Leitbilds passiert
erst einmal gar nichts, weil die Mitarbeiter sich weder bedroht
fühlen noch Lust auf eine Veränderung haben und
sich infolgedessen auch nicht sonderlich dafür interessieren, was
sich die "Oberen" schon wieder ausgedacht haben.
In beiden Fällen bringt der mangelnde Informationsfluss
den Erfolg des Projektes in Gefahr im eigenen Fall,
weil sich die Gerüchte
und Emotionen hochschaukeln,
im anderen, weil überhaupt keine Veränderung in
Gang kommt.
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- Folgen mangelnder Kommunikation
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Um der Belegschaft eine klare Orientierung zu geben und den
Veränderungsprozess voran zu treiben, ist es notwendig,
Führungskräften und Mitarbeitern frühzeitig,
zeitnah und intensiv über den Fortschritt des Projektes
zu informieren und die Auseinandersetzung über Ziele,
Wege und Ergebnisse anzustoßen. Wir haben bei unterschiedlichsten
Projekten sehr gute Erfahrungen damit gemacht, sehr kurz nach
den Lenkungsausschuss-Sitzungen eine Informationsveranstaltung einzuberufen und dort sowohl die Original-Präsentationen
aus dem Lenkungsausschuss zu zeigen als auch die getroffenen
Entscheidungen mitzuteilen. |
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Besonders wirksam ist dies bei Umstrukturierungen, Integrationsprozessen
und ähnlichen Vorhaben, wo viele Mitarbeiter misstrauisch
sind und sich Sorgen machen, ob hinter den Kulissen vielleicht
ganz andere Dinge geplant wurden als offiziell mitgeteilt
wird. Doch wenn am Dienstag der Lenkungsausschuss war und
am Donnerstag eine Info-Veranstaltung stattfindet, dann werden Ihnen die meisten Mitarbeiter glauben,
dass Sie den Mittwoch zum Treffen der Entscheidungen benötigt
haben und nicht dazu, eine zensierte Version der Präsentation
herzustellen.
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© 2001 Winfried Berner - vollständige oder auszugsweise Wiedergabe, gleich in welcher Form, honorarpflichtig und nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung / Zitate im üblichen Umfang mit Quellenangabe gemäß wiss. Zitationsregeln zulässig. Näheres siehe Nutzungsbedingungen.
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