Promotion Package: Erste-Hilfe-Koffer für die Kommunikation
über die Linie
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Bei der Kommunikation über Multiplikatoren
gibt es oft ein Problem: Die "Multis" sind selbst nur oberflächlich
mit den Projektinhalten vertraut, die sie transportieren sollen.
Wenn Sie also nicht möchten, dass die einen ihre Wissenslücken
mit Spekulation auffüllen und die anderen Unsicherheit ausstrahlen,
müssen Sie sie ausreichend vorbereiten. Dazu zählt neben einem
persönlichen Briefing (altdeutsch: Einweisung) auch die Ausstattung
mit Informationsmaterial. Hinter dem geheimnisvollen Wort
"Promotion Package" verbirgt sich also etwa das, was man früher
als "Handreichung", später als "Arbeitshilfe" und im Pädagogen-Jargon
als "Unterrichtseinheit" bezeichnet hätte - nur mit etwas mehr Marketing
und etwas weniger erigiertem Zeigefinger.
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- Wissenslücken und ihre Folgen
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Vor allem in großen Unternehmen ist es oftmals notwendig,
sich für die Kommunikation im Change Management auf
Multiplikatoren
zu stützen. Das kann entweder eine kleine, eigens für diesen
Zweck zusammengestellte und geschulte Truppe von "Wanderpredigern"
sein, oder man geht den Weg über die Linie, also über die
Führungshierarchie. Ersteren Weg wird man eher dann wählen,
wenn es darum geht, das ganze Unternehmen bzw. den gesamten
Konzern mit einer neuen Methode oder einem Programm vertraut
zu machen, das flächendeckend "ausgerollt" werden soll. Der
letztere Weg bietet sich eher für die fortlaufende Information
über Projektinhalte und -ergebnisse an. |
- Kommunikation über Multiplikatoren
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Je mehr man sich in der Kommunikation auf Personen stützt,
die mit der Materie selbst nicht vertraut sind, desto wichtiger
ist, sie so mit Informationen und mit Material auszustatten,
dass sie sich überhaupt zu einer vernünftigen Kommunikation
in der Lage sehen. Denn wer sich nicht sachkundig fühlt, wird
entweder gar nicht kommunizieren, oder er wird die Kommunikation
so kurz halten, dass er dabei nicht in Verlegenheit kommt.
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Warum die Kommunikation über die "Linie" häufig nicht funktioniert |
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Wer nicht weiß, was er sagen soll, sagt im Zweifelsfall gar
nichts. An diesem banalen Grund liegt es häufig, wenn die "Kommunikation
über die Linie" nicht funktioniert
– oft zum Leidwesen
und zum ohnmächtigen Zorn des Top Managements. Da wurden die Führungskräfte
zwar ausführlich informiert, und man hat ihnen viele bunte
Folien gezeigt und ihre Fragen so weit
beantwortet, das sie das Change Management-Vorhaben sinnvoll
und richtig fanden, oder dass sie zumindest keine Einwände mehr erhoben. Doch erst ganz zum Schluss kommt
– vielleicht
– die Aufforderung, diese Informationen auch an die Mitarbeiter
weiter zu geben (manchmal wird das auch gar nicht ausgesprochen,
sondern nur stillschweigend erwartet).
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- Schweigen aus Unsicherheit
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In ihrer Hilflosigkeit bitten die Führungskräfte dann um die
Präsentationsfolien – und bekommen sie in der Regel auch.
Doch bei deren Durchsicht stellen sie rasch fest, dass sie
sie so nicht verwenden können: Erstens weil sie zu umfangreich
sind, zweitens, weil sie viele komplizierte Darstellungen
selbst nicht erklären könnten, und drittens wohl auch, weil
die Mitarbeiter manches nicht verstehen würden
– und anderes
vielleicht besser als es den Führungskräften lieb ist. Also stehen sie vor der Wahl, entweder
eine komplette Überarbeitung vorzunehmen
– wofür sie in aller
Regel die Zeit nicht haben und oft auch nicht das erforderliche
Hintergrundwissen
– oder sich an der Kommunikation irgendwie
vorbei zu mogeln.
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- Foliensätze sind keine Hilfe
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Die meisten entscheiden sich verständlicherweise für das Letztere.
Pflichtbewusst geben sie auf der nächsten Abteilungssitzung einen
kurzen und mehr oder weniger geordneten Bericht. Doch natürlich wird
auf diese Weise weder die Bedeutung des Change Management-Projekts
deutlich noch springt gar ein Funken über – im Gegenteil:
Die meisten Mitarbeiter haben die Sache schon vor Ende der
Sitzung wieder vergessen. Wenn das Top Management dann nachforscht,
was bei den Mitarbeitern angekommen ist, stößt es auf gähnende
Leere – und erregt sich einmal mehr in hilfloser Wut
über die "Lähmschicht" im mittleren Management.
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- Rückstandsfreie Kommunikation
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Promotion Package: So geht's |
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Wenn Sie ernsthaft wollen, dass Ihre Messages die Mitarbeiter
erreichen, sollten Sie zwei Dinge tun: Erstens sollten Sie
dann den mittleren Führungskräften nicht am Ende, sondern
ganz am Anfang der
Informationsveranstaltung sagen, dass Sie von Ihnen die Weitergabe der wesentlichen
Informationen an ihre Mitarbeiter erwarten. Zweitens sollten
Sie ihnen ein Promotion Package an die Hand geben, das sie
bei dieser Aufgabe unterstützt. Ideal ist, wenn die Teilnehmer
dieses Paket gleich am Ende der Veranstaltung mitnehmen können.
Wenn Sie ein Übriges tun wollen, weil eine volle Durchdringung
der Belegschaft mit den Kernaussagen für Ihr Vorhaben eine zentrale Bedeutung hat, können Sie drittens eine Kommunikations-Erfolgskontrolle ankündigen.
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- Briefing der Führungskräfte
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Ein Promotion Package kann zum Beispiel folgenden Inhalt
haben:
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1 Satz Präsentationsfolien für Abteilungsbesprechungen
(nicht zu viele, in der Regel höchstens 5 - 10 Stück);
sie sollten Informationen über die wichtigsten Projektziele,
die Vorgehensweise (kurz!), die Projektteams und Zeitpläne
sowie über bisherige Projekterfolge enthalten; sie sollten
auf kritische Punkte u.U. etwas ausführlicher eingehen;
am Ende können sie in eine Diskussion darüber münden,
wie die Abteilung involviert sein wird und welchen Beitrag
sie zum Projekterfolg leisten kann;
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10 Stück Handouts für die Mitarbeiter
mit den wichtigsten Inhalten ("Merkposten");
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1 "Drehbuch" für den Vorgesetzten
mit einem Vorschlag zur Vorgehensweise;
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1 Fragen-und-Antworten-Papier ("FAQ
Sheet") für den Vorgesetzten.
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Dazu können beliebige weitere Materialien kommen, die zur
Vermittlung der Inhalte nützlich sind, zum Beispiel eine kurze
Fallstudie, Anwendungsbeispiele, Bilder, zur Not auch Werbemittel.
In den USA dürfte eine Videocassette
mit einer eindringlichen Ansprache des Vorstandsvorsitzenden
nicht fehlen; diesseits des Atlantik scheint sie eher entbehrlich.
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Das Paket sollte nach didaktischen Gesichtspunkten aufbereitet
sein: Es muss die Führungskräfte in die Lage versetzen, die
Projektinhalte in ihrem Mitarbeiterkreis überzeugend zu kommunizieren.
Die Unterlagen sollten möglichst selbsterklärend gestaltet
werden; auf komplizierte Darstellungen, die den Vorgesetzten
oder die Teilnehmer in Verlegenheit bringen könnten, sollte
verzichtet werden. Unter Umständen ist es sinnvoll, einen
Ansprechpartner ("Hotline") für die Nutzer des Promotion Package
sowie für vertiefende Fragen zu benennen.
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- Drehbuch für wirksame Vermittlung
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Wichtig ist, beim Entwickeln des Promotion Package von Kommunikationszielen
auszugehen, die im ersten Schritt möglichst klar definiert
werden müssen: Was sind die 3 - 7 Punkte, die am Ende jeder
Mitarbeiter im Kopf haben sollte? Am besten formulieren Sie
hier gleich die Fragen für die Kommunikations-Erfolgskontrolle: Welche Fragen sollte nach Durchführung des Programms jeder
Mitarbeiter beantworten können? Ohne eine solche Leitlinie
besteht die Gefahr, dass sich die zusammengestellten Unterlagen
zu sehr am vorhandenen Material orientieren: Was haben wir
denn vorliegen? Was wäre noch interessant zu zeigen?
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Einsatzvoraussetzungen und Kontraindikationen |
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Ein Promotion Package macht wie die gesamte Kommunikation über die Linie vor allem dann Sinn, wenn die Linienverantwortlichen
die Ziele und Inhalte des Projekts vom Grundsatz her mittragen.
So lange noch generelle Vorbehalte gegen das Projekt oder
dessen Vorgehensweise bei einem Großteil der mittleren Führungskräfte
bestehen, ist die Gefahr zu groß, dass die zentralen Aussagen
entweder halbherzig oder tendenziös vermittelt werden.
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Insgesamt eignet sich dieser Kommunikationskanal insbesondere
für Nachrichten von mittlerer Bedeutung. Bei kleinen Sachen
lohnt sich der Aufwand nicht, und es entwertet das Projekt
eher, wenn aufwändig kommuniziert wird, obwohl es nicht viel
zu sagen wird. Sehr wichtige Nachrichten hingegen sollten
nach Möglichkeit durch das Top Management direkt vorgestellt
werden. Allerdings wird man in sehr großen und geografisch
weit verteilten Unternehmen auch hier oftmals auf diesen Kanal
zurückgreifen müssen, weil eine Tournee der Konzernleitung
durch alle Standorte kaum realisierbar ist.
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- Nachrichten mittlerer Bedeutung
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