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Neu von Winfried Berner:
"Change!" 15 Fallstudien zu Sanierung, Turnaround, Prozessoptimierung, Reorganisation und Kulturveränderung
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Winfried Berner:
"Bleiben oder Gehen"
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Rede: Das älteste und wirksamste Führungsinstrument
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Um die Herzen der Mitarbeiter zu erreichen, sind die meisten
gängigen Kommunikationsinstrumente denkbar ungeeignet:
zu nüchtern, zu sachorientiert, zu unpersönlich. Sie sind
in erster Linie dazu da, Fakten zu übermitteln, Entscheidungen
vorzubereiten und zu begründen. Typisch eine Präsentation:
Der Sprecher tritt hinter dem Inhalt zurück – er ist im Grunde
nur Instrument, um die Folien zu erläutern und durch Überleitungen
zu verbinden. So etwas mag beeindrucken – begeistern oder
gar mitreißen wird es nicht.
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- Kaum emotionale Ansprache
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Um Menschen persönlich in Bewegung zu bringen, und genau
darum geht es ja im Change Management, bedarf es eines Menschen
– und zwar eines solchen, der für die Sache steht, mit voller
Überzeugung und vollem Risiko für sie eintritt, der dafür
kämpft, sie durchzusetzen. Eine so engagierte Vermittlung
von Ideen und dem Willen, sie umzusetzen, ist auch über kunstvoll
animierte Beamer-Präsentationen nicht erreichbar, weil die
entscheidende Frage offen bleibt, nämlich: Mit wie viel Entschiedenheit
und persönlicher Risikobereitschaft steht unser Chef bzw.
unser Top Management dahinter?
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- Engagement und Entschiedenheit
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Das Bedürfnis nach wirklicher Führung
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Für die Entscheidung von Menschen, sich einem Führer – ich verwende dieses "verbotene Wort" ganz bewusst – anzuschließen, ist die sachliche Plausibilität seiner Ideen notwendig, aber nicht hinreichend. Entscheidend ist, ob sie darauf vertrauen, dass er sein volles Gewicht und seinen vollen Einsatz in die Waagschale werfen wird, um diese Ideen zu realisieren. Dieser Entschlossenheit können sich die Leute aber nur dann vergewissern, wenn sie die Person, den Menschen hinter der Idee spüren.
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Viele Menschen möchten gerne Teil von etwas Großem sein; sie sehnen sich danach, mit ihrer Arbeit an einem großen Erfolg teilzuhaben und einen Beitrag dazu zu leisten. (Was politische und religiöse Demagogen zu allen Zeiten ausgenutzt haben.) Sie sehen, dass sie selbst zu klein, zu schwach und zu mutlos sind, um solch eine große Idee zu entwickeln und die erforderliche Energie zu ihrer Realisierung aufzubringen. Genau deshalb sehnen sie nach Führern, die ihnen eine Plattform zur Realisierung dieser Träume bieten. |
- Teil von etwas Größerem sein
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| Natürlich liegen darin auch Gefahren – als gebrannte Kinder
zucken wir Deutschen immer noch zusammen, wenn das Wort "Führer"
ohne entwarnenden Vorsatz wie "Lokomotiv-" oder "Reise-"
fällt. Dennoch ist es falsch und verschleiernd, sich hier
hinter dem englischen Wort "Leader" zu verstecken. Die Sehnsucht
nach wirklicher Führung – im Gegensatz zu bloßem Management
oder Vorgesetztentum – können wir nicht dadurch entschärfen,
dass wir sie ignorieren – damit würden wir genau das Vakuum schaffen,
das Demagogen beliebigen Raum lässt. Deshalb ist dieses
Bedürfnis sehr viel besser aufgehoben, wenn wir ihn eine konstruktive
Aufgabe bieten, statt es zu ignorieren.
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Rede zielt auf Gefolgschaft
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| Ein ganz zentrales Element dieser Art von Führung ist die
Rede. Nicht die von Adjutanten vorbereitete Folien-Präsentation,
nicht das mehr oder weniger flüssige Ablesen eines vorbereiteten
Manuskripts (die sogenannte "Vorlesung", die spätestens seit
Erfindung der Buchdruckerkunst obsolet ist), auch nicht die
von Werbe– und PR-Agenturen inszenierte Show (obwohl die dazu
gehören kann), sondern ein sorgfältig vorbereites, aber in
freier Rede stattfindendes Ringen um die Herzen der Zuhörer,
das zwei klare Ziele hat: Zustimmung und aktive Unterstützung
– oder, wenn Sie so wollen: Gefolgschaft.
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| Natürlich haben wir mit dem Wort "Gefolgschaft" schwungvoll
das nächste Fettnäpfchen betreten. Doch was hier gemeint ist,
ist nicht blinde Hörigkeit unter freudiger Aufgabe jeder Eigenverantwortung,
sondern Identifikation mit der Sache, Parteinahme und Engagement.
Und zwar ein Engagement, das nicht auf den eigenen Nutzen
schielt, sondern aus dem Glauben an die Sache heraus manche
Anstrengungen und auch mögliche Nachteile auf sich nimmt.
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- Verantwortete Identifikation
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| Ob diese Art von Gefolgschaft ethisch unbedenklich ist oder
fragwürdig, hängt von zwei Dingen ab: Zum einen von der Qualität
der Ziele, gegen die so lange nichts einzuwenden ist, wie
sie nicht menschen– bzw. lebensfeindlich sind. Zum anderen
von dem Grad von Eigenverantwortlichkeit und Verantwortungsbewusstsein,
den sowohl der "Führer" als auch die, die sich seiner Führung
anvertrauen, besitzen und bewahren.
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Verantwortung von Führer und Geführten
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| Das Verantwortungsbewusstsein eines Führers beginnt damit,
dass er Mitarbeiter nur für Ziele begeistert, an die er wirklich
glaubt und vor allem: die er auch durchzuhalten bereit ist.
Es gibt immer wieder Top Manager (und Politiker), die sich
selbst leichtfertig in eine Begeisterung hineinreden und
dann von der eigenen Stimmung mitreißen lassen. Am Ende stehen
die Mitarbeiter dann "wie ein Mann" hinter den verkündeten
Zielen und Ideen und brennen darauf, sie umzusetzen. Doch
nach den ersten Schritten entweicht zunehmend die Luft aus
dem ganzen Unterfangen, und der vermeintliche Führer gibt
seine Ziele und Ideen ebenso schnell auf wie er sie verkündet
hat. Mit der Folge, dass sich gerade die engagiertesten Mitarbeiter
von ihm verraten und verkauft fühlen – ein Totalschaden sowohl
in Sachen
Motivation als auch in Sachen
Glaubwürdigkeit.
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| Solche Irre-Führer erkennt man als Außenstehender daran,
dass im Unternehmen überwiegend mit zynischem Unterton von
ihnen gesprochen wird. Doch Irre-Führung ist kein Versagen
der Rede, sondern ein Versagen des Redners – er ist gescheitert
wie Goethes Zauberlehrling, der die Geister, die er gerufen
hat, nun nicht mehr los wird. Was beweist, dass der Möchtegern-Führer
seinem Instrument nur handwerklich, aber nicht moralisch gewachsen
war. Und es zeigt, dass die Rede ein sehr wirkungsvolles und
gerade deshalb auch gefährliches Instrument ist, das man nicht
nur technisch, sondern auch von seiner sozialen Tragweite
her beherrschen muss.
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Die Rede als Test des Führungswillens
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| Aber was macht eigentlich diese besondere Führungspotenz
der Rede aus? Weshalb hebt sie sich so signifikant sowohl
von der "Vorlesung" als auch von einer Folien-Präsentation
ab – obwohl doch angeblich ein Bild mehr sagt als tausend
Worte?
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| Sowohl bei der Vorlesung als auch bei der Präsentation steht
die Vermittlung von Inhalten im Mittelpunkt; sie zielen auf
Akzeptanz, auf Zustimmung. Bei der Rede hingegen steht ein
Mensch im Mittelpunkt, der einen Führungsanspruch erhebt.
Er will nicht nur Zustimmung, er will, dass die Leute ihm
folgen, und dafür kämpft er. Diesen Kampf kann er gewinnen,
aber auch verlieren. Die Zuhörer spüren diesen Führungsanspruch:
seine Überzeugung und seinen Willen (noch so ein gefährliches
Wort). Und sie entscheiden im Laufe der Rede sehr intuitiv, ob sie ihm folgen.
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| Infolgedessen lauten meine Tipps für eine gute
Rede auch anders, als es in den meisten Rhetorik-Büchern steht:
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1.
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Prüfen Sie, bevor Sie mit einer Rede einen
Führungsanspruch erheben, sehr genau, ob Ihre Vision
und Ihre Ziele so wichtig sind, dass sie nicht nur einen
"großen Aufbruch" hergeben, sondern auch für das Durchstehen
von Durststrecken und Krisen reichen.
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2.
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Denken Sie mit dem Kopf der Zuhörer: Aus
welchen Gründen sollten sich Ihre Mitarbeiter für Ihre
Vision und Ihre Ziele begeistern und sich für sie einsetzen?
Und vor allem: Weshalb sollten sie bereit sein, einen
Preis dafür zu bezahlen?
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3.
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Reden Sie nicht nur über das Angenehme,
sondern auch über das Unangenehme: Welche Anstrengungen
und Entbehrungen kommen auf die Leute zu, wenn sie sich
auf dieses Unterfangen einlassen? Und warum ist es diesen
Preis wert?
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4.
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Machen Sie sich keine Gedanken darüber,
wie Sie wirken und ob sie eine formal gute Rede halten,
sondern kämpfen Sie für Ihre Sache!
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5.
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Kämpfen Sie nicht nur um den Verstand
der Zuhörer, sondern vor allem um ihre Herzen!
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© 2001 Winfried Berner – vollständige oder auszugsweise Wiedergabe, gleich in welcher Form, honorarpflichtig und nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung / Zitate im üblichen Umfang mit Quellenangabe gemäß wiss. Zitationsregeln zulässig. Näheres siehe Nutzungsbedingungen.
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