Rundschreiben: Die kommunikative Minimallösung
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"The medium is the message" wenn an diesem
vielzitierten Satz von Marshall McLuhan auch nur ein Funken
Wahrheit ist, dann beim Einsatz von Rundschreiben im Change
Management eine gewisse Vorsicht angebracht. Memos sind das
Medium, das man üblicherweise wählt, wenn man zwar
etwas mitteilen, sich aber möglichst wenig Gedanken und
Arbeit damit machen möchte. Es wäre naiv zu glauben,
dass dies von den Empfängern nicht registriert würde.
Entsprechend ist die Resonanz.
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- Geringst-möglicher Aufwand
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Innerhalb von Unternehmen sind wir an diese lieblose Methode
der Kommunikation so gewöhnt, dass vielleicht ein Vergleich
zum Privatleben hilfreich ist. Wenn Sie zuhause in Ihrem Briefkasten
eine fotokopierte Mitteilung "An alle Haushaltungen"
vorfinden, werden Sie sie wahrscheinlich ungelesen in den
Papierkorb werfen: Weniger Sorgfalt in der Kommunikation ist
kaum noch möglich. Genau dieser Grad an Sorgfalt ist
unternehmensintern jedoch gang und gäbe nicht,
weil es hier persönlicher wirken würde, sondern
weil sich die Adressaten hier schlechter entziehen können. Skurril wird es dann, wenn sich Leute darüber beklagen, dass ihre Rundschreiben nicht ausreichend beachtet würden. Dabei haben die Adressaten doch genau so reagiert wie sie angesprochen wurden. |
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Natürlich haben Rundschreiben für bestimmte Zwecke
ihren Nutzen und ihre Berechtigung. Wenn es darum geht, Änderungen
der Pauschbeträge für Auslandsreisen mitzuteilen,
wäre jeder höhere Aufwand ein überflüssiger
Overkill. Für administrative Routine-Kommunikation sind
Rundschreiben genau das richtige Medium.
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Zur subtilen Entwertung werden sie dort, wo die Nachricht
für den Empfänger eine Bedeutung hat, die über
administrative Routine hinausgeht. Wenn auf diesem Weg zum
Beispiel eine Veränderung der Organisation kommuniziert
wird, die für viele Mitarbeiter bedeutet, dass sie neue
Kollegen und neue Vorgesetzte bekommen, dann wirkt ein Rundschreiben
kalt, technokratisch und, wie Zyniker sagen könnten,
in gewissem Sinne sehr ehrlich. Denn die "Message des Mediums" ist in diesem Fall, dass die Unternehmensleitung an den Gefühlen der Mitarbeiter zutiefst desinteressiert ist und sie als beliebig verschiebbare Schachfiguren sehen möchte: "Wir wissen schon, dass sie jetzt eine Weile aufgeregt gackern werden. Aber das legt sich wieder."
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Ich schreibe das deshalb so zugespitzt, weil wir das Kommunizieren
per Rundschreiben so gewohnt sind, dass wir in der Gefahr
sind, es gedankenlos auch für Zwecke einzusetzen, für
die es gerade wegen der Message des Minimalaufwands nicht
nur ungeeignet, sondern schädlich ist. Diese Gefahr ist
dann besonders stark, wenn man unter Zeitdruck steht und spontan
keine gute Idee für einen besseren Kommunikationsweg
hat. Achten Sie in solchen Fällen besonders darauf, ob
Sie beim Gedanken an die Empfänger ein inneres Unbehagen
empfinden. Und suchen Sie im Zweifelsfall die direkte Kommunikation!
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- Vorsicht Gedanken-losigkeit!
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