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Schwarzes Brett: Besser als sein Ruf
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Eigentlich erstaunlich, dass so ein biederes Kommunikations-Instrument
wie das Schwarze Brett es geschafft hat, umstritten zu sein.
Während es die einen als eine besonders tückische
Form von Geheimhaltung ansehen, schwören die anderen,
dass solche Aushänge von vielen Mitarbeitern mit großer
Aufmerksamkeit studiert würden.
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- Ausmaß der Aufmerksamkeit
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Die Wahrheit liegt auch in diesem Fall nicht in der Mitte,
sondern mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Die
Akzeptanz des Schwarzen Bretts hängt stark davon ab,
welche Tradition es im jeweiligen Unternehmen hat. Denn wenn
auf den Tafeln nur die Feiertagsregelung vom vorletzten Jahr,
ein uralter Speiseplan der Kantine und ein stark narkotisch
wirkender Aushang über Arbeitssicherheit vor sich in
gilben, dann muss man sich nicht wundern, wenn das Schwarze
Brett kein Publikumsmagnet ist. Wenn dort hingegen aktuelle
Informationen über Themen hängen, die von allgemeinem
Interesse sind, dann werden sie auch gelesen.
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- Entscheidend ist Aktualität
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Der große Vorteil des Schwarzen Bretts ist, dass es
bei günstiger Platzierung Wartezeiten und Pausen nutzt.
Während man beispielsweise auf den Beginn einer Besprechung
wartet oder auf die Kollegen, mit denen man zum Mittagessen
verabredet ist, schaut man gerne mal, ob am Schwarzen Brett
etwas Neues und Interessantes gibt. Und wendet sich in vielen
Fällen enttäuscht ab. Genau das ist das Problem:
die mangelnde Aktualität, und nicht das Schwarze Brett
an sich!
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Wie jede andere Kommunikationsform lebt das Schwarze Brett
von Aktualität und von Relevanz. Wenn die gegeben sind,
lässt sich auch ein ziemlich verwahrlostes Schwarzes
Brett schnell wiederbeleben. Und dann wird das Schwarze Brett
zu einer ausgesprochen wirkungsvollen Methode des Change Management.
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Stellen Sie deshalb als erstes Aktualität sicher
und beginnen Sie mit gnadenlosem Ausmisten. Schmeißen
Sie, ohne lange zu fragen, alles weg, was überholt ist
und/oder "angegilbt" aussieht. (Bei gesetzlichen
und berufsgenossenschaftlichen Pflichtaushängen ist ein
etwas weniger radikaler Ansatz zu empfehlen: Konzentrieren
Sie sie in einer Ecke, damit jeder auf den ersten Blick sieht,
dass es sich hier um die Abteilung für Pflichtübungen
handelt.)
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Führen Sie als nächstes die Regel ein, dass alle
Aushänge mit einem Verfallsdatum zu versehen sind, das
nur in begründeten Ausnahmefällen länger als
vier Wochen sein darf. Und beauftragen Sie einen zuverlässigen
Mitarbeiter, einmal in der Woche "durchzuputzen".
Wenn danach nur ein oder zwei Blätter übrig sind,
dann ist es eben so dann gibt es eben nicht mehr Neuigkeiten.
Die Tageszeitung druckt ja (in der Regel) auch nicht die Nachrichten
von gestern noch mal ab, nur weil es nicht genügend neue
gibt.
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Und dann sorgen Sie für Relevanz. Machen Sie das Schwarze
Brett zu einem Ihrer bevorzugten Kommunikationsmedien
schneller und kostengünstiger können Sie es nicht
haben! Nutzen Sie es zum Beispiel, um Kurzberichte zu interessanten
Punkten aus der Leitungssitzung auszuhängen möglichst nicht ganze Protokolle, weil darin zu viel Details enthalten sind, die der normale Mitarbeiter nicht einordnen kann, sondern 3 5 kurze Meldungen auf einer oder zwei Seiten. Sie können diesen Aushang auch mit einem E-Mail-Newsletter verbinden und jeweils dessen aktuellste Version aushängen.
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Sehr gute Erfahrungen haben wir zum Beispiel damit gemacht,
dass die Geschäftsleitung in Zeiten starker Veränderung
einmal pro Monat einen Lagebericht am Schwarzen Brett aushängt.
(Vom Vorsitzenden der Geschäftsführung liebevoll
"Hirtenbriefe" genannt.) Denn, wie gesagt, wenn
sich die Mühe des Lesens lohnt, brauchen Sie sich keine
Sorgen machen, dass dieser Informationskanal nicht angenommen
wird.
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Nicht ans Schwarze Brett gehören hingegen Nachrichten,
die von besonderer Tragweite sind und/oder einzelne Mitarbeiter
oder Mitarbeitergruppen persönlich betreffen. Hier ist
direkte Kommunikation erforderlich. Wenn, wie es in einigen
Hochschulen üblich ist, die Ergebnisse von Klausuren
aus Zeitgründen über einen Aushang oder über
das Intranet bekannt gegeben wird, so dass sich jeder ablesen
kann, ob er bestanden hat oder nicht, ist das ebenso eine
Missachtung der betroffenen Personen wie die Bekanntgabe einschneidender
Umstrukturierungen auf diesem Weg. Wählen Sie also den
Weg des Vier-Augen-Gesprächs
bzw. den einer Info-Veranstaltung
bzw. einer Betriebs-
oder Belegschaftsversammlung, wenn es darum geht, Dinge
von größerer Tragweite mitzuteilen.
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Übrigens ist es trotz des Singulars durchaus nicht so,
dass das Schwarze Brett ein Einzelstück sein müsste
oder sollte im Gegenteil: Wenn es sich von der Substanz
her lohnt, das Schwarzes Brett anzuschauen, dann lohnt es
sich auch, etliche Exemplare davon auf das Werksgelände
zu verteilen. Sie sollten, wie oben erwähnt, überall
dort angebracht werden, wo Mitarbeiter häufiger kurze
Warte- und Pausenzeiten verbringen: Vor Besprechungs- und
Pausenräumen, an Meisterbuden, in der Kantine, am Kiosk,
im Foyer, am Eingang von Treppenhäusern usw. Dann ist
es zwar etwas mehr Aufwand, die ganzen Tafeln à jour zu halten,
aber die Reichweite, also der Multiplikationseffekt ist auch
sehr viel größer.
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© 2001 Winfried Berner - vollständige oder auszugsweise Wiedergabe, gleich in welcher Form, honorarpflichtig und nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung / Zitate im üblichen Umfang mit Quellenangabe gemäß wiss. Zitationsregeln zulässig. Näheres siehe Nutzungsbedingungen.
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