|
|
Neu von Winfried Berner:
"Change!" 15 Fallstudien zu Sanierung, Turnaround, Prozessoptimierung, Reorganisation und Kulturveränderung
|
|

|
Für weitere Informationen
klicken Sie bitte hier.
|
| |
Winfried Berner:
"Bleiben oder Gehen"
|
|

|
Für weitere Informationen
klicken Sie bitte hier.
|
| |
Anzeige
|
|
|
|
Vorstandsbesuche: Ein starkes Signal der Ernsthaftigkeit
|  |
|
Je größer der Konzern, desto mehr Parallelen
haben Vorstandsbesuche bei Change Management-Projekten zum
Nikolausabend im Kindergarten: Große Aufregung im Vorfeld,
sorgfältige Einstudierung von Geschichten, die mit dem
wirklichen Leben wenig zu tun haben, Herzklopfen, laienhaftes
Theaterspiel, wohlgefälliges Brummen des hohen Gastes
und große Erleichterung, wenn alles vorbei ist.
Gerade deshalb sind Vorstandsbesuche eine höchst wirksame
Methode, um Veränderungsprozesse voran zu treiben
insbesondere, wenn sie sich in gut abgestufter Folge wiederholen.
|
- Säkularisierter Nikolausabend
|
|
Wie wirksam solche Vorstandsbesuche sein können, zeigt
das folgende Beispiel: Im Zuge eines konzernweiten Veränderungsprojektes,
das sich aus Hunderten von Einzelprojekten zusammensetzte,
beschloss der Vorstand eines Großkonzerns, dass jedes
Mitglied der Konzernleitung zehn Veränderungsprojekte
im Monat besuchen sollte, um sich ein Bild von den Aktivitäten
vor Ort zu machen.
|
- Tournee der Konzernleitung
|
|
Die erste Besuchsrunde trug deutliche Züge einer Laientheatervorführung:
Die Projektteams und deren Geschäftsleitungen in den
Konzernunternehmen führten dem besuchenden Vorstandsmitglied
eine sorgfältig abgesprochene und bis ins Detail abgestimmte
Show vor: Alles lief wunderbar und machte große Fortschritte.
Bei der Auswertung der Besuche im Vorstand war man sich schnell
einig, dass man über den wahren Stand der Projekte vermutlich
wenig erfahren hatte. Statt dessen hatte man einen Effekt
erzielt, der vermutlich noch wichtiger war: Die Vorstandsbesuche
waren vor Ort sowohl bei den Projektteams als auch bei den
Geschäftsführungen der Unternehmen als starkes Signal
verstanden worden, dass der Konzernleitung das Veränderungsprojekt
wirklich wichtig war.
|
|
|
Um dieses Signal der Ernsthaftigkeit noch zu verstärken,
beschloss die Konzernleitung, zwei bis drei Monate nach dem
ersten Termin eine zweite Besuchsrunde durchzuführen.
Damit löste sie fast noch größere Aufregung
aus als beim ersten Mal. Im Koordinationsbüro in der Konzernzentrale gingen hektische Anrufe
ein mit der flehentlichen Bitte, diesmal ein anderes Mitglied
der Konzernleitung zu schicken, weil man noch nicht so viel
weiter gekommen sei und am liebsten Teile der ersten Präsentation
noch einmal verwenden würde. Was von dem Koordinationsbüro
erbarmungslos abgelehnt wurde. Stattdessen zog man daraus den Schluss, auch zu den anderen Unternehmen in jedem
Fall wieder die gleichen Vorstandsmitglieder zu schicken.
|
- Effekte der zweiten Runde
|
|
Dies löste in einigen Konzernunternehmen, die ihre Projekte
hatten schleifen lassen, hektische Betriebsamkeit aus. In
zwei bis vier Wochen musste die Projektarbeit von anderthalb
bis zwei Monaten nachgeholt werden, was nicht ganz ohne Stress
und Überstunden abging. Beim zweiten Besuch konnten den
innerlich schmunzelnden Vorständen durch die Bank echte
Fortschritte präsentiert werden auch wenn auf
einigen Folien die Farbe noch nicht ganz trocken war.
|
|
|
Zugleich wurden die Diskussionen lockerer. Die Teammitglieder
legten ihre Scheu vor den "hohen Tieren" aus der
Konzernleitung allmählich ab und begannen, offener zu
reden nicht nur Erfolgsmeldungen, sondern auch über
Schwierigkeiten und Probleme.
|
- Lockerung der Diskussionen
|
|
Die meisten Mitglieder der Konzernleitung waren klug
genug, nicht nur Druck zu machen, sondern Unterstützung
zu geben und den Teams Mut zu grundlegenden Schriften zu machen.
Bei der dritten Besuchsrunde war das Klima schon relativ gelöst,
und in den Präsentationen wurde nicht mehr schöngefärbt als in anderen Lenkungsausschüssen auch.
Das Wichtigste aber war, dass die grundlegende Message, dass
die Change-Projekte der Konzernleitung ein großes Anliegen
sind, bei allen Führungskräften und Mitarbeitern
im Konzern angekommen war. Was eine enorme Schubkraft für
das gesamte Vorhaben auslöste.
|
|
|
Nun wird mancher Top Manager aufstöhnen: "Wo soll
ich denn die Zeit für solch ein Besuchsprogramm her nehmen?"
In der Tat bedeutet der Besuch von 10 Projekten pro Monat,
die quer über Deutschland oder Europa verstreut sind,
einen Zeiteinsatz von mindestens drei, realistisch eher fünf
Tagen. Und das ist viel Zeit, wenn man den Kalender
von Top Managern kennt.
|
|
|
Doch genau das ist ein wesentlicher Teil der Message. Gerade
weil jeder Manager weiß, dass der Kalender des Vorstands
extrem voll ist, ist es ein extrem starkes Signal, wenn der
gesamte Vorstand oder auch nur der "Schirmherr"
des Projektes gleich etliche Tage pro Monat dafür
frei macht. Zeit, und nicht Geld, ist die knappste Ressource
von Top Managern genau deshalb gehen sie ja so knauserig
damit um. Wenn sie also wesentliche Teile ihres Kalenders
für eine Sache frei räumen, dann ist das ein Zeichen
dafür, dass sie dieser Sache höchste Bedeutung beimessen.
Und dann greift ein ganz simpler Übertragungsmechanismus
innerhalb einer Hierarchie. Die Mitarbeiter, insbesondere
aber die oberen Führungskräfte, sagen sich:
"Wenn mein oberster Chef einer Sache allerhöchste Bedeutung beimisst, sollte ich es besser auch tun." |
- Unterstreichen der Bedeutung
|
Diese "Signalübertragung" innerhalb von
Unternehmen ist ein zentrales Führungs-Instrument für
Top Manager. Gerade weil Ihre Zeit äußerst knapp
ist, setzen Sie durch deren Allokation sehr starke Signale
im Positiven wie im Negativen. Werfen Sie also noch
einmal einen Blick in Ihren Kalender und fragen Sie sich noch
ein zweites Mal: Wie wichtig ist Ihnen das Change Management-Vorhaben
wirklich? Durch Ihre Zeitallokation, und nicht durch verbale
Bekenntnisse, beantworten Sie diese Frage.
|
- Hochwirksame Signalübertragung
|
© 2001 Winfried Berner - vollständige oder auszugsweise Wiedergabe, gleich in welcher Form, honorarpflichtig und nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung / Zitate im üblichen Umfang mit Quellenangabe gemäß wiss. Zitationsregeln zulässig. Näheres siehe Nutzungsbedingungen. |
|
|
Verwandte Themen:
Führung
Kommunikation
Rolle
der Geschäftsleitung im Veränderungsprozess

| |
|