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Neu von Winfried Berner:
"Change!" 15 Fallstudien zu Sanierung, Turnaround, Prozessoptimierung, Reorganisation und Kulturveränderung
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Winfried Berner:
"Bleiben oder Gehen"
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Übernahmeschock: Ausgeliefert an fremde Mächte
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Nur wenn die Not groß und das Selbstvertrauen eines Unternehmens ziemlich angeknackst
ist, kommt es vor, dass die Nachricht von einer bevorstehenden Übernahme
mit Erleichterung aufgenommen wird und der Käufer den Betroffenen
wie ein rettender Engel erscheint. Im Normalfall löst die Ankündigung
einen ziemlichen Schock aus. Denn anders als
bei einem bloßen Wechsel der Eigentumsverhältnisse
müssen die Mitarbeiter und Führungskräfte des übernommenen Unternehmens
hier auf buchstäblich alles gefasst sein: von der Schließung oder
Zerschlagung über eine Eingliederung bis zu einer weitgehend eigenständigen
Fortführung.
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Solche Befürchtungen könnte man für überzogene Katastrophenphantasien
halten. Weshalb sollte ein Unternehmen ein anderes kaufen, nur um
es hinterher zu zerschlagen oder zuzusperren? Doch erstens schafft
Wahrnehmung Realität, auch wenn solche Maßnahmen gar nicht vorgesehen
sind. Und zweitens gibt es solche Fälle durchaus: Etwa dann, wenn
ein Unternehmen in einem Markt mit erheblichen Überkapazitäten einen
angeschlagenen Wettbewerber kostengünstig kauft, um dessen Kunden
zu übernehmen und durch dessen Schließung Kapazitäten aus dem Markt
zu nehmen, um so die Preise zu stabilisieren. Auch eine Zerschlagung
ist durchaus nicht immer auszuschließen, etwa wenn der Käufer nur
an einzelnen Filetstücken interessiert ist und den Rest entweder
verkauft oder dicht macht. Oder wenn ein Investor Teile des gekauften Unternehmens weiterverkauft, um so einen Teil seines Kaufpreises wieder hereinzubekommen.
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Zerknitterte Gefühlslage
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Nun kann man einwenden, dass dies die extremsten und unwahrscheinlichsten
Möglichkeiten seien. Das stimmt in der Tat. Doch es entspricht nun
einmal der menschlichen Natur, die Aufmerksamkeit der größten möglichen Bedrohung
zuzuwenden, statt auf einen möglichst günstigen Verlauf zu hoffen.
Auch wenn dies für das Management zuweilen extrem störend ist: Offenbar
hat sich dieses Muster im Laufe der Evolution bewährt.
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Was die Sache für die betroffenen Mitarbeiter und Führungskräfte
noch schlimmer macht, ist, dass sie ihre Lage nicht positiv beeinflussen
können, sondern hilflos den Entscheidungen des Übernehmers ausgeliefert
sind. Zwar wissen oder ahnen die meisten, dass sie als Arbeitnehmer
gewisse Schutzrechte gegenüber möglicher Willkür des Übernehmers haben.
Doch selbst die genaue Kenntnis der in Deutschland geltenden Gesetze
etwa zum Betriebsübergang und zum Kündigungsschutz ändert wenig an dem Kontrollverlust,
den sie erleben, und der Zukunftsangst, die sie plagt.
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Dazu kommt oftmals ein "Verlierer-Gefühl". Von einem Wettbewerber
übernommen zu haben, bedeutet ja, das Spiel (manche würden auch
sagen: den Krieg) verloren zu haben – "vae victis!" Das ist natürlich
ein schwerer Schlag für das Schlag für das Selbstwertgefühl – insbesondere
für diejenigen, die viel für das alte Unternehmen geleistet haben.
Denn gerade für sie, die sich wirklich angestrengt haben, wirft
es unausgesprochen die Frage auf, ob sie überhaupt gut genug sind
für diese Welt bzw. für dieses Wettbewerbsumfeld. Sie fühlen sich
wie die Leistungsträger einer Fußballmannschaft, die gerade abgestiegen
ist. Mit diesem angeknacksten Selbstvertrauen reagieren sie besonders
sensibel und empfindlich darauf, wie das übernehmende Unternehmen
nun mit ihnen umgeht.
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Minderwertig-
keitsgefühle
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Drohenden Auflösungserscheinungen entgegenwirken
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Dieses Gemisch aus Angst,
Resignation,
Kontrollverlust
und angeknackstem Selbstvertrauen kann zum Sprengsatz für den Übernehmer
werden. Sie wie aus einer abgestiegenen Fußballmannschaft viele
abwandern, um auf diese Weise das "Loser-Image" abzustreifen, zeigt
oft auch die Führungsmannschaft eines übernommenen Unternehmens
baldige Auflösungserscheinungen. Nur die Hoffnung auf eine gepflegte Abfindung hält manche noch für eine
Weile im Unternehmen. Doch ein oder zwei Jahre nach einer Übernahme
sind oftmals nur noch ein Drittel oder ein Viertel der alten Führungsmannschaft
an Bord, und das liegt durchaus nicht nur an bewussten Entscheidungen
des Übernehmers.
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Wenn Sie daher für das Management einer Integration verantwortlich
sind, dann haben Sie ein besonderes Augenmerk auf die Schlüsselpersonen
des übernommenen Unternehmens! Je wichtiger die Qualität
der Mitarbeiter und die Beziehungskontinuität zu Kunden und
Lieferanten für den Erfolg Ihres Geschäfts ist, desto wichtiger
ist es, die betroffenen Schlüsselpersonen im Unternehmen zu halten.
Wenn Sie zum Beispiel in einem Know-how-intensiven Geschäft die
wichtigsten Wissens- und Leistungsträger verlieren, haben Sie im
Resultat unglaublich viel Geld für gebrauchte Büromöbel ausgegeben.
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Schlüssel-
personen "einfangen"
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Die Bindung dieser Schlüsselpersonen wird nur dann gelingen, wenn
Sie offen auf sie zugehen, sie mit spürbarer Wertschätzung behandeln
und ihnen schnellstmöglich Orientierung über ihre künftigen Aufgaben
und Rahmenbedingungen vermitteln. Auch um die Loyalität
der übrigen Mitarbeiter zu gewinnen und nicht nur eine von Resignation
und Apathie geprägte Mannschaft zu haben, ist frühzeitige (!) offene Kommunikation, menschliche Zuwendung
und klare Orientierung von entscheidender Bedeutung. Was in den
ersten Wochen gewonnen wird, ist eine wertvolle Grundlage für den
Erfolg der Integration – was hier kaputt gemacht wird, ist später,
wenn überhaupt, nur noch mit ungleich höherem Aufwand korrigierbar.
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Frühzeitige offene
Kommunikation
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© 2002 Winfried Berner – vollständige oder auszugsweise Wiedergabe, gleich in welcher Form, honorarpflichtig und nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung / Zitate im üblichen Umfang mit Quellenangabe gemäß wiss. Zitationsregeln zulässig. Näheres siehe Nutzungsbedingungen.
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