Auftragsklärung: Prävention des Projekt-Management-GAU
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"Größter Anzunehmender Unfall" heißt im Change Management: Im
Laufe des Projekts tritt ein Problem auf, das sich nicht heilen
lässt – oder nur so unzureichend, dass das Projekt angeschlagen
bleibt und nur mit Mühe und Not über die Zeit gerettet werden kann.
Die wichtigste Methode der Prävention ist eine saubere Auftragsklärung.
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Mögliche GAUs in Change Management-Projekten sind zum Beispiel:
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Der Auftraggeber
verliert Interesse an dem Projekt und überlässt es seinem
Schicksal;
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der Auftraggeber
ändert Ziele und Rahmenbedingungen des Projekts fundamental
(u.U. mehrfach), sodass die bereits geleistete Arbeit nutzlos
ist und das Projektteam mehr oder weniger von vorne beginnen
muss;
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der Auftraggeber
erklärt das gewählte Vorgehen für blödsinnig und überhäuft
Projektleiter und/oder Team mit Kritik, ohne konkrete Alternativen
zu nennen;
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das Projektteam verweigert die Weiterarbeit
oder fällt auseinander;
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das Projekt gerät unter massiven Beschuss
durch die "Linie" oder den Betriebsrat,
und es entsteht ein nicht auflösbarer Konflikt;
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die gewählte Vorgehensweise erweist sich als
unpraktikabel, und dem Projektleiter und seinem Team fällt
keine geeignete Alternative ein;
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Nicht alle denkbaren Krisen
lassen sich durch vorausschauendes Handeln verhindern, doch das
beste Krisen-Management heißt immer noch Prävention. Und ein ganz
wesentliches Element der Krisenprävention ist die sorgfältige Klärung
der Ziele und Erwartungen mit dem Auftraggeber.
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Erforderliche Absprachen mit dem Auftraggeber
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Klar, dass der Projektauftrag konkrete Aussagen zu den Erwartungen
an das Projekt und zu seinen konkreten Zielen formuliert werden
sollten. In der Praxis sind Zielformulierungen jedoch meist lückenhaft,
weil in aller Regel nur sogenannte "Erreichungsziele" formuliert
werden. Den wenigsten Menschen ist bewusst, dass es für ein Veränderungsprojekt
drei Arten von Zielen gibt:
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Erreichungsziele: Was soll an konkreten
Veränderungen bewirkt werden? Was soll "hinten heraus kommen"?
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Vermeidungsziele: Welche unerwünschten
Veränderungen sollen nicht eintreten? Welche bestehenden "Risiken
und Nebenwirkungen" sind zu vermeiden?
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Bewahrungsziele: Welche vorhandenen
Stärken, Vorteile, Besonderheiten dürfen nicht in Gefahr gebracht werden?
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Natürlich geht es bei einem Veränderungsprojekt in erster Linie
darum, dass bestimmte Dinge erreicht werden sollen. Dennoch haben
die Bewahrungs- und die Vermeidungsziele große Bedeutung. So ist
es zum Beispiel bei einem Kostensenkungsprogramm ausgesprochen wichtig
zu wissen, welche Bewahrungs- und Vermeidungsziele etwa in Bezug
auf Qualität und Kundenzufriedenheit gelten.
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Vermeidungs-
und Bewah-
rungsziele
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Die klare Formulierung von Bewahrungs- und Vermeidungszielen hat
einen doppelten Nutzen: Zum einen ersparen sie unerfreuliche Nachbesserungen
der Projektziele von der Art: "Aber Sie hätten doch wissen müssen
..." Zum anderen tragen sie erheblich dazu bei, bei den Betroffenen
Ängste und Befürchtungen
zu reduzieren. Denn wenn explizit benannt wird, was vermeiden und
was erhalten werden soll, dann verschwinden viele unausgesprochene
Sorgen, dass wertvolle Stärken des Unternehmens leichtfertig über
Bord geworfen oder unhaltbare Zustände in Kauf genommen werden sollen.
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Weitere wichtige Themen der Auftragsklärung sind:
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Vorgehensweise und Methoden (soweit nicht
schon im Vorfeld geklärt);
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Budget und Zeitplan;
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Erforderliche Vorarbeiten (und wer sie macht);
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Rolle des Auftraggebers im Projekt (sowohl
Einbindung als auch "Mitwirkungspflichten");
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Teamzusammensetzung und volle oder teilweise
Freistellung der Teammitglieder;
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Kommunikation.
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Sofern ein solches Papier nicht ohnehin existiert – in manchen Unternehmen
gibt es die gute Tradition, dass Projektaufträge
prinzipiell schriftlich formuliert werden –, sollten Sie sich als
Projektverantwortlicher auf den Hosenboden setzen und ein solches "Lastenheft" zu Papier
bringen. Dabei geht es weniger um "Beweissicherung" für den Fall
späterer Meinungsverschiedenheiten als um die verbindliche Dokumentation
wesentlicher Eckdaten und um die Vermeidung von Missverständnissen.
Denn bei mündlichen Absprachen hoffen zwar auch alle darauf, sich
richtig verstanden zu haben, aber erst die Schriftform macht den
Schritt vom Hoffen zum Sicherstellen.
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Schriftlicher Projektauftrag
("Lastenheft")
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Der Auftraggeber wird diesen schriftlichen
Projektauftrag mit
großer Wahrscheinlichkeit sorgfältig lesen. Wenn er daraufhin zustimmt,
haben Sie ein verlässliches Fundament. Wenn er noch Korrekturen
anzubringen hat, ist das auch kein Beinbruch. Es ist im Gegenteil
der kostengünstigste denkbare Zeitpunkt, um Änderungen oder Präzisierungen
vorzunehmen.
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Bestmöglicher Zeitpunkt für Korrekturen
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Wenn der Auftraggeber kneift
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In seltenen Fällen werden Sie feststellen, dass dem Auftraggeber
diese Klärung gar nicht so recht ist. Möglicherweise gibt er sich
ungehalten über diese "unnötige Verzögerung", die das Erstellen
des Projektauftrags
mit sich bringt; möglicherweise wird er auf unterschiedliche Weise
versuchen, sich einer Klärung zu entziehen.
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Wenn dies der Fall sein sollte, ist das eine sehr wichtige Information
für Sie als Projektverantwortlicher. Es kann entweder bedeuten,
dass sich der Auftraggeber selbst
noch recht unsicher über die genaue Stoßrichtung des Projekts ist
und sich deshalb noch nicht zu stark festlegen möchte. Das kann
vorkommen und ist manchmal sogar ausgesprochen sinnvoll; es sollte
aber unbedingt Konsequenzen für die Projektsteuerung haben. In diesem
Fall ist wichtig, ein gemeinsames "Lernen im Prozess" zu vereinbaren
und sich im Projektverlauf sehr eng mit dem Auftraggeber abstimmen.
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Oder es bedeutet, dass sich Ihr Auftraggeber prinzipiell nicht
gerne festlegt, weil er damit ja auch eine gewisse Verantwortung
übernehmen würde. Je klarer der Auftrag, desto weniger könnte er
sich bei späteren Problemen darauf herausreden, dass das Projekt
vom Auftrag abgewichen oder sonst wie aus dem Ruder gelaufen sei.
So viel "Tapferkeit" würde man auf höheren Führungsebenen vielleicht
nicht erwarten, und so jemand gehört dort eigentlich auch nicht
hin – aber es kommt dennoch vor.
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In diesem Fall sind Sie gewarnt und müssen sich entsprechend wappnen.
(Ab jetzt reden wir über die Folgekosten von Führungsdefiziten.)
Um am Ende nicht den Schwarzen Peter in Händen zu haben, müssen
Sie sich bei der Projektarbeit doppelt und dreifach absichern. Das
bedeutet zwar Mehraufwand und damit Mehrkosten, aber wenn Ihnen
Ihre eigenen Interessen nicht gleichgültig sind, bleibt Ihnen kaum
eine andere Wahl.
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Absicherung ("CYA
– Cover Your Ass")
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Bestehen Sie in diesem Fall nicht trotz, sondern wegen der Ausweichmanöver
auf einem klaren Projektauftrag.
Falls Sie keine Antwort erhalten, teilen Sie schriftlich mit, dass
Sie, solange Sie keine abweichenden Instruktionen erhalten, auf
der Basis des von Ihnen formulierten Lastenhefts
arbeiten werden. Und treiben Sie eher einen etwas erhöhten Aufwand,
um Vorgehensweise, Zeit- und Arbeitspläne sowie Zwischenergebnisse
transparent zu machen. Je nach Konstellation kann es außerdem sinnvoll
sein, sich andere Verbündete im Top Management zu suchen. Denn wenn
andere starke Personen mit der Vorgehensweise und den Ergebnissen
einverstanden sind, wird es Ihr ängstlicher Auftraggeber auch sein.
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Auf klarem Auftrag bestehen
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© 2001 Winfried Berner – vollständige oder auszugsweise Wiedergabe, gleich in welcher Form, honorarpflichtig und nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung / Zitate im üblichen Umfang mit Quellenangabe gemäß wiss. Zitationsregeln zulässig. Näheres siehe Nutzungsbedingungen.
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