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Neu von Winfried Berner:
"Bleiben oder Gehen"
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Eigeninteressen: Die Tabuisierung und ihr Preis
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Wenn Mitarbeiter und Führungskräfte einerseits das Gefühl haben, es sei nicht ratsam, sich offen zu ihren Eigeninteressen zu bekennen, sie diese Interessen aber andererseits doch, so gut es geht, durchsetzen wollen, kommt es zunächst zu verdeckten Verhandlungen. Wenn sie nicht zu Ergebnissen führen, entstehen Machtkämpfe und Grabenkriege. Die Verleugnung eigener Interessen hat ihre Gründe sowohl in der Persönlichkeit des Einzelnen als auch in den "heimlichen Spielregeln" des sozialen Systems, in dem er sich bewegt.
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Manche Menschen tun sich prinzipiell schwer, sich offen zu
ihren Wünschen und Interessen zu bekennen. Sie bevorzugen es, den Mitmenschen ihre Vorstellungen irgendwie "unterzujubeln". Das führt dann zu den in der Firma wie auch im Familienkreis zu den so beliebten Ratespielen: "Was will er/sie denn jetzt wirklich?" Doch taugt die individuelle Persönlichkeit als Erklärung nur dort, wo sich einzelne so verhalten – wenn indes ein Großteil der Mitarbeiter und vor allem Führungskräfte mit ihren Eigeninteressen hinter dem Berg hält, ist sehr unwahrscheinlich, dass dies an einer rein zufälligen Häufung bestimmter Charaktere handelt. Vielmehr liegt der Grund dann in aller Regel darin, dass das Artikulieren von Eigeninteressen in diesem Unternehmen "tabu" ist. Je ausgeprägter die Tabuiserung, desto häufiger kommt es zu verdeckten Verhandlungen. Denn Eigeninteressen verschwinden ja nicht dadurch, dass man ihre offene Artikulation "verbietet".
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Besser offen als unter dem Tisch |
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Eine besonders ausgeprägte Tabuisierung von Eigeninteressen findet man häufig in Organisationen an, die einen sehr ausgeprägten "Corpsgeist" besitzen, wo also der Erfolg des Unternehmens, die Einhaltung des "Comment" und/oder die Verwirklichung der gemeinsamen Werte und Ziele als sehr hohes Gut angesehen werden. Das gibt es nicht nur in Wirtschaftsunternehmen, sondern sehr ausgeprägt auch in sozialen und politischen Organisationen, etwa in Krankenhäusern, Hilfsorganisationen, Religionsgemeinschaften und Parteien. Der Hinweis, dass eine bestimmte Maßnahme zum Wohle des "übergeordneten Ganzen" unerlässlich (bzw. dafür schädlich) wäre, erlaubt dann fast jede Vergewaltigung sowohl von Tatsachen als auch von Einzelinteressen – und ist umgekehrt ein wirksames Mittel zur Durchsetzung verdeckter eigener Interessen.
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Ausgeprägter "Corpsgeist"
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Der Philosoph und ehemalige Jesuitenpater Prof. Dr. Rupert Lay bezeichnet solche Systeme als faschistoid, wobei er definiert: "Ein System ist genau dann faschistisch, wenn es sich selbst zum höchsten zu erhaltenden Gut erklärt." (Etwa: "Du bist nichts – dein Volk ist alles!") Problematisch werden solche Tendenzen spätestens dann, wenn in der Diskussion über bevorstehende Veränderungen über Eigeninteressen nur noch in Bezug auf Abwesende gesprochen wird – oder in willfähriger Unterordnung unter das Gesamtinteresse: "Wenn es im Interesse des Unternehmens ist, bin ich selbstverständlich bereit, meine Position abzugeben!"
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Auch wenn sie der Planung des Managements durchaus in die Quere kommen können, muss dennoch festgehalten werden: Eigeninteressen sind nichts Unanständiges. Es sollte in einem gesunden Unternehmen durchaus möglich sein zu sagen: "Ich mache den Job gerne, ich mache ihn gut, und ich möchte ihn auch weiter machen!" Aufgabe der Vorgesetzten ist dann, mit dem Einzelnen, aber notfalls auch ohne sein Einverständnis, eine Abwägung von Einzel- und Gesamtinteressen vorzunehmen. Das Gesamtinteresse wird dabei in aller Regel Vorrang haben; die Interessen des Einzelnen sollten dabei aber nicht beiseite gewischt, sondern, so gut es eben geht, berücksichtigt werden – schon deshalb, weil man nicht riskieren möchte, einen guten und motivierten Mitarbeiter zu verlieren.
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Unanständig, wenn wir schon moralisch werten, und unprofessionell wird es erst dann, wenn jemand seine Eigeninteressen über das Gesamtinteresse stellt und versucht, seine eigenen Vorstellungen ohne Rücksicht auf die Folgen für das Gesamtsystem durchzudrücken – wie es etwa bei Abteilungskriegen und internen Machtkämpfen durchaus gebräuchlich ist. Paradoxerweise wird solches Verhalten durch die Tabuisierung von Eigeninteressen nicht verhindert, sondern begünstigt.
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Professiona-lität gefordert
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