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Rezensionen

Glück ist, in seiner Aufgabe aufzugehen

Csikszentmihalyi, Mihaly (2003):

Flow im Beruf

Das Geheimnis des Glücks am Arbeitsplatz

Klett-Cotta (Stuttgart) 2003, 2014; 312 Seiten; 14,95 Euro


Nutzen / Lesbarkeit: 8 / 8

Rezensent: Winfried Berner, 10.07.2015

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Der Entdecker des Flow befasst sich in diesem Buch mit der Frage, was Unternehmen tun können, um das menschliche Wohlergehen am Arbeitsplatz zu mehren. Die Frage mag man für naiv halten, Csikszentmihalyis Antworten sind indes durchaus erhellend.

Mihaly Csikszentmihalyi ist ein Solitär der modernen Psychologie. Mehr oder weniger im Alleingang entdeckte und erforschte der 1934 in Rjeka geborene Sohn ungarischer Eltern den "Flow" – einen intensiven Glückszustand, der aus dem völligen Aufgehen in eine Aufgabe oder Aktivität besteht, verwandt dem, was die alte deutsche Psychologie als "Funktionslust" bezeichnete (aber meines Wissens nicht näher ergründete).

Der Zustand des Flow wird erreicht oder kann erreicht werden, wenn eine nahezu perfekte Übereinstimmung zwischen den Anforderungen einer Aufgabe und den persönlichen Fähigkeiten besteht. Dieser Zustand ist gekennzeichnet durch höchste Konzentration, einen Verlust des Zeitbewusstseins und der Selbstwahrnehmung und durch perfektes Funktionieren. Csikszentmihalyis Pionierarbeit, die er hauptsächlich als Professor an der University of Chicago vorantrieb, lassen sich der Motivationspsychologie zurechnen. Martin Seligman bezeichnet ihn in gespielter Bescheidenheit als den führenden Forscher der "Positiven Psychologie".

Das Buch "Flow im Beruf" geht auf eine Studie "Good Work in Business" zurück, die von der Templeton Foundation finanziert wurde und die Csikszentmihalyi gemeinsam mit seinen Professoren-Kollegen Howard Gardner (Harvard) und William Damon (Stanford) durchgeführt hat. In ihr wurden offenbar Unternehmensführer befragt, was sie sich unter befriedigender Arbeit vorstellen und was Unternehmen dazu beitragen können und sollten. (Die Angaben zu Zielen und Methodik der Studie sind recht vage.)

Doch auch wenn diese Befragten mit zahlreichen Zitaten zu Wort kommen, ist dieses Buch keineswegs nur einer jener letztlich unergiebigen Befragungsberichte, in denen lediglich die Vorurteilsbilanz einer bestimmten Zielgruppe präsentiert wird. Vielmehr stellt Csikszentmihalyi den Stand seiner Forschungen vor und nutzt die Zitate hauptsächlich, um ihn zu erläutern und zu illustrieren. Die wiedergegebenen Zitate dürften daher wohl eine selektive Auswahl der Aussagen sein, die in Csikszentmihalyis Bild passen – aber diese Vorauswahl ist mir, ehrlich gesagt, lieber als eine ungefilterte Wiedergabe der unterschiedlich reflektierten Meinungen von Personen, die auf diesem Gebiet im Schnitt keine besondere Qualifikation und Sachkenntnis haben.

"Flow im Beruf" ist in drei Teile gegliedert: Im ersten "Flow und Glückserfahrung" fasst Csikszentmihalyi den Stand der Forschung zusammen. Bemerkenswert ist dabei, dass die Ausprägung von Glück, für die er die Bezeichnung "Flow" geprägt hat, typischerweise nicht bei Entspannung, Erholung und Konsum auftritt, sondern im Kontext der Bewältigung von Aufgaben – und damit besonders häufig bei der Arbeit bzw. im Beruf. Im zweiten Teil "Flow und Organisationen" erläutert Csikszentmihalyi in zwei Kapiteln, "Warum Flow-Erfahrungen am Arbeitsplatz nicht auftreten" sowie "Flow-förderliche Maßnahmen am Arbeitsplatz". Der dritte Teil "Flow und Persönlichkeit" behandelt in drei Kapiteln "Die Seele unternehmerischer Tätigkeit", "Flow ins Leben bringen" und "Die Zukunft der Unternehmenswelt".

Eine sehr klare Gliederung ist das nicht (oder sie hat sich mir nicht erschlossen), und auch der Text liest sich zwar flüssig, aber etwas unstrukturiert und eher erzählerisch als systematisch. Immer wieder gibt es längere Passagen, über die man ohne neue Erkenntnisse hinwegliest, aber zwischendurch stößt man auch auf überraschende Gedanken und neue Einsichten. Auf diesen eher belletristischen als wissenschaftsjournalistischen Stil muss man sich einlassen, wenn man etwas von dem Buch haben will, sonst wird man damit nicht froh werden.

Schlagworte:
Glück, Flow, Beruf, Erfüllung, Arbeitszufriedenheit, Leistungsmotivation, Motivationspsychologie

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