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Ausgezeichneter Ratgeber für Alkoholismus-Betroffene

Merkle, Rolf (2004):

Ich höre auf, ehrlich!

Ein praktischer Ratgeber für Betroffene und Angehörige

PAL (Mannheim); 8. Aufl. 2004; 140 S.; 9,80 Euro


Nutzen / Lesbarkeit: 9 / 9

Rezensent: Winfried Berner, 02.01.2005

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Grob irreführend ist die Zielgruppenangabe "...und Angehörige" im Untertitel: Das Buch ist zwar ein ausgezeichneter Ratgeber für direkt Betroffene, spricht aber Familienmitglieder, Freunde oder Kollegen mit keiner Silbe an.

Dass das Buch sich überhaupt nicht an Angehörige wendet, ist besonders dann ärgerlich, wenn man es sich genau aus diesem Grund gekauft hat. Andererseits macht es wohl einen wesentlichen Teil seines Werts aus, dass es nicht allen etwas bieten will, sondern sich voll und konsequent auf eine einzige Zielgruppe konzentriert, nämlich die direkt Betroffenen. Ihnen allerdings bietet es, soweit ich das beurteilen kann, eine sehr kompetente und gut lesbare Hilfe, die wohl ausschöpft, was ein Buch angesichts einer entstehenden oder bereits verfestigten Suchterkrankung überhaupt an Hilfe bieten kann. Dennoch sollten Autor und Verlag diese Irreführung im Interesse der eigenen Glaubwürdigkeit korrigieren.

Dr. Rolf Merkle ist Psychotherapeut – und zwar einer, der offenbar einige Erfahrung mit Alkoholikern hat und der überdies die Fähigkeit besitzt, seine Anregungen und Empfehlungen in einer sehr klaren Sprache, übersichtlicher Struktur und frei von erigierten Zeigefingern zu vermitteln. Sein Buch ist in drei Teile mit insgesamt 20 Kapiteln gegliedert. Im ersten geht es um die Entwicklung von Alkoholabhängigkeit; dort bietet er auch einen "Test zum Selbermachen", mit dem man bei halbwegs ehrlicher Beantwortung abschätzen kann, wie tief man schon im Schlamassel steckt. Allerdings hebt dieser Test fast ausschließlich auf das Problemtrinken ab und konzentriert sich zudem bereits auf eine sehr ausgeprägte Symptomatik; er ist also weniger geeignet, um Frühwarnsignale zu erkennen.

Der umfangreiche zweite Teil ist im Grunde eine praktische Einführung in die Rational-Emotive Therapie nach Albert Ellis bzw. in die Kognitive Psychotherapie: Aufbauend auf die (auf Alfred Adler zurückgehende) Erkenntnis, dass Gefühle die Folge unserer (bewussten und halbbewussten) Gedanken sind, entwickelt er sehr praktikable Vorschläge, wie Betroffene wieder Frieden mit sich selbst schließen lernen und auf dieser Basis diverse Belastungen in den Griff bekommen, von Selbstentwertung und Schuldgefühlen über Schüchternheit und Angst vor Ablehnung bis hin zu Ärger und Schlafstörungen. Das ist nicht unbedingt Alkoholismus-spezifisch, aber wohl eine sehr gute Unterstützung dabei, wieder die Herrschaft über das eigene Leben zu übernehmen. Gerade dieser Aspekt der Eigenverantwortlichkeit scheint mir dabei zentral: Ja, Sucht ist keine Krankheit – aber das heißt keineswegs, dass der oder die Kranke ihr wehrlos ausgeliefert ist.

Der dritte Teil "Alltägliche Situationen aus dem Leben Alkoholabhängiger" behandelt auf eine sehr klare und ermutigende Art und Weise kritische Situationen, die dazu beitragen können, die Sucht zu verstärken bzw. wiederzubeleben, beginnend beim "Misstrauen des Partners" über die "Angst vor Ablehnung" bis hin zum Abbau von Schuldgefühlen. Die letzten und vermutlich wichtigsten vier Kapitel schließlich befassen sich mit dem, was Merkle den "programmierten Rückfall" nennt – programmiert, weil durch die eigenen Gedanken längst vorbereitet, bevor er real stattfindet. Hierzu zählen die Rebellion gegen die vermeintliche Fremdbestimmung, zum Entzug "geschickt worden zu sein"; der "Kampf mit dem Verlangen" und die Illusion des "kontrollierten Trinkens". Ganz zum Schluss geht er kurz auf Umgang mit einem Rückfall ein. Schade, dass Merkle keinerlei Hinweise auf Selbsthilfegruppen gibt, sondern die Betroffenen vor allem (und meines Erachtens etwas zu ausschließlich) zum Einzelkämpfertum ermutigt. Aber ansonsten kann man an dem Buch wenig aussetzen, sondern im Gegenteil nur hoffen, dass es möglichst viele Betroffene möglichst frühzeitig in die Hände bekommen.

Schlagworte:
Alkohol, Alkoholismus, Sucht

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