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Gewaltfreie Kommunikation in privaten Beziehungen

Pasztor, Susann; Gens, Klaus-Dieter (2004):

Ich höre was, das du nicht sagst

Gewaltfreie Kommunikation in Beziehungen

Junfermann (Paderborn); 95 S.; 9,95 Euro


Nutzen / Lesbarkeit: 9 / 10

Rezensent: Winfried Berner, 28.10.2006

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Ein lebendiges, anschauliches und anregendes Lernbuch zum Thema gewaltfreie Kommunikation, das sich zwar ausschließlich auf die Partnerbeziehung konzentriert, aber problemlos auch auch andere Lebensbereiche übertragen werden kann.

"Ich bin überzeugt, Sie haben sich einen Partner, eine Partnerin auserwählt, weil Sie glücklich sein möchten, eine schöne Beziehung leben wollen, Gemeinsamkeit, Nähe, Zuwendung brauchen. Doch wie viele Tage enden mit Enttäuschung, Traurigkeit oder sogar Hass – gegen den Partner oder gegen sich selbst." (S. 8) In der Tat gibt es zuweilen eine gewisse Diskrepanz zwischen Beziehungshoffnungen und Beziehungsrealität. Und die hat nach Überzeugung von Susann Pásztor und Klaus-Dieter Gens viel damit zu tun, wie Lebenspartner miteinander und mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen umgehen.

Ihr Lösungsansatz ist, wie schon der Untertitel zu erkennen gibt, die "Gewaltfreie Kommunikation in Beziehungen". Wobei mit "Gewaltfreiheit" natürlich nicht (nur) der Verzicht auf Prügel gemeint ist, sondern auch und vor allem der Verzicht auf sprachliche Gewalt. Es gelingt den Autoren in diesem ebenso kurzen wie kurzweiligen Buch sehr gut, die Bedeutung und die praktische Umsetzung gewaltfreier Kommunikation in der Partnerschaft konkret vorstellbar zu machen. Und es gelingt ihnen überdies, was vielleicht die noch größere Leistung ist, sie so einladend und lohnend darzustellen, dass nicht nur die Anstrengungen zu erahnen sind, die jede Veränderung unserer Gewohnheiten natürlich kostet, sondern auch der unmittelbaren Nutzen greifbar wird, den diese Anstrengungen für die Qualität unserer Beziehungen haben könnte.

Nach einer kurzen Einführung, die das zerrüttende Potenzial unserer Alltagsscharmützel deutlich macht – und damit auch den Bedarf dafür, im eigenen Interesse anders miteinander umzugehen –, geben Pasztor und Gens im zweiten Kapitel eine (sehr) kurze Einführung in die Methodik der gewaltfreien Kommunikation. Nicht einmal 4 1/3 Seiten – das dürfte neuer Rekord sein. Aber es reicht, um das Prinzip zu verstehen, und mehr an Theorie braucht man in der Tat nicht, um die Logik und Methodik "theoretisch" begriffen zu haben. Das Schwierige an der gewaltfreien Kommunikation ist nicht, dass sie so schwer zu begreifen und zu erlernen wäre, sondern dass der Entschluss so schwer fällt, ihre Prinzipien ausgerechnet dann anzuwenden, wenn wir uns angegriffen, missverstanden, unfair behandelt, beleidigt oder verletzt fühlen – also genau dann, wenn sie gebraucht wird.

Die Kunst bei der gewaltfreien Kommunikation besteht im Kern darin, die Gefühle und Bedürfnisse hinter Angriffen, Klagen und Vorwürfen zu hören, und dementsprechend nicht mit unseren üblichen Reflexen auf spitze Bemerkungen, verdeckte Schuldzuweisungen und alltagsübliche Entwertungen zu reagieren, sondern uns auf die dahinter stehenden Emotionen und Wünsche einzulassen und uns ihnen zuzuwenden. In der Theorie recht einfach, in der Praxis ein bisschen schwieriger.

Grundlage der gewaltfreien Kommunikation das Modell von Marshall Rosenberg, das aus vier Schritten besteht: Am Anfang stehen Beobachtungen (statt Bewertungen): "Der Satz 'In der Küche steht das benutzte Geschirr von gestern Abend" ist eine Beobachtung, während bei 'Die Küche ist das reinste Chaos' schon eine Bewertung enthalten ist. Im zweiten Schritt drücken wir unsere Gefühle aus, die durch das, was wir beobachtet haben, in uns ausgelöst wurden. Wir können uns fröhlich, begeistert, hingerissen und überglücklich fühlen – aber auch frustriert, besorgt, traurig oder ängstlich. Hinter jedem Gefühl steht ein Bedürfnis – eines, das erfüllt oder eines, das nicht erfüllt wurde. Sind wir uns unserer Gefühle bewusst, führen sie uns auf direktem Weg zu unseren Bedürfnissen." (S. 17) Sind die Bedürfnisse aber erst einmal klar, liegt der vierte Schritt nahe, nämlich die Bedürfnisse in Form einer (möglichst konkreten, spezifischen) Bitte auszudrücken. Das ist bereits das ganze Modell; die restlichen 95 Prozent der Anstrengungen bestehen darin, es in der Praxis umzusetzen.

Die folgenden acht Kapitel begleiten das fiktives Paar Romeo und Julia durch die Tiefen des Beziehungsalltags und dessen allmähliche Veredelung durch gewaltfreie Kommunikation: Am Anfang steht jeweils ein kurzer, aber erschreckend lebensnaher Dialog. Es ist schon immer wieder gruselig, mitanzusehen, wie erbarmungslos und präzise wir gerade bei den Menschen, die uns "eigentlich" am wichtigsten sind (eigentlich?!), auf die Stellen hauen, wo es weh tut. Man kann das als Sadismus interpretieren; vermutlich ist es aber nur die Frustration darüber, dass wichtige eigene Bedürfnisse unerfüllt (und unerkannt) geblieben sind. Im Anschluss an diesen Dialog folgen auf jeweils drei bis sechs Seiten einige Überlegungen, was in dieser Situation schief gegangen ist und wie es besser gehen könnte. So wird der Leser praxisnah mit der gewaltfreien Kommunikation und dem dahinter stehenden Denkmodell vertraut und kann in Gedanken selber durchspielen, wie er sich in der gleichen Situation verhalten hätte oder verhalten könnte. Das hilft zum Lernen wahrscheinlich mehr als jede abstrakte Erläuterung.

Nachdem Romeo und Julia in ihrem Weg zu einer gewaltfreien Beziehung bis zum 10. Kapitel deutliche Fortschritte gemacht haben, verblüffen uns die Autoren im 11. Kapitel mit einem ungewöhnlichen Rollenwechsel: Die Autorin Susann Pásztor interviewt ihren Koautor Klaus-Dieter Gens und dessen Lebenspartnerin Katarina Schmidt, wie sie gewaltfreie Kommunikation in ihrer Beziehung realisieren. Was anfänglich etwas befremdlich wirkt, ergibt bei genauerem Lesen sehr viel Sinn, zumal sich die beiden nach meiner Wahrnehmung sehr offen und authentisch äußern. Es ermöglicht einen Einblick, wie sich gewaltfreie Kommunikation auf eine reale, nicht-fiktive Beziehung auswirkt, welche Hürden dabei zu nehmen sind und wie sich die Qualität der Beziehung dadurch verändert. Das liefert noch mal ein zusätzliches Stück Glaubwürdigkeit und Vorstellbarkeit – und gerade auch in seiner Nicht-Perfektheit ein Stück Vorbild.

Aber natürlich lässt sich der Ansatz der gewaltfreien Kommunikation nicht nur auf die Beziehungen zwischen Ehe- und Lebenspartnern anwenden, sondern auch auf die zwischen Eltern und Kindern, zwischen Geschwistern, aber auch auf die zwischen Kollegen oder die zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern. Denn gleich aus welchen Gründen Menschen sich nahestehen: Immer stehen sie vor der Wahl, sich das Leben gegenseitig leicht oder schwer zu machen, ihre Beziehungen angenehm und befriedigend zu gestalten oder frustrierend und belastend. Da wir Menschen ganzheitliche Wesen sind, ist es eine Illusion zu glauben: "Privat bin ich ein ganz anderer Mensch!" Die scharfe Trennung von Beruf und Privatleben ist ohnehin nur eine Fiktion des nordeuropäisch-amerikanischen, protestantisch geprägten Geschäftslebens. Deshalb ist die Konzentration auf den Bereich der Partnerschaft eher ein didaktischer (und kommerzieller) Kniff als der Hinweis auf grundlegende Unterschiede: Wer sich die Mühe macht, sich für sein Privatleben in gewaltfreier Kommunikation zu schulen, kann überhaupt nicht verhindern, dass er davon auch im beruflichen Bereich profitiert.

Insgesamt ein ausgesprochen empfehlenswertes Buch, zumal sich auch der Preis in einem sehr moderaten Rahmen bewegt.

Schlagworte:
Gewaltfreie Kommunikation, Gewaltfreiheit, Partnerschaft, Partnerschaftlichkeit, Gleichwertigkeit, Empathie

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