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Ein wirksamer Ansatz zur Verbesserung der Teamkommunikation

Pasztor, Susann; Gens, Klaus-Dieter (2005):

Mach doch ... was du willst

Gewaltfreie Kommunikation am Arbeitsplatz

Junfermann (Paderborn); 92 S.; 9,95 Euro


Nutzen / Lesbarkeit: 9 / 10

Rezensent: Winfried Berner, 18.12.2006

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Sehr gut und eingängig zu lesende Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) am Arbeitsplatz, die das Konzept nicht abstrakt erläutert, sondern anhand der Lernentwicklung eines Teams illustriert.

Von denselben Autoren, einer Fachjournalistin und einem GFK-Trainer, gibt es im selben Verlag auch den Titel "Ich höre was, das du nicht sagst", der sich mit der "Gewaltfreien Kommunikation in Beziehungen" befasst. Nun folgt mit kurzem Abstand die "Gewaltfreie Kommunikation am Arbeitsplatz", die ich trotz des kryptischen Titels ebenso nachdrücklich empfehlen kann wie das private Pendant. Das schmale Bändchen folgt der gleichen Grundidee wie sein Vorläufer, indem es, statt abstrakt Konzepte und Methoden der Gewaltfreien Kommunikation zu lehren, dem Lernprozess des Teams einer Werbeagentur folgt – wobei man das "Team" zu Beginn des Prozesses in Anführungszeichen setzen muss, am Ende nicht mehr. Also viel Praxis – was aber nicht unbedingt "wenig Theorie" bedeutet. Doch die Theorie ist so mundgerecht und leicht verdaulich aufbereitet, dass auch ausgesprochene Theorie¬verächter (deren Theorie ist, dass Theorie nichts bringt – was für diese Theorie wohl zutrifft) sie verdaut haben, bevor sie merken, dass sie geschluckt haben.

Natürlich sind solche Geschichten immer ein bisschen konstruiert: Die Chefin ist gestresst, der Underdog verbeißt sich in den Schönling, die Arbeitsbiene fühlt sich nicht genügend gewürdigt, die Praktikantin erlebt den rauhen Wind des Arbeitslebens, schlägt sich aber tapfer, und der ruhende Pol der Agentur hat zufällig etwas von GFK gehört, steht aber noch ziemlich am Anfang ... Aber was soll's: Es geht ja nicht um den Oscar für das beste Drehbuch, sondern darum, ein praktisches Beispiel zu haben, an dem man lernen kann. Und wenn man es genau betrachtet, gibt es im richtigen Leben viele Szenen, die, als Fallstudie aufbereitet, reichlich konstruiert wirken würden.

Die Vermittlung der Basistheorie der Gewaltfreien Kommunikation gelingt diesmal noch kürzer als in dem Vorgängerwerk, obwohl ich das dort schon für rekordverdächtig gehalten hatte, nämlich auf genau drei Seiten. Allerdings ist das nicht die ganze Theorie: In jeder Kommunikations- und Konfliktszene unserer Werbeagentur geht es immer auch um einzelne Aspekte des Konzepts – etwa um "trennende und verbindende Sprachmuster" (Kap. 4 und 6), um "Führen und Einfühlen" (Kap. 5), um "Bedürfnisse und Strategien" (Kap. 8), um "Die Kunst des Bittens" (Kap. 9), weiter um Ärger, Einfühlung, Mobbing, Dankbarkeit und Feiern – eigentlich erstaunlich, welches Themenspektrum die Autoren auf netto 76 Seiten abdecken.

Gelesen hat man das schmale Bändchen an einem Nachmittag oder Abend, selbst in nicht mehr voll konzentrationsfähigem Zustand. Allerdings hat die locker-flockige Aufbereitung für Menschen, die zum Lernen ein bisschen Ordnung und Struktur brauchen, den kleinen Nachteil, dass man am Ende kaum dazu in der Lage wäre, die wesentlichen Aussagen und Erkenntnisse wiederzugeben. Es lohnt sich daher, das Buch nach dem ersten lockeren Durchlesen noch ein zweites Mal durchzuarbeiten und sich die wesentlichen Gedanken herauszuziehen. Anderenfalls hat man sechs Wochen später zwar noch die Erinnerung, dass das ein wirklich gutes Buch war, aber nicht mehr, was darin stand. Was angesichts des nützlichen Inhalts schade wäre.

Einen kleinen Hader will ich trotzdem noch loswerden, auch wenn die Autoren nicht dessen Urheber, sondern nur seine Multiplikatoren sind. Als "Wappentier" hat die GFK-Szene die Giraffe erwählt, angeblich weil sie – jedenfalls seit dem Aussterben der Saurier – das größte Herz aller Landtiere hat. Infolgedessen ist immer wieder von "Giraffensprache", "giraffisch" und zuweilen sogar von "Giraffentanz" die Rede. Nun gut. Doch als Gegenbild zur Giraffe muss wieder einmal der böse Wolf herhalten, mit "Wolfssprache", "Wolfsgeheul" und der Warnung "Achtung, Wölfe!" Es geht mir wirklich nicht um Political Correctness, aber diese gedankenlos-negative Bewertung von Wildtieren kann für diese Tiere existenzbedrohend sein. Wenn irgendwo bei uns im Bayerischen Wald ein zugewanderter Wolf gesichtet wird, werden binnen weniger Tage zehn streunende Schäferhunde erschossen, und am Ende leider meistens auch der Wolf. Deshalb finde es ein wenig schade, dass dieser exzellente Ansatz zur Verbesserung unserer Kommunikation, der sich so sehr und so erfolgreich um den Abbau von Vorurteilen zwischen Menschen bemüht, dabei unbedacht das alte Klischee vom bösen Wolf bedient.

Schlagworte:
Konfliktmanagement, Kommunikation, Gewaltfreie Kommunikation, Einfühlung, Empathie

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