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Bedenkenswerte Streitschrift für Kooperation und gegen Wettbewerb

Kohn, Alfie (1989):

Mit vereinten Kräften

Warum Kooperation der Konkurrenz überlegen ist (Englischer Titel: No Contest – The Case Against Competition)

Beltz (Weinheim, Basel); 296 S.; derzeit vergriffen


Nutzen / Lesbarkeit: 7 / 8

Rezensent: Winfried Berner, 17.11.2007

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Vehemente und grundsätzliche Kritik des Wettbewerbs und seiner individuellen wie gesellschaftlichen Konsequenzen, die zwar unter Einseitigkeit leidet, aber viel Stoff zum Nachdenken sowohl über das Prinzip als auch über die eigene Haltung liefert.

Kaum eine Frage vermag unter Führungskräften – und speziell unter Vertriebsmanagern – heftigere Kontroversen auszulösen als die, wie viel Konkurrenz zur besseren Motivation der Mitarbeiter notwendig ist und wo sie beginnt, kontraproduktiv zu wirken. Doch so heftig und emotional die Glaubensbekenntnisse auch sein mögen, die zu diesem Thema abgelegt werden: Eigentlich müsste man hier gar nicht glauben, denn die Frage ist empirisch entscheidbar. Ob Wettbewerb oder Kooperation – oder ein optimaler Mix aus beiden – zu besseren Leistungen führt, kann überprüft und entschieden werden, desgleichen auch die Frage, unter welchen Wettbewerbs- bzw. Kooperationsbedingungen sich Menschen am wohlsten fühlen und/oder sich am besten entwickeln. Und da diese Fragen empirisch entschieden werden können, ist es eigentlich unverantwortlich, sich auf Glaubensbekenntnisse zu stützen. Doch an harten Fakten scheint kaum jemand Interesse zu haben: Offenbar müssen hier Werte verteidigt werden, die beiden widerstreitenden Lagern so wichtig sind, dass sie keine Irritation durch Fakten riskieren wollen.

Um eine empirisch gesicherte Antwort auf diese Frage zu erhalten, habe ich mir dieses Buch gekauft. Doch "Mit vereinten Kräften" enttäuschte meine Erwartungen eher als dass es sie erfüllte. Alfie Kohn, beim Erscheinen des Buchs noch Redakteur von "Psychology Today", hat zwar Berge von Material gesichtet, darunter auch zahlreiche empirische Untersuchungen:  Sein Buch hat 531 Fuß- und Endnoten, die insgesamt 29 Seiten füllen; dazu kommt eine 18-seitige Literaturliste. Doch ist er in seiner Herangehensweise und Argumentation so offenkundig parteiisch, dass ich mir nach der Lektüre nicht sicher bin, ob seine im Untertitel vorweggenommene Conclusio tatsächlich wissenschaftlich begründet ist oder ob dieser Eindruck nur durch die Auswahl und Interpretation seiner Quellen suggeriert wird. Sein Buch ist, wie der englische Untertitel "The Case Against Competition" zu erkennen gibt, keine nüchterne Bestandsaufnahme, sondern eine Streitschrift gegen Wettbewerb. Das ist zwar nicht verboten, aber es mindert den Nutzen für den Leser. Denn wenn bereits die Prämisse lautet, dass Kooperation gut und Wettbewerb schlecht ist, dann ist es kein so aufregendes Resultat mehr, wenn am Ende herauskommt, dass "Kooperation der Konkurrenz überlegen ist".

Das erste Kapitel ist mehr als eine Einführung. Es bringt zunächst die wichtige Unterscheidung zwischen strukturellem und intentionalem Wettbewerb: Im ersten Fall ist die "sich gegenseitig ausschließende Zielverwirklichung" (S. 11) in der Situation angelegt, im zweiten resultiert sie aus der Haltung der beteiligten Personen – was Kohn (oder sein Übersetzer) seltsamerweise wenige Zeilen später wieder vermengt: "Ein struktureller Anreiz, andere verlieren sehen zu wollen [= Intention; WB], muss einen Keil zwischen die Menschen treiben und Feindseligkeiten nähren." (S. 11) Trotz dieser Vermengung halte ich die Botschaft für bedenkenswert, ebenso wie die zitierte Feststellung der Neopsychoanalytikerin Karen Horney, es sei "Kennzeichen des Neurotikers, dass er sich stets mit anderen vergleicht, auch in Situationen, in denen es keineswegs angebracht ist." (S. 6) Ziel des Wettbewerbs ist nach Kohns Auffassung keineswegs das Überleben, sondern ein "hochbewerteter Status" (S. 5). Damit dürfte er Recht haben – aber ist ein "hoch bewerteter Status" nicht etwas, wofür es sich anzustrengen lohnt, weil er im Leben allerlei praktische Vorteile mit sich bringt?

Dieses scheinbare Detail scheint mir einen zentralen Punkt zu beleuchten, den Kohn ausblendet: Dass es in der sozialen Realität eben doch zahlreiche Gründe für Konkurrenz gibt, die sich nicht durch eloquente Rhetorik beseitigen lassen – nämlich all die Fälle, wo ein anstrebenswertes Gut (im weitesten Sinne des Wortes) knapp ist. Das können attraktive Personen des anderen Geschlechts ebenso sein wie Sitzplätze in der S-Bahn oder interessante Jobs. Dabei ist erst einmal unerheblich, ob diese Güter "objektiv" anstrebenswert sind oder "nur" aufgrund unserer kulturellen Prägungen als anstrebenswert gelten. Denn auch hier gilt: Unsere Wahrnehmung ist die alleinige Basis unseres Handeln. Falls das richtig sein sollte, folgte daraus keineswegs, dass Kohns Mission hinfällig wäre – im Gegenteil: Gerade wenn es in manchen Situationen eine natürliche Tendenz zur Konkurrenz gäbe, wäre es um so wichtiger, diese Konkurrenz durch kulturelle Mechanismen so zu zähmen, dass sie nicht allzu viele kontraproduktive Wirkungen entfaltet.

Mit dem zweiten Kapitel begibt sich Kohn auf schwieriges Terrain. Denn ob Wettbewerb der Natur des Menschen entspricht, ist eine philosophisch-spekulative Frage. Demgemäß kann er hier auch kaum empirische Befunde vorbringen; vielmehr zitiert er Meinungen – und natürlich primär die solcher Autoritäten, die seine Sichtweise stützen. Trotz all dieser Argumente scheint mir, dass Wettbewerb nicht der Natur des Menschen, sondern der Natur des Lebens generell entspricht. Denn das Wachstum jeder Art und jedes Individuums ist durch die Endlichkeit der Ressourcen begrenzt – was Kooperation im übrigen, wie Matt Ridley in "The Origins of Virtue" brillant gezeigt hat, nicht ausschließt, sondern sie im Gegenteil sogar als Wettbewerbsstrategie ermöglicht und begünstigt. Doch scheint mir die unentscheidbare Frage nach der Natur des Menschen weniger wichtig als Kohn sie in Übereinstimmung mit seinen Gegnern nimmt. Wichtiger ist die Frage, ob und in welchem Ausmaß Konkurrenz heute noch nützlich ist. Das unterstreicht auch ein Zitat von Ashley Montague: "Wenn wir uns fragen, ob der Wettkampf in einem aggressiven, kämpferischen Sinne jemals für den Menschen einen adaptiven Wert besaß, was höchst zweifelhaft ist, dann ist eindeutig klar, dass er in der modernen Welt keinerlei Anpassungswert mehr besitzt. ... Vielleicht hat kooperatives Verhalten noch niemals vorher in der Geschichte des Menschen eine so hohe adaptive Bedeutung gehabt wie heute." (S. 29)

Spannend wird es im dritten Kapitel, denn die Frage, ob Wettbewerb produktiver ist als Kooperation, ist im Gegensatz zu der nach der Natur des Menschen empirisch entscheidbar. Und diese Frage ist aus ökonomischer Perspektive zentral, denn der Hauptgrund, warum heute viele Berufs- und Lebensbereiche als Wettbewerbe organisiert werden, ist ja nicht, dass es so schrecklich viel Spaß macht, sondern dass dabei angeblich bessere Leistungen herauskommen. Hier berichtet Kohn unter anderem über eine umfangreiche Metaanalyse von David und Roger Johnson, die 122 Studien umfasste, welche zwischen 1924 und 1980 durchgeführt wurden. "Das bemerkenswerte Ergebnis: 65 Studien kamen zu dem Ergebnis, Kooperation rufe höhere Leistungen hervor als Wettbewerb, 8 gelangten zu dem gegenteiligen Ergebnis, und 36 fanden keine statistisch signifikante Differenz." (S. 56) Leider hält sich Kohn nur sehr kurz mit den Details dieser eindrucksvollen Metaanalyse auf: Es wäre für seine Argumentation überaus spannend zu erfahren, bei welchen Zielgruppen und welchen Aufgabenstellungen diese Befunde entstanden sind. (Eine ausführliche Zusammenfassung dieser wirklich ausgezeichneten Metaanalyse findet sich unter den Rezensionen.)

Auch einige weitere Aussagen des Kapitels sind von so großer Tragweite, dass ich mir gewünscht hätte, dass Kohn ausführlicher darauf einginge. Wie zum Beispiel: "Wenn wir jedoch statt quantitativer Maße für Leistung, wie Geschwindigkeit, Zahl der gelösten Probleme oder Menge der erinnerten Informationen, qualitative verwenden, schneidet der Wettbewerb noch schlechter ab. Einige der recht schlichten Experimente aus den zwanziger Jahren, die zu dem Ergebnis gelangten, Versuchspersonen arbeiteten bei mechanischen Aufgaben schneller, kamen auch zu dem Ergebnis, dass die Qualität der Arbeit unter der Konkurrenz leidet. (...) Ähnlich zeigte sich in einer Untersuchung mit College-Studenten, dass Wettbewerb der kreativen Problemlösung hinderlich ist." (S. 58) "Die Forschung über Produktivität und Konkurrenz in konventionellen Arbeitssituationen ist bei weitem nicht so umfangreich wie das Material aus dem Schulunterricht. Die Ergebnisse stimmen jedoch bemerkenswert überein. (S. 61) Nämlich in Form einer "signifikant negativen Korrelation zwischen Konkurrenz und Leistung" (S. 62), die vor allem zustande kam, weil sich die auf Wettbewerb ausgerichteten Individuen nicht mehr gegenseitig unterstützten und so viele Vorteile aus einer Zusammenarbeit ungenutzt ließen.

Schwerwiegend finde ich  auch, dass Wettbewerb persönlicher Risikobereitschaft offenbar ebenso im Weg steht wie Innovation und Kreativität, weil er die Beteiligten primär danach streben lässt, nicht zu versagen. Kohns Resümee: "Wir stoßen immer wieder auf dasselbe Muster: Wettbewerb trägt nicht nur nicht zum Erfolg bei, sondern verhindert ihn aktiv. Zum einen macht er zu wenig Spaß, um zu hervorragenden Leistungen anzuspornen, zum anderen löst er Angst aus. Selbst wenn der faktische Einsatz (...) oft nicht hoch ist – der psychologische ist es immer. In jedem Wettbewerb sind die meisten dazu verurteilt zu verlieren. Die Erwartung zu versagen, noch verstärkt durch die Erinnerung an frühere Misserfolge, führt zu Aufregung, Nervosität und ähnlichen emotionalen Zuständen, die ab einem gewissen Punkt die Ausführung der Aufgabe behindern." (S. 74)

Im Vergleich dazu finde ich die Frage, ob "Wettbewerb vergnüglicher" ist (Kapitel 4), von nachgeordneter Bedeutung. Wichtig ist hingegen festzustellen, dass das Vergnügen in jedem Fall asymmetrisch verteilt ist: Wer meistens gewinnt, wird Wettbewerb deutlich attraktiver finden als die, die in der Regel verlieren oder im namenlosen Mittelfeld stehen. Das ist für die Unternehmensführung insofern von Bedeutung, als an der Spitze ja vor allem Menschen stehen, deren Lebenserfahrung es ist, meistens zu gewinnen – was sie subjektiv zu einer ebenso tiefen wie falschen Überzeugung davon führt, wie viel Spaß Wettbewerb anderen Menschen macht. Und diese höchst authentische Illusion prägt unvermeidlich auch ihr Führungshandeln. Doch durch das künstliche Anstacheln des Wettbewerbs motivieren sie in aller Regel nur die Spitzengruppe zu größeren Anstrengungen, während das breite Mittelfeld mangels Erfolgsaussichten kaum auf die Anreize reagiert, sondern sich vor allem darum bemüht, ihre persönliche Kosten-Nutzen-Relation zu optimieren.

Ob Wettbewerb charakterbildend ist bzw. welche Auswirkungen er auf die Persönlichkeitsentwicklung hat, untersucht das fünfte Kapitel – und kommt zu einem verheerenden Ergebnis. Danach zeichnen sich wettbewerbsorientierte Menschen durch eine "starke Abhängigkeit ihrer Selbstachtung von Leistung und Fremdbewertung" aus (S. 132). Das passt verblüffend gut zu einem Bild, das Insider von vielen Top Beratern zeichnen: Sie charakterisieren sie als "insecure over-achievers", das heißt als Menschen, deren Selbstwertgefühl sehr eng mit der Bestätigung für Spitzenleistungen zusammenhängt – und die infolgedessen in der Gefahr sind, in eine existenzielle Krise zu stürzen, wenn Vorgesetzte oder Kunden mit ihrer Leistung dauerhaft unzufrieden sind. Tiefenpsychologisch kann man den Wunsch, immer der Beste zu sein, in der Tat als eine permanente Beweisführung verstehen, die primär der Bekämpfung eigener (Selbst)Zweifel dient. Solche neurotischen Muster werden verstärkt durch die gnadenlose Verachtung der "Loser" vor allem in den USA, aber immer mehr auch bei uns: In diesem mörderischen Weltbild sind das nicht etwa Menschen, die schon etliche schwere Niederlagen einstecken mussten, sondern es sind (geborene) "Verlierer", die sich ihren Misserfolg und die soziale Ausstoßung selbst zuzuschreiben haben. Man muss mit Fug und Recht fragen, ob dieser Psychoterror – einschließlich der Angst, am Ende selbst ein "Loser" zu sein – für irgendetwas gut ist.

Um die Bigotterie auf die Spitze zu treiben, dürfen die Verlierer ihre Enttäuschung, ihren Schmerz und ihre Wut nicht zeigen. Die gesellschaftliche Norm verlangt von ihnen, die Zähne zusammenzubeißen, "gute Verlierer" zu sein, dem Sieger zu seinem Erfolg zu gratulieren und – das hohe Lied des Wettbewerbs lauthals mitzusingen. Schon in der Schule lernt das Kind zu "konkurrieren, ohne konkurrent zu erscheinen" (S. 145). Bei Erwachsenen und vor allem bei Managern sitzt das oft so tief, dass sie selbst kaum noch spüren, was ihnen alle aufmerksamen Beobachter ansehen, und sich trotz aller Blessuren heftig gegen einen Abbau des Wettbewerbs wenden. Doch der Wettbewerb lässt Menschen nicht nur zu harten, unsensiblen Einzelkämpfern werden, laut dem Psychoanalytiker Rollo May "zerstört er das Gemeinschaftsgefühl und macht den Mangel an Gemeinschaft zu einem Faktor von zentraler Bedeutung für die Angstgefühle unserer Zeit". (S. 150) Kohn empfiehlt daher einen Sticker mit dem Text: "Wer am meisten hat, wenn er stirbt, hat gewonnen." (S. 152)

Um den Rahmen einer Renzension nicht endgültig zu sprengen, fasse ich meinen Eindruck zu den letzten vier Kapiteln wie folgt zusammen: Mancherlei Redundanzen mit dem bereits Gesagten, manche Aussagen, die mir über das Ziel hinauszuschießen scheinen, aber auch etliche wertvolle Impulse zum weiteren Nachdenken – wie etwa, dass Wettbewerb zu einer feindseligen Wahrnehmung anderer Menschen (= lauter potenzielle Konkurrenten) erzieht (was Skeptiker zum Beispiel im Straßenverkehr empirisch überprüfen könnten). Ich teile Kohns Auffassung, dass Fouls und Betrügereien (wie zum Beispiel Doping) nicht etwa eine verwerfliche Fehlentwicklung des Wettbewerbs sind, sondern dessen logische Konsequenz. Spannend, was er zum Thema "Frauen und Wettbewerb" schreibt: Dass Frauen nicht etwa zu Leistungs- oder Erfolgsangst neigen, sondern sensibler für die negativen Folgen des Wettbewerbs für zwischenmenschliche Beziehungen sind, und sich dem Wettbewerb daher häufiger als Männer entziehen. Daher hält Kohn es für einen fatalen Fehler, Frauen dazu erziehen zu wollen, sich skrupelloser zu behaupten. Sowohl aus individueller als auch aus gesellschaftlicher Perspektive wäre es sehr viel klüger, wenn wir Jungs lernen würden, dass Leistung und Wettbewerb zwei Paar Stiefel sind, und uns – nicht aus Nettigkeit, sondern in unserem blanken Eigeninteresse – von unserer fatalen Neigung lösen würden, beliebige soziale Situationen als Wettbewerbssituationen fehlzudeuten.

"Auf dem Weg zu einer konkurrenzfreien Gesellschaft" ist der letzte Abschnitt des neunten Kapitels "Jenseits des Wettbewerbs" überschrieben. Doch auf diesem Weg kann und will ich Kohn nicht folgen. Ich will als Bürger weiterhin die Wahl haben – zwischen Politikern, zwischen verschiedenen Produktangeboten, zwischen verschiedenen Möglichkeiten, den Abend zu verbringen, zwischen verschiedenen Organisationen und Gesprächspartnern. Sobald aber die Alternative, gewählt zu werden, für die zur Wahl Stehenden attraktiver ist als die, nicht gewählt zu werden, herrscht Konkurrenz. Eine konkurrenzfreie Gesellschaft ist daher nur um den Preis der Abschaffung der Wahlfreiheit zu haben, und diesen Preis will ich definitiv nicht zahlen. Die Frage ist dennoch, ob eine Gesellschaft derart von Konkurrenz durchseucht sein muss wie es die unsere ist (und vermutlich noch mehr die US-amerikanische). Nicht die völlige Beseitigung der Konkurrenz halte ich daher für ein anstrebenswertes Ziel, sondern deren beherzte Zähmung. Wir müssen keineswegs alle Lebensbereiche einer unerbittlichen Konkurrenz unterwerfen, um von Wahlfreiheit profitieren zu können. Beispielsweise ist es wohl weder erforderlich noch zweckmäßig, in einem Unternehmen die interne Konkurrenz anzuheizen, um im Wettbewerb auf dem Markt erfolgreich zu sein. Aber das wäre schon fast Stoff für ein eigenes Buch ...

Für das vorliegende Werk lautet mein Resümee: Auch wenn ich mit Kohns radikaler Ablehnung jeglichen Wettbewerbs nicht konform gehe und auch an manchen Einzelaspekten Kritik habe, finde ich seine kritische Auseinandersetzung mit der scheinbaren Selbstverständlichkeit des Wettbewerbs doch äußerst lesens- und bedenkenswert. Zumal sie mir auch Anstoß gegeben hat, manche Aspekte meines eigenen Wettbewerbsverhaltens zu reflektieren und manche eigenen Verhaltensmuster besser zu verstehen. Und darin liegt ja der eigentliche Wert eines Buchs und nicht im Grad der Übereinstimmung mit den eigenen (Vor)Urteilen.       

    

Schlagworte:
Wettbewerb, Konkurrenz, Kooperation, Zusammenarbeit, Motivation, Führung, Unternehmenskultur, Vertrieb

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