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Die klassische englische Stilfibel

Strunk, William Jr. (1918):

The Elements of Style



BN Publishing (Ithaka NY); Edition 2006; 52 Seiten; 9,90 Euro


Nutzen / Lesbarkeit: 8 / 7

Rezensent: Winfried Berner, 05.11.2017

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Wer schreibt, um gelesen zu werden, tut gut daran, immer wieder an seinem Stil zu arbeiten. Das darf auch mal in einer fremden Sprache geschehen, erst recht, wenn man auch manchmal auf Englisch schreibt: Das vermittelt einen frischen Blick.

Wenn ich dem amerikanischen Blogger John Michael Greer glauben darf, ist das 1918 erstmals erschienene "The Elements of Style" von William Strunk Jr., später erweitert von E. B. White, die klassische Stilfibel für englische Prosa. Sie ist mit 52 Seiten recht kurz, verglichen etwa mit den 270 engbedruckten Seiten des deutschen Klassikers von Ludwig Reiners, den 240 Seiten von Werner Süskinds "Vom ABC zum Sprachkunstwerk" oder den zahlreichen einschlägigen Büchern von Wolf Schneider; trotzdem ist sie alles andere als eine schnelle Lektüre, die man einfach mal so an einem Abend herunterliest.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass Strunk seine eigene Regel, keine unnötigen Worte zu machen ("Omit needless words", S. 24) offenkundig nicht nur auf den einzelnen Satz anwendet, sondern auf sein ganzes Buch. Wo der geschätzte Wolf Schneider seine Empfehlungen über mehrere Seiten entwickelt, erläutert und mal amüsant, mal provokativ, mal polemisch illustriert, kommt William Strunk mit einer halben, vollen oder maximal einer Doppelseite aus: Die Empfehlung, ein paar erläuternde Sätze, die Gegenüberstellung von zwei, drei Beispielen, vielleicht noch eine erklärende oder ergänzende Schlussbemerkung – fertig.

Außer diesen Regeln, die nach einer kurzen Einführung die Kapitel II und III füllen, enthält das Buch "A Few Matters of Form" (Kap. IV), worin zum Beispiel Überschriften, Parenthesen und Zitationsformen erläutert werden, "Words and Expressions Commonly Misspelled" (Kap. V) sowie zwei Seiten über "Spelling" (Kap. VI). Den Schluss bilden zweieinhalb Seiten mit "Exercises" – ohne Lösungen: Wer aufgepasst hat …

Insgesamt ist die Lektüre eine – sagen wir es ehrlich – recht spröde Angelegenheit, die man – sofern ich von mir auf andere schließen darf – wohl vor allem deshalb durchhält, weil ein Ende absehbar ist: Das ist das Positive an nur 52 Seiten. Trotzdem, mehr als ein paar Seiten am Stück schafft man – oder schaffe zumindest ich – nicht, zumal man/ich die Empfehlungen ja auch bedenken, verarbeiten und, soweit für sinnvoll erachtet, in den eigenen Schreibstil integrieren muss.

Ob diese trockene Knappheit wirklich ein meisterlicher Stil ist, der als Vorbild für das eigene Schreiben dienen kann und sollte, da bin ich mir nicht sicher. Andererseits soll eine Stilfibel, gleich in welcher Sprache, ja auch keine Demonstration meisterlicher Stilistik sein: Sie ist weit darunter auf einer sehr viel technischeren Ebene angesiedelt und hat den Zweck, auf verbreitete stilistische Mängel und Fehler aufmerksam zu machen, um so bei deren Vermeidung zu helfen.

Das ist Handwerk, nicht hohe Kunst – nicht Meisterschaft, sondern deren Grundlage. Für diesen Zweck bieten "The Elements of Style" eine Fülle praktischer Anregungen. Welche davon man sich zu eigen macht und welche nicht, und gegen welche man punktuell vielleicht sehr bewusst verstößt, das ist dann immer noch eine sehr persönliche Entscheidung – aber um sie bewusst treffen zu können, muss man die Regeln des Handwerks überhaupt erst einmal kennen. Und dafür sind Strunks 18 konkrete Stilempfehlungen sowie seine übrigen Hinweise und Anregungen in jedem Fall nützlich.

Offen bleibt allerdings, wie gültig diese Regeln heute noch sind. Immerhin ist die Erstauflage vor rund 100 Jahre erschienen, und Sprache lebt. Insofern muss man sich zumindest dort ein eigenes Urteil bilden, wo Strunk auf den richtigen Sprachgebrauch hinweist, wie zum Beispiel, dass es in der ersten Person "I shall" bzw. "we shall" heißt und nicht "I / we will". Viele im engeren Sinne stilistischen Regeln (wie etwa "One paragraph to each topic" (S. 7) oder "Use definite, specific, concrete language" (S. 22)) bleiben dagegen unabhängig von Veränderungen im Sprachgebrauch gültig.

Schlagworte:
Schreiben, Stilistik, Stilfibel, Englisch

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