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Autobiographie eines ziemlich unkonventionellen Evolutionsbiologen

Trivers, Robert (2015):

Wild Life

Adventures of an Evolutionary Biologist

Biosocial Research (New Brunswick NJ); 223 Seiten; 12,66 Euro


Nutzen / Lesbarkeit: 6 / 8

Rezensent: Winfried Berner, 10.12.2017

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Das war wahrhaftig ein wildes Leben, das der mittlerweile über siebzigjährige Robert Tri-vers geführt, einer der bedeutendsten Evolutionsbiologen unserer Zeit. Streckenweise spannend zu lesen, doch nur wenige bleibende Erkenntnisse.

Normalerweise lese ich keine (Auto-)Biographien, außer von Menschen, deren Lebensweg mich ganz besonders interessiert – und letztlich bestätigt mich auch diese Autobiographie darin. Denn echte Erkenntnisse sind aus Biographien selten zu gewinnen. Man weiß dann halt, wie die betreffende Person oder Persönlichkeit gelebt hat, und erfährt im günstigsten Fall, was Wendepunkte oder sonstige Schlüsselstellen in ihrem Leben waren – aber wenn das nicht den Gang der Geschichte (oder den der Wissenschafts- oder Musikgeschichte) verändert hat, was hilft es, das zu wissen?

Aber warum habe ich mir dieses Buch dann überhaupt gekauft? Weil Robert Trivers eine wirklich ungewöhnliche Persönlichkeit ist: ausgesprochen sperrig und unkonventionell. Manche halten ihn für einen Umstürzler und/oder Teilzeit-Junkee, aber ich schätze ihn. Er ist wirklich gescheit, uneitel, radikal und radikal ehrlich, sowohl zu sich selbst als auch gegenüber anderen und in gesellschaftlichen und politischen Fragen. Niemand der sich leicht einordnet oder leicht einzuordnen ist, aber ein wirklich origineller, eigenwilliger Denker – jemand, dem man nicht einfach folgen kann, aber an dem es sich zu reiben lohnt.

Gerade bei Autobiographien ist charakteristisch, wie sie beginnen: "Ich wurde als drittes von zwei Kindern geboren; mein Vater war …" oder: "Meine erste Erinnerung ist …" – dann kann man das Buch eigenlich schon weglegen. Trivers Autobiographie beginnt mit (s)einem zentralen Konflikt: "For a scientist there is alway studying life and living it, and I have never wanted the one to overwhelm the other." (S. IX) Dementsprechend beschreibt das Buch keine Wissenschaftskarriere, sondern ist im wahrsten Sinne des Wortes lebensprall und somit alles andere als langweilig.

Und dennoch waren meine Erwartungen zu hoch, denn egal wie dramatisch Trivers' Abenteuer waren, sie hinterlassen die klassische Frage: "Und was lernt uns dies?"

Ja, man erfährt dann zum Beispiel, dass auch jemand mit manisch-depressiven Zügen und gelegentlichen Zusammenbrüchen ein bedeutender Wissenschaftler werden kann – das ist vermutlich ermutigend, wenn man sich in einer ähnlichen Ausgangslage befindet. Man lernt, dass auch ein recht exzessiver Lebenswandel samt reichlichem Marihuana-Konsum eine erfolgreiche Wissenschaftskarriere nicht ausschließt (sofern man genug auf dem Kasten hat). Man liest eine Menge über Trivers' Liebe zu Jamaika (und den Jamaikanerinnen) sowie über die dortige (ziemlich aggressive und korrupte) Kultur. Und wird ein weiteres Mal daran erinnert, welch bedeutende Rolle Zufälle für den ganzen weiteren Verlauf des Lebenswegs spielen können. (Falls man das nicht im eigenen Leben auch schon bemerkt hat.)

Am lehrreichsten fand ich die Passagen, in denen Trivers von seinen Begegnungen mit anderen bedeutenden Wissenschaftlern erzählt: Von seinem väterlichen Mentor Bill Drury ("The Man Who Taught Me How to Think"), den heute keiner mehr kennt, weil er nicht publiziert hat, über den berühmten Evolutionsbiologen Ernst Mayr, bei dem Trivers sozusagen in die Lehre ging, bis hin zu seinen Freunden und Kollegen Richard Dawkins, William D. Hamilton und George C. Williams, über die er mit viel Respekt und aufrichtiger Bewunderung schreibt.

Der Einzige, der wirklich schlecht bei ihm wegkommt, ist Stephen Jay Gould. Ihn beschreibt Trivers als arroganten, geltungssüchtigen Narzissten, der sich auch für die Verfälschung von Daten und Referenzen nicht zu schade gewesen sei, um seine vermeintlich genialen Theorien zu untermauern. Er selbst war davon nicht betroffen, auch wenn er eine unerfreuliche Begegnung mit ihm beschreibt. Sein hartes Urteil geht, wenn ich ihn richtig verstehe, zum anderen auf seine Empörung über die wissenschaftliche wie menschliche Unredlichkeit zurück, die er als zentrales Merkmal Goulds beschreibt, zum anderen darauf, dass Gould das wichtige Fachgebiet der Selektion von Arten – warum sterben manche Spezies' aus, während sich andere verbreiten und verzweigen? – um Jahrzehnte zurückgeworfen hat.

Wem würde ich diese Autobiographie empfehlen? – Wahrscheinlich nur Lesern, die sich noch mehr als ich für die Person und den Lebensweg von Robert Trivers interessieren, für seine Anfänge in der Evolutionsbiologie und vor allem seine Erlebnisse in Jamaika und/oder seine Mitgliedschaft in den Black Panthers. Eine liebevolle Beschreibung der Persönlichkeiten von Bill Drury, Ernst Mayr und – kürzer – Richard Dawkins, William D. Hamilton und George C. Williams gibt es als Dreingabe dazu. Immerhin verdanke ich ihm den Impuls, das Buch "The Blind Watchmaker" von Richard Dawkins auf meine Leseliste zu setzen. Und sein "The Ancestors' Tale" steht auch noch irgendwo herum …

Schlagworte:
Evolutionsbiologie, Robert Trivers, Bill Drury, Ernst Mayr, Jamaika

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