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Das Rätsel des Bewusstseins bleibt ungelöst

Blackmore, Susan (2005):

Consciousness

A Very Short Introduction

Oxford University Press (Oxford) Neuauflage 2017; 146 Seiten; 8,89 Euro


Nutzen / Lesbarkeit: 7 / 9

Rezensent: Winfried Berner, 19.05.2020

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Wer schon immer verstehen wollte, was Bewusstsein eigentlich ist, woran man es erkennt und wofür es gut ist, wird enttäuscht. Hier erfährt man nur, welche Erklärungsmodelle aus welchen Gründen nicht überzeugend sind. Leider bleibt nichts übrig.

Entgegen meinen Gewohnheiten werde ich nicht den Versuch machen, dieses schmale Büchlein zusammenzufassen – schlicht, weil ich es nicht kann. Denn so unterhaltsam es geschrieben ist, im Grunde weiß man am Ende nur, wie wenig wir über das Bewusstsein wissen und wie schwer dieses Phänomen wissenschaftlich in den Griff zu bekommen ist.

Dabei bleibt wenig übrig, was sich als gesicherte Erkenntnis – oder wenigstens als der derzeitige Stand unserer Irrtümer – festhalten lässt: Susan Blackmore zeigt und erläutert eloquent, welche Denk- und Erklärungsansätze aus den unterschiedlichsten Gründen nicht überzeugend sind, zu Widersprüchen, Erklärungslöchern oder logischen Unstimmigkeiten führen – aber leider bleibt nichts übrig, was sich als gesicherter Grund betrachten lässt.

Offensichtlich ist Bewusstsein einer von den Begriffen, die einem umso mehr zwischen den Fingern zerfließen, je mehr man sie zu erfassen und zu beschreiben versucht. Eigentlich, so könnte man glauben, gibt es gar keinen Bedarf für Erklärungen, weil wir doch alle selbst wissen, was Bewusstsein ist, und es aus unserem täglichen Leben kennen.

Doch schon bei ganz banalen Fragen wie etwa, ob ein Tier Bewusstsein hat, kommen wir erst in heftige Kontroversen und dann in größte Verlegenheit, weil wir weder schlüssig begründen können, weshalb wir einem Tier (kein) Bewusstsein zuschreiben, noch angeben können, was wir damit eigentlich meinen bzw. woran man Bewusstsein, so vorhanden, erkennen würde.

Das hat folgenschwere Konsequenzen: Wenn wir bei einem Maulwurf oder einer Grille nicht zweifelsfrei bestimmen können, ob sie Bewusstsein haben, können wir es auch bei einem Hund nicht – und letztlich auch nicht bei dessen Besitzer. Daraus ergibt sich das sogenannte Zombie-Problem: Es gibt kein Kriterium, mit dem wir objektiv feststellen könnten, ob unser aktueller Gesprächspartner Bewusstsein besitzt. Letzten Endes können wir nicht einmal für uns selbst einen gerichtsverwertbaren Beweis liefern, dass wir Bewusstsein besitzen, auch wenn uns das noch so evident erscheinen mag.

Wenn man aber nicht weiß, wie man etwas feststellen kann, ist es auch ziemlich schwierig, es zu erforschen.

Susan Blackmore ist eine ausgesprochen gescheite Frau und dazu eine brillante Autorin. Von ihrem Buch The Meme Machine war ich so angetan, dass sie noch während des Lesens zwei weitere Bücher von ihr bestellt habe (darunter dieses). Und auch diesmal schafft sie es, den frustrierenden Irrweg durch die Labyrinthe und Sackgassen der Bewusstseinsforschung so lebendig und abwechslungsreich darzustellen, dass man ihr Büchlein nicht irgendwann genervt aus der Hand legt und sagt: "Wenn ihr schon nicht wisst, was Bewusstsein ist und wofür es gut ist, dann sei doch zumindest so nett und schreibt keine Bücher darüber!"

Trotzdem stehe ich am Ende da wie Goethes armer Tor und bin so klug als wie zuvor. Die einzige wirkliche Erkenntnis, die ich durch die Lektüre gewonnen habe, ist, dass meine Hoffnung, auf diesem Weg zumindest ein Grundverständnis von Bewusstsein erwerben zu können, wohl ebenso illusionär war wie es dieses Phänomen angeblich selbst ist.

Doch es will mir nicht einleuchten, dass Bewusstsein nur ein bedeutungsloses Epiphänomen sein soll, also nur ein belangloses "Nebengeräusch" unbewusster mentaler Prozesse. Für einfache Tätigkeiten, wie etwa, auf Kommando die Hand zu heben oder in unregelmäßigen Abständen auf den Tisch zu klopfen, lasse ich mir das noch eingehen, auch wenn es sich unplausibel anführt, aber es erscheint mir umso weniger überzeugend, je ausgreifender und innovativer die getroffenen Entscheidungen sind.

Welche unbewussten neurologischen Prozesse würden Forscher zum Beispiel dazu bringen, ausgeklügelte Experimente und Analysen zum Thema Bewusstsein ersinnen, durchzuführen und zu veröffentlichen? Welche unbewussten Prozesse könnten Susan Blackmore dazu veranlasst haben, ein trotz aller unvermeidlicher Frustration unterhaltsames und stellenweise amüsantes Büchlein darüber zu schreiben?

Auch wenn es offensichtlich sehr schwer ist, Bewusstsein zu erklären, erklärt die Theorie, Bewusstsein sei nur eine bedeutungslose Illusion, eben auch ziemlich wenig. Und sie versagt bei nicht zuletzt weitreichenden, mittel- und langfristigen Entscheidungen, die von aktivem Gestaltungswillen getragen sind und weit über ein bloßes Reagieren auf äußere Ereignisse hinausgehen.

Schlagworte:
Bewusstseinsforschung, Gehirnforschung, Handlungsfreiheit, Handlungssteuerung, Bewusstes Denken, Bewusstseinserweiterung, Bewusstseinsveränderung, Meditation

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