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Neu von Winfried Berner:
"Bleiben oder Gehen"
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Loyalität: Wie viel Treue darf und sollte man erwarten?
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Die Zeiten einer lebenslangen Verbundenheit zwischen Mitarbeiter
und Unternehmen sind wohl für immer vorbei. Unternehmen trennen
sich von Mitarbeitern, Mitarbeiter wechseln mehrfach in ihrem
Berufsleben den Arbeitgeber das Nähere regeln die gesetzlichen
und vertraglichen Kündigungsfristen, sofern sie nicht "im
beiderseitigen Einvernehmen" durch einen Auflösungsvertrag
verkürzt werden.
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- "Lebens- abschnitts- partnerschaft"
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Was also heißt Loyalität überhaupt, und woraus könnte sie
sich ableiten? Wenn Loyalität keine Einbahnstraße sein soll,
können Unternehmen von ihren Mitarbeitern und auch von ihren
Führungskräften nicht mehr an Treue erwarten als sie ihnen
entgegen bringen. Gerade bei Fusionen
und Umstrukturierungen
aber brauchen Unternehmen ihre "Loyalitäts-Guthaben" oft rasant
und restlos auf. Eine moralische Treuepflicht des Mitarbeiters
gegenüber dem Unternehmen, die über den Arbeitsvertrag hinaus
geht, wäre da allenfalls in Sonderfällen begründbar.
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Natürlich ist es für ein Unternehmen extrem ärgerlich, wenn
ein Manager, dem im Zuge einer Fusion oder Umstrukturierung
eine wichtige neue Aufgabe übertragen wurde, nach wenigen
Wochen seine Kündigung einreicht oder um die Auflösung seines
Vertrags bittet. Doch was hätte er denn tun sollen? Was für
ernsthafte Alternativen hätte er gehabt? Hätte er mitten in
einer laufenden Bewerbung, deren Ausgang zu diesem Zeitpunkt
noch ungewiss war, die Versetzung oder Beförderung ablehnen
sollen? Hätte er der Personalabteilung mitteilen sollen, dass
er bereits mit einem Bein im Absprung ist? De facto hatte
er kaum eine andere Wahl als die Beförderung anzunehmen und
"so zu tun als ob". Auch wenn ihm das vermutlich selbst unangenehm
war. Doch niemand kann realistischerweise erwarten, dass der
Mitarbeiter seine eigenen Interessen völlig hinter denen des
Unternehmens zurückstellt.
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- Loyal bis zur Selbst- verleugnung?
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Je konsequenter Unternehmen ihre Strategien in Bezug auf Wachstum
und Ertrag verfolgen, desto konsequenter stellen sie bestehende
Bindungen zur Disposition zu Mitarbeitern, aber auch
zu Kunden und Lieferanten. Wer nicht mehr ins Konzept passt,
von dem trennt man sich eben: nicht mit einem großen Knall,
sondern möglichst unspektakulär und ohne große Emotionen.
Für Wachstum und Ertrag mag das gut sein, wenigstens dann,
wenn die Strategie etwas taugt. Zur Förderung der Loyalität,
d.h. der Verbundenheit von Mitarbeitern mit den Unternehmen
trägt es sicher nicht bei. Denn die gleichen Manager, die
sich bei der Umsetzung der Strategie konsequent von Mitarbeitern,
Kunden und Lieferanten trennen, wenn sie nicht mehr ins Konzept
passen, trennen sich auch konsequent von dem Unternehmen,
wenn es nicht mehr in ihr Konzept passt. Wen sollte das wundern?
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- Bindungen zur Disposition gestellt
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Am ehesten besteht Loyalität heute wohl noch zwischen Menschen,
die durch eine enge und vertrauensvolle Arbeitsbeziehung miteinander
verbunden sind. So kommt es vor, dass Manager ein attraktives
Angebot ausschlagen, weil sie sich ihrem Team, das sie mit
viel Engagement und Überredungskunst neu aufgebaut haben,
verpflichtet fühlen, oder gegenüber ihrem Chef, der ihnen
eine außergewöhnliche Chance gegeben hat. Oder dass sie sich
zum Bleiben verpflichtet fühlen, weil ein wichtiges Projekt,
an dem sie gemeinsam mit ihren Kollegen arbeiten, sonst in
größte Schwierigkeiten kommen würde. Doch auch hier ist Loyalität
keine gesellschaftliche Norm mehr, sondern eine freiwillige
Leistung und zwar eine, die besser nicht mit der Erwartung
einer Gegenleistung verbunden wird.
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- Loyalität zwischen Menschen
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Dass es trotz alledem immer noch mehr Loyalität von Mitarbeitern
zu Unternehmen gibt, als nach den Umständen zu erwarten wäre,
hat wohl mit einer tiefen Sehnsucht des Menschen nach Verbundenheit
und Zugehörigkeit zu tun. Die wenigsten von uns wollen ihr Leben als
Söldner verbringen, die immer für den Herren kämpfen, auf
dessen "Payroll" sie gerade stehen, sondern suchen nach Identifikation,
aber auch nach einer verlässlichen gegenseitigen Bindung. Eigentlich
erstaunlich, dass immer mehr Unternehmen dieses Potenzial
um lausiger Quartalsergebnisse willen verschleudern
und eine Chance für Unternehmen, hier neue Wettbewerbsvorteile
aufzubauen.
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- Sehnsucht nach Zugehörigkeit
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© 2002 Winfried Berner - vollständige oder auszugsweise Wiedergabe, gleich in welcher Form, honorarpflichtig und nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung / Zitate im üblichen Umfang mit Quellenangabe gemäß wiss. Zitationsregeln zulässig. Näheres siehe Nutzungsbedingungen.

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