|
|
Neu von Winfried Berner:
"Change!" 15 Fallstudien zu Sanierung, Turnaround, Prozessoptimierung, Reorganisation und Kulturveränderung
|
|

|
Für weitere Informationen
klicken Sie bitte hier.
|
| |
Winfried Berner:
"Bleiben oder Gehen"
|
|

|
Für weitere Informationen
klicken Sie bitte hier.
|
| |
Anzeige
|
|
|
|
Familie und Freunde: Die Risiken und Nebenwirkungen "besonderer
Beziehungen"
|
 |
|
Eigentlich müsste es doch traumhaft sein, auch beruflich
mit Leuten zusammenzuarbeiten, mit denen man sich privat gut versteht.
Könnte man meinen. Doch wenn in einem Unternehmen mehrere Positionen
mit Familienmitgliedern oder "Freunden der Familie" besetzt
sind, kommt bei den übrigen Mitarbeitern leicht das Gefühl
auf, dass im Zweifelsfall nicht Leistungen, sondern Beziehungen
zählen. Die Vermengung von privaten und beruflichen Interessen
führt in der Praxis zu mancherlei Problemen, besonders wenn
es um strittige Entscheidungen, um Beförderungen und um den
Vollzug negativer Konsequenzen geht.
|
|
|
Es ist erstaunlich, welche Kreise solche "besonderen Beziehungen"
selbst in Großkonzernen ziehen können – wo man doch meinen
würde, dass sich das Problem mit wachsender Mitarbeiterzahl
relativiert. Doch auch dort beflügelt eine Liaison zwischen
einem Mitglied des Top Managements und einer mittleren Führungskraft
(und auch schon die Gerüchte darüber) nicht nur die Kantinengespräche,
sondern verändert auch das Verhalten der Kollegen und Vorgesetzten.
Schließlich läuft der Großteil der alltäglichen
Zusammenarbeit ja auch in Großunternehmen in überschaubaren
Kommunikationsnetzen ab. Innerhalb dieser Kommunikationsgemeinschaften
kann eine Überlagerung von geschäftlichen und persönlichen
Beziehungen ähnliche Irritationen auslösen wie bei einem
Mittelständler oder einem Start-Up-Unternehmen.
|
|
Misstrauische Spekulationen
|
|
|
Menschen beschäftigen sich nun einmal intensiv damit, welche
Position sie in der sozialen Rangordnung einnehmen. Und reagieren
sehr empfindlich darauf, wenn andere sie auf tatsächlich oder
vermeintlich unfaire Weise überholen. Nehmen wir zum Beispiel
an, zwei Mitarbeiter oder Führungskräfte legen dem Geschäftsführer
eine strittige Sachfrage vor, und der trifft eine Entscheidung,
die einer der Parteien überhaupt nicht gefällt. Solange
keine "besonderen Beziehungen" im Spiel sind, kann sich
die unterlegene Seite zwar über die ihrer Meinung nach ungerechte
oder unsinnige Entscheidung beklagen, doch diese Empörung wird
in aller Regel keine großen Kreise ziehen. Kann sie aber behaupten,
dass der Chef in unfairer Weise "wieder einmal" seinen
Spezis Recht gegeben hat, dann beunruhigt dies möglicherweise
auch Personen, die mit der Sachentscheidung selbst überhaupt
kein Problem haben. Denn dann geht es nicht mehr um die Sache, sondern
darum, ob in diesem Unternehmen fair gespielt wird oder ob manche
gleicher sind als andere.
|
|
|
Ist der Verdacht aber erst einmal da, ist er kaum noch aus der
Welt zu schaffen. Es entsteht eine misstrauische Spekulation, die sich
selbst bestätigt: Folgt der Chef dem Vorschlag seines Familienmitglieds
oder Freunds, dann "sieht man's mal wieder, dass mit zweierlei
Maß gemessen wird". Folgt er ihm nicht, dann ist das
keineswegs ein Indiz für Fairness. Vielmehr waren entweder
die eigenen Sachargumente so erdrückend, dass der Chef sich
ihnen trotz der Familienbande nicht entziehen konnte, oder, noch
tückischer, er ist bewusst auf den Vorschlag eingegangen, damit
der Einfluss von Familie und Freunden nicht allzu sehr auffällt.
Mit anderen Worten, vor dem Hintergrund einer misstrauischen Spekulation
wird alles zum Beweis; die Möglichkeit, dass für die Entscheidung
sachliche Gründe den Ausschlag gegeben haben könnten,
wird gar nicht mehr in Betracht gezogen.
|
|
Selbst-erfüllende
Spekulation
|
|
|
Wegschauen oder wegreden hilft nicht: Solche "besonderen Beziehungen"
haben Auswirkungen auf das Beziehungsgeflecht im Unternehmen. Wenn
etwa der Sohn, die Tochter oder der Lebenspartner eines Top Managers
irgendwo in einer mittleren Führungsposition sitzt, kann man
darauf wetten, dass Uneingeweihte, auch Externe, über dieses
Faktum sofort und in raunendem Ton informiert werden, sobald das
Gespräch zum ersten Mal auf diese Person kommt: "Herr/Frau
X ist übrigens ..." Schon dieses Raunen macht deutlich,
dass viele Vorgesetzte und Kollegen diesen Personen mit einer gewissen
Befangenheit begegnen. Die unausgesprochenen Besorgnisse gehen erfahrungsgemäß
in zwei Richtungen. Zum einen: Was von unseren Gesprächsinhalten,
insbesondere bei kontroversen Themen, wird "oben" ankommen,
und mit welcher Färbung? Zum anderen: Bei welchen Themen vertritt
der Betreffende nur seine eigene Meinung, und wo tritt er sozusagen
als "His Master's Voice" in Erscheinung? Daraus ergibt
sich zwangsläufig die Folgefrage: Wie soll man sich dieser
Person gegenüber verhalten? Besonders kompromissbereit, weil
Widerspruch möglicherweise Nachteile bringen könnte? Besonders
kämpferisch? Oder ganz normal? Aber was ist eigentlich "ganz
normal", wo doch bereits das Nachdenken über solche Fragen
nicht normal ist?
|
|
Auswirkungen besonderer Beziehungen
|
|
|
Spricht man solche Überlegungen gegenüber den betreffenden
Familienmitgliedern an, sind die oftmals erschrocken, empört
oder sogar gekränkt. Sie empfinden die Mutmaßung, sie
könnten geschäftliche Dinge zum Nachteil ihrer Kollegen
privat auskungeln, als schockierend und geradezu ehrverletzend.
Andere bekennen ganz offen: "Natürlich sprechen wir auch
privat manchmal über geschäftliche Dinge; das ist ja auch
logisch, weil man sein Gehirn nicht am Werkstor abgibt. Und da lässt
es sich gar nicht vermeiden, dass man auch über Personen redet!"
Doch gleich ob nur die geschäftlichen Gespräche auch nach
der Arbeit weitergehen, ob gekungelt wird oder sogar Intrigen gesponnen werden – schon die
Tatsache, dass die Kollegen dies für möglich halten, verändert
die Situation und erzeugt kontraproduktive Nebengedanken.
|
|
Wahrnehmung schafft
Realität
|
|
|
Besonders zugespitzt ist die Family-and-Friends-Problematik, wenn
ein Manager in eine "Sandwich-Position" gerät: direkt
über ihm ein Familienmitglied, direkt unter ihm auch eines
– in Familienunternehmen gar nicht so ungewöhnlich. In dieser
Konstellation muss der Manager in der Mitte ständig damit rechnen,
dass er durch direkte Absprachen zwischen den beiden Familienmitglied
über und unter ihm ausgehebelt wird. Was dann besonders kritisch
wird, wenn sein eigenes Verhältnis zu seinem direkten Vorgesetzten
eher kühl ist und/oder ein Konflikt mit dem familienzugehörigen
Mitarbeiter auftritt. Dann ist die Frage, was in der Familie besprochen
wird, nicht mehr bloß Quell gelegentlicher Irritationen, sondern
eine reale Gefahr, die den Betreffenden unter Dauerstress setzen
kann. Solche Konstellationen sollten daher vermieden werden.
|
|
|
Doch interesssanterweise hat die Frage, wie viel Beunruhigung und
Abwehr eine familiäre oder freundschaftliche Beziehung bei
den Kollegen auslöst, nicht nur mit der Nähe dieser Beziehung
zu tun, sondern auch mit dem Ansehen, das die betroffenen Personen
in ihrer Umgebung genießen. So gibt es immer wieder Fälle,
wo eine nach der Papierform problematische Konstellation im Umfeld
kaum Irritationen auslöst, und es gibt andere, in denen die
Reaktionen hinter den Kulissen erstaunlich heftig und unbarmherzig
ausfallen – bis hin zu Intrigen wie etwa, dass über verdeckte
Kanäle Mitglieder des Aufsichtsrats aktiviert werden. Besonders
vehement fallen die Reaktionen immer dann aus, wenn die Beziehung
von der Umgebung als bedrohlich empfunden wird – und das ist dann
der Fall, wenn man dem einen Partner zutraut, dass er die Beziehung
für seine eigenen Interessen nutzt, und dem anderen, dass er
sich dafür missbrauchen lässt. Ganz anders, wenn beide
als fair und integer gelten: Dann gibt es für die Umgebung
viel weniger Grund zur Besorgnis.
|
|
Das Problem negativer Entscheidungen
|
|
|
Zu all diesen Komplikationen kommt ein weiteres Problem, das im
Ernstfall noch gravierender ist: Durch die Verquickung von privaten
und beruflichen Beziehungen wird schwierig, nötigenfalls auch
unangenehme Entscheidungen zu treffen. Schon das Aussprechen von
deutlicher Kritik ist doppelt schwierig, wenn man auch privat verbunden
ist, und es wird noch unangenehmer, wenn eine schlechte Beurteilung
auch finanzielle Konsequenzen hat. Äußerst bitter wird
es aber, wenn wegen mangelhafter Leistungen eine Trennung erforderlich
wird. Solch eine Entscheidung ist ohnehin nicht einfach, aber sie
wird zur Qual, wenn der Verantwortlichen weiß, dass er mit
diesem Schritt zugleich die persönliche Beziehung und möglicherweise
die Freundschaft zwischen den Familien aus Spiel setzt. Beziehungsweise
dass er, im Falle der umgekehrten Entscheidung, nicht nur dem Unternehmen
Schaden zufügt, sondern auch für alle sichtbar das Signal
setzt, dass ihm zumindest in diesem Fall die persönliche Beziehung
wichtiger ist als die Leistung. Solche Entscheidungen bringen den
Verantwortlichen in einen fatalen Loyalitätskonflikt zwischen
persönlicher Bindung und Führungsverantwortung.
|
|
Verquickung beruflicher
und privater Probleme
|
|
|
In diesem Dilemma ist es ein schwacher Trost, dass dieses Problem
nicht bloß bei Freunden und Familienmitgliedern vorkommt.
Es tritt zum Beispiel auch in Unternehmen auf, die auf dem Lande
oder in Kleinstädten angesiedelt sind. Auch dort schlagen konsequente
Personalentscheidungen leicht auf das private Umfeld durch, weil
man sich eben beim Einkaufen oder im Tennisclub wieder begegnet.
In einer vergleichbaren Lage sind Expatriots, also Fach- und Führungskräfte,
die in eine ausländische Niederlassung entsandt worden sind
und dort in einer kleinen nationalen Enklave leben. Doch wird das
Problem nicht davon geringer, dass es auch noch in anderen Konstellationen
vorkommt. Dort, wo man es beeinflussen kann, tut man gut daran,
dies zu tun und auf die geschäftliche Zusammenarbeit mit Familienangehörigen
und Freunden nach Möglichkeit zu verzichten.
|
|
Auswirkungen aufs
private Umfeld
|
|
|
Dies gilt umso mehr, als es nicht nur negative Auswirkungen geschäftlicher
Probleme auf das Privatleben gibt, sondern auch negative Abstrahlungen
vom Privaten ins Geschäftliche. Beispielsweise können
die geschäftlichen Folgen einer Ehekrise oder einer Trennung
dramatisch sein, wenn die Partner in einem Projekt zusammenarbeiten
müssen oder gar gemeinsam eine Firma führen. Heikel ist
schon, wenn zwischen Lebenspartnern oder Freunden im Beruf eine
hierarchische Beziehung besteht. Denn es ist schwer, privat eine
gleichberechtigte Beziehung zu leben und zugleich beruflich ein
klares Über- und Unterordnungsverhältnis zu haben. Meistens
färbt entweder die berufliche Beziehung auf die private ab,
mit der Folge, dass auch die private Beziehung latent hierarchisch
ist, oder umgekehrt die private auf die berufliche, sodass der Ehepartner
oder Freund auch beruflich auf gleichen Rechten besteht. Was natürlich
den Zorn der Kollegen hervorruft: "Der/die nimmt sich ungestraft
Sonderrechte heraus und kann machen, was er/sie will!"
|
|
Rückwirkung
privater Konflikte
|
|
Wie Ansätze zur Vetternwirtschaft entstehen
|
|
|
Relativ klar und unproblematisch ist die Sache bei Firmen, die
sich ausdrücklich als Familienbetrieb verstehen. Das Primat
hat hier die Familie; zusätzliche Mitarbeiter werden nur für
Aufgaben eingestellt, die die Familie aus den eigenen Reihen nicht
abdecken kann; die Führungspositionen werden nach Möglichkeit
von der Familie besetzt. In diesem Fall wissen die familienfremden
Mitarbeiter von Anfang an, worauf sie sich einlassen. Wer sich als
Externer für solch ein Unternehmen entscheidet, der weiß,
dass er sich mit der Familie arrangieren muss und nur begrenzte
Aufstiegschancen hat. In Führungspositionen kann er nicht durch
gute Leistung gelangen, sondern nur über eine "Differenzierungsstrategie",
also über die gezielte Spezialisierung auf Fähigkeiten,
die für den Betrieb unverzichtbar, aber in der Familie nicht
vorhanden sind. In Familienbetrieben ist es auch die Privatsache
des oder der Inhaber, wenn sie die Versorgung leistungsschwacher
Familienmitglieder höher gewichten als den wirtschaftlichen
Erfolg.
|
|
|
Auch bei jungen, stark wachsenden Unternehmen kommt es oft vor,
dass neue Mitarbeiter aus dem erweiterten Familien- und Freundeskreis
rekrutiert werden. Die Gründe sind nahe liegend: Erstens haben
diese Unternehmen meistens keine Personalabteilung, die dazu in
der Lage wäre, neue Mitarbeiter gezielt und systematisch auszusuchen.
Da neue Stellen aber zweitens dann geschaffen werden, wenn viele
Aufträge da sind, ist man in der Regel heilfroh, wenn sich
schnell und ohne großen Aufwand eine einigermaßen überzeugende
Besetzung findet. Drittens hilft die Tatsache, dass man sich schon
kennt, die Angst vor folgenschweren Fehlern bei der Mitarbeiterauswahl
zu reduzieren. Dazu kommt viertens zuweilen die romantische
Vorstellung, dass es doch toll sein müsse, mit Leuten, die
man persönlich mag, auch beruflich zusammenarbeiten zu können.
|
|
Junge, wachsende
Unternehmen
|
|
|
Bei größeren Unternehmen ist bei der Einstellung von
Familienmitgliedern oft "Vitamin B" im Spiel. Gerade in
Zeiten eines schwierigen Arbeitsmarktes treten immer wieder Bekannte
und Verwandte an Vorstände, Geschäftsführer und Personalleute
heran und erkundigen sich, oft in recht drängendem Ton, ob
sie ihnen nicht "einen kleinen Gefallen tun" könnten.
Denn das obere Management erfährt es natürlich als erstes,
wenn irgendwo im eigenen Hause oder bei Tochterfirmen eine interessante
Position zu besetzen ist. Wenn die Kandidaten einen ordentlichen
Eindruck machen, liegt es durchaus nahe, ihnen eine Chance zu geben
oder sie doch zumindest in die Vorauswahl zu bringen. (Gegen Letzteres
ist auch nichts einzuwenden, sofern dann ein leistungsorientiertes
Auswahlverfahren anschließt.)
|
|
|
Noch größer ist die Verlockung bei der eigenen Familie.
Welcher Vater und welche Mutter würden nicht alles in ihren
Möglichkeiten Stehende tun, um dem eigenen Nachwuchs einen
guten Start ins Berufsleben zu verschaffen? Auf einem anderen Blatt
steht, dass es fast immer ein Fehler ist, die eigenen Kinder, Nichten
oder Neffen allzu rasch ins eigene Unternehmen zu holen – gleich
ob Familienunternehmen ist oder nicht. Es ist für alle Beteiligten,
insbesondere aber für die Betroffenen und ihr Selbstvertrauen,
besser, wenn sie sich erst einmal im freien Markt beweisen müssen,
wo keiner auch nur den Verdacht haben kann, dass ihnen ein besonderes
familiäres Wohlwollen den Weg gebahnt hätte. Ganz abgesehen
davon, dass es das Ansehen und die Integrität von Top Managern
beschädigt, wenn sie Familienmitglieder ins Unternehmen einschleusen.
Denn im Grunde ist das auch eine Form von Selbstbedienung.
|
|
Kinder, Nichten und
Neffen
|
|
Welche Prioritäten lebt das Top Management?
|
|
|
Doch wäre es falsch, in diesem Kontext nur auf familiäre
Bindungen zu schauen. Denn der Kern des Problems liegt ja nicht
in der genetischen Verwandtschaft (sonst müsste man sich bei
Ehepartnern weniger Sorgen machen), sondern in der besonderen Nähe
der Beziehung. Eine ähnliche Problematik kann sich auch aus
einer freundschaftlichen Beziehung ergeben – gleich ob sie schon
vor der Einstellung bestanden hat oder erst im Laufe der Zusammenarbeit
gewachsen ist. Sogar ohne dass überhaupt eine private Freundschaft
vorhanden wäre, kann sich aus der Enge der Zusammenarbeit eine
besondere Nähe ergeben – etwa zwischen einem Vorstand und seinem
Assistenten oder zwischen einem externen Berater
und seinem Auftraggeber. Hier entwickelt die Umgebung zuweilen genau
die gleichen Sorgen wie bei Familienmitgliedern – sowohl die Angst
vor einer verdeckten Überwachung als auch die Unsicherheit,
ob vorgebrachten Argumente nur die eigene Überzeugung oder
die Wünsche des Chefs transportieren.
|
|
|
Das macht deutlich, dass die Family-and-Friends-Problematik nicht
allein durch eine strikte Regelung für den Einsatz von Familienangehörigen
und Verwandten im Unternehmen zu beheben ist. Persönliche Freundschaften
kann schließlich man weder reglementieren noch mit organisatorischen
Folgen verknüpfen; ebenso wenig ist dies für besondere
Loyalität von Beratern zu ihren Auftraggebern möglich.
Hier kann im Grunde nur das Vertrauen in die Integrität der
Personen Besorgnisse ausräumen oder wenigstens reduzieren.
|
|
|
Dennoch ist es sinnvoll, einige Spielregeln für die Einstellung
und den Einsatz von Verwandten im Unternehmen zu formulieren. Dies
ist die beste Möglichkeit zu verhindern, dass einzelne Manager
die "ungeschriebenen Gesetze" anders auslegen als ihre
Kollegen – was im Ernstfall zu erheblichem Ärger führen
kann. Zu diesen Regeln sollte im Minimum gehören, dass erstens
niemand an der Einstellung von Familienangehörigen beteiligt
sein darf, weder direkt noch über seine nachgeordneten Mitarbeiter,
dass Familienmitglieder zweitens nicht in der gleichen Organisationseinheit
tätig sein dürfen (also keine direkte oder indirekte Unterstellung),
und dass Führungskräfte drittens verpflichtet sind, etwaige
Interessenkonflikte umgehend von sich aus offenzulegen.
|
|
Trotzdem Spielregeln
festlegen
|
|
|
Trotz aller Regeln ist letztlich die entscheidende Frage, welche
Prioritäten das Top Management lebt: Orientiert es sich im
Zweifelsfall an Beziehungen oder an der erbrachten Leistung? Dass
Familienmitglieder und Freunde im Unternehmen sind, wäre so
lange kein wirkliches Problem, wie an sie exakt der gleiche Leistungsmaßstab
angelegt würden wie an alle anderen und wie niemand Sorge haben
müsste, deswegen in seinen eigenen Einflussmöglichkeiten
und Karrierechancen benachteiligt zu sein. Sie wird unabhängig
von allen Erklärungen und Spielregeln dann zum Problem, wenn
bei Leistungsträgern der Eindruck
entsteht, dass sie zu einer minderen Kaste gehören. Denn dann
ist der Schritt zu ihrer Abwanderung
nicht mehr weit. Je vertrauter die Beziehung jedoch ist und je enger
die organisatorische Zuordnung, desto schwieriger ist es, diese
strikte Leistungsorientierung glaubwürdig
zu vermitteln.
|
|
Beziehungen oder
Leistung?
|
|
|
© 2003 Winfried Berner – vollständige oder auszugsweise Wiedergabe, gleich in welcher Form, honorarpflichtig und nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung / Zitate im üblichen Umfang mit Quellenangabe gemäß wiss. Zitationsregeln zulässig. Näheres siehe Nutzungsbedingungen.
|
|
Verwandte Themen:
Glaubwürdigkeit
Personalauswahl
Konflikte

|
|
|