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Berater: Wofür sie gut sind und wofür nicht

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Ist es sinnvoll, für Veränderungsprozesse auf externe Beratung zurückzugreifen? Im Prinzip ja – jedenfalls dort, wo besondere Expertise oder zusätzliche Ressourcen benötigt werden. Allerdings sind sowohl die Einsatzgebiete als auch die "Kontraindikationen" für einen Beratereinsatz einen genaueren Blick wert.

  • Im Prinzip ja , aber ...
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    Gute und schlechte Gründe für einen Beratereinsatz

     
    Es gibt im wesentlichen fünf Gründe, externe Berater einzusetzen:

    Kompetenz – für die Veränderung wird spezifisches Know-how benötigt, das Sie im eigenen Hause nicht in ausreichendem Maße besitzen (wie bei allen Arten fachtlicher Beratung einschließlich der Kommunikations- und Change Management-Beratung);

    Kapazität – Sie haben nicht genügend Manpower, um die geplanten Veränderungen schnell genug aus eigener Kraft zu bewegen (wie zum Beispiel oft bei großen IT-Projekten);

    Kraft / Energie – Sie wollen die Durchsetzungskraft derer, die an einer Veränderung interessiert sind, gezielt verstärken;

    Objektivität – Sie brauchen für die Ausgestaltung der Veränderungen eine neutrale Instanz, die weitgehend frei von eigenen Interessen ist (zum Beispiel bei der Begleitung einer Post-Merger-Integration);

    Sicherheit – Sie wollen sicher sein, dass bei Ihrem Veränderungsvorhaben die neuesten Erkenntnisse berücksichtigt sind (etwa bei anspruchsvollen Technologie-Projekten).

  • Fünf Günde
  • Darüber hinaus übernehmen Berater zuweilen die Rolle des "bösen Buben", der Dinge sagt oder tut, die man eigentlich in der jeweiligen Unternehmenskultur nicht sagt oder tut. Ob das gut oder schlecht ist, darüber kann man streiten. An sich sollte das Unternehmen bzw. das Top Management selbst den Mut haben, unangenehme Dinge anzupacken. Doch gibt es ohne Zweifel Situationen, in denen der Berater als böser Bube nicht bloß Alibi, sondern Teil einer geschickten Dramaturgie der Veränderung ist. Dagegen ist es in der Regel keine gute Idee, Berater als Waffe in einem innerbetrieblichen Machtkampf einzusetzen: Gleich ob es dabei um Auseinandersetzungen innerhalb des Top Managements geht oder um die Durchsetzung von Veränderungen gegenüber den mittleren Führungsebenen, es besteht die Gefahr, sich damit in einen Beziehungskonflikt zu verwickeln, der die Lage schlimmer macht statt besser.

  • Zwischen Alibi und Dramaturgie
  • Prinzipiell gilt die Regel: Greifen Sie auf externe Consultants nur dort zurück, wo Sie im eigenen Unternehmen Engpässe haben. Wenn Sie Berater auf Feldern einsetzen, wo im eigenen Haus das erforderliche Know-how vorhanden ist, geben Sie nicht nur unnötig Geld aus, sondern Sie frustrieren und entmutigen Ihre eigenen Leute. Denn die unausgesprochene Message des Beratungsauftrags wäre in diesem Fall, dass Sie Ihren eigenen Leuten die Aufgabe nicht zutrauen. Ideal ist, wenn es Ihnen gelingt, sich genau dort gezielt zu verstärken, wo die Engpässe im eigenen Hause liegen. Wählen Sie also beispielsweise einen Change Coaching-Ansatz, wenn Sie nur bei der Steuerung des Veränderungsprozesses einen Engpass haben, statt das gesamte Change Management in die Hände externer Berater zu legen.

  • Gezielte Verstärkung
  • Tipps für die Beraterauswahl

     

    Suchen Sie sich gezielt den Berater aus, der für Ihre spezifische Problemlage die nötige Kompetenz mitbringt. Das muss weniger eine intime Kenntnis Ihrer Branche sein – die besitzen Sie ja selbst. Im Gegenteil, für viele Veränderungsthemen ist allzu viel Branchenerfahrung sogar ein Nachteil: Erstens weil branchenspezialisierte Berater unvermeidlich die unreflektierten Selbstverständlichkeiten der jeweiligen Branche teilen und damit nicht genügend frischen Wind mitbringen. Im Zweifelsfall ist die Erfahrung, die Ihre Berater aus anderen Branchen mitbringen, für Sie wertvoller als die aus der eigenen – auch wenn am Anfang der Einarbeitungsaufwand etwas höher ist. Zweitens kommt Branchenerfahrung ja nur dadurch zustande, dass die Berater schon für viele Ihrer Wettbewerber gearbeitet haben – und es auch in Zukunft tun werden. Das ist von Vorteil, wenn Sie Dinge einführen wollen, die in Ihrer Branche bereits Standard sind, aber es gefährdet Ihren Wettbewerbsvorteil, wenn Sie wirklich innovative Dinge haben. Wichtiger als Branchenerfahrung ist in unseren Augen, dass sich der Berater sich mit der speziellen Aufgabenstellung auskennt, die Sie vor sich haben. Welche ähnlichen Projekte hat er schon durchgeführt, und wie sind sie gelaufen?

  • Vor- und Nachteile
    von Branchen- erfahrung
  • "Unternehmensberater" ist in Deutschland kein geschützter Beruf – im Gegensatz zu Rechtsanwalt, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Es steht also jedem frei, sich ab morgen "Unternehmensberater" zu nennen. Infolgedessen wimmelt es in der Branche nicht nur von unseriösen Geschäftemachern, sondern vor allem von unfreiwilligen Selbständigen, die entweder nach einer Kündigung keinen neuen Job gefunden oder nie ein Unternehmen von innen gesehen haben. Sowohl Berufseinsteiger als auch altgediente Manager sind aber nicht unbedingt die idealen Berater – die einen aus Mangel an Erfahrung, die anderen wegen zu einseitiger, zu sehr an ein bestimmtes Unternehmen gebundener Erfahrung. Beide Typen können jedoch eine Überlegung wert sein, wenn Sie nicht so sehr spezifisches Know-how benötigen als einfach zusätzliche Manpower. Hier wird Beratung zur Alternative zum Einsatz von Zeitarbeit oder "Management auf Zeit".

  • Gezielte Auswahl
  • Trotzdem wirft diese Intransparenz des Beratungsmarkts das Problem auf, wie Sie als Kunde herausfinden sollen, welche Beratungsfirmen erstens professionellen Standards genügen, was Arbeitsweise und Geschäftsgebaren betrifft, und zweitens für Ihre Fragestellung kompetent sind – zumal es Tausende von kleineren und kleinsten Beratungsfirmen gibt. Die wohl beste Möglichkeit, sich in diesem Dschungel zu orientieren, ist, dass Sie sich an eine der im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) zusammengeschlossenen Beratungsfirmen halten. Denn der BDU nimmt nur Mitglieder auf, die hinsichtlich Erfahrung, Professionalität und Pro-Kopf-Umsatz gewissen Mindeststandards genügen. Auf der Website des BDU finden Sie eine Beraterdatenbank, in der Sie nach verschiedenen Kriterien gezielt nach einem für Ihre Zwecke geeigneten Beratungsunternehmen suchen können. Allerdings sind längst nicht alle Beratungsfirmen dem BDU angeschlossen, und natürlich gibt es auch außerhalb des BDU seriöse Beratung. Doch bei den Nichtmitgliedern haben Sie keine vorab geprüfte Garantie der Mindeststandards; dort müssen Sie sich also Ihr eigenes Urteil bilden.

  • Intransparenz des Marktes
  • In Deutschland leider noch wenig verbreitet ist eine persönliche Zerfizierung von Unternehmensberatern nach internationalen Standards. Es gibt zwar auch bei uns den international anerkannten Titel "Certified Management Consultant"; da der BDU diese Zertifizierung jedoch leider nur an Berater verleiht, die seinen Mitgliedsunternehmen angehören, beschränkt sich dieser Qualitätsnachweis auf eine Teilmenge der BDU-Mitglieder. Dabei könnten die angelegten Kriterien durchaus einen Beitrag dazu leisten, den Markt transparenter zu machen und Unternehmen bei der Auswahl qualifizierter Berater zu helfen. Denn die persönlichen Voraussetzungen für Verleihung des Titels sind, wie auf der BDU-Website nachzulesen, durchaus anspruchsvoll: Verlangt wird neben den üblichen Kautelen wie polizeiliches Führungszeugnis und Auskunft aus dem Gewerbezentralregister (§ 150 GewO) unter anderem eine Berufserfahrung von, je nach Berufsabschluss, mindestens 3 - 8 Jahren; eine hauptberufliche Beratungspraxis von mindestens 150 Tagen p.a. und der Nachweis regelmäßiger Fortbildung im Umfang von mindestens 30 Stunden pro Jahr. Alle 3 Jahre muss eine Rezertifizierung vorgenommen werden, die allerdings derzeit nur aus einer schriftlichen Selbstauskunft mit Weiterbildungsnachweis etc. besteht.

  • Qualitäts-nachweis
  • Falls Sie mit einer der größeren Beratungsfirmen arbeiten wollen, achten Sie darauf, dass Sie nicht nur die Akquisiteure oder "Oberindianer" kennenlernen, sondern die Personen, die das Projekt in Ihrem Hause konkret durchführen werden. Denn der Name der Beratungsfirma mag noch so gut sein, letztlich hängt vieles an den Personen. Scheuen Sie sich daher nicht, einzelne Berater abzulehnen, wenn Sie von ihnen nicht restlos überzeugt sind.

  • Sonderfall Großberater
  • Kontraindikationen

     

    Es gibt eine Reihe von Aufgaben, für die Sie, unabhängig von deren Provenienz und Qualifikation, unter keinen Umständen Berater einsetzen sollten. Und zwar gilt das für alle Aufgaben, die den Kern der Unternehmensführung ausmachen. Dazu zählen das Treffen strategischer Entscheidungen, das Vermitteln von Orientierung (wozu auch die Ankündigung wichtiger Veränderungen zählt), das Durchsetzen getroffener Entscheidungen auch gegen Widerstände, aber besonders auch die Kommunikation schlechter Nachrichten.

  • Kernbestand Unternehmens- führung
  • Wenn diese originären Führungsaufgaben an Berater delegiert werden, kommt dies einer faktischen Abdankung der Geschäftsleitung gleich. "Ich frage mich langsam, wer dieses Unternehmen eigentlich führt – der Vorstand oder die Berater", heißt es dann aus dem Betriebsrat und den mittleren Führungsebenen. Noch schlimmer ist der Verlust an Achtung und Respekt, wenn die Geschäftsleitung die Kommunikation schlechter Nachrichten delegiert: "Sie hatten nicht einmal den Mut, es uns von Angesicht zu Angesicht zu sagen, sondern haben Berater dafür vorgeschickt!"

  • Verlust an Achtung
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