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Neu von Winfried Berner:
"Change!" 15 Fallstudien zu Sanierung, Turnaround, Prozessoptimierung, Reorganisation und Kulturveränderung
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Winfried Berner:
"Bleiben oder Gehen"
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Fusion / Übernahme / Post-Merger-Integration: Die Kunst der Zusammenführung
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Aus gutem Grund sind Fusion, Übernahme und Integrationsprozesse in unserer Typologie der Veränderungsprozesse in unmittelbarer Nachbarschaft von Turnaround und Kostensenkung
angesiedelt. Auch hier ist der Angstpegel in den Belegschaften hoch,
wobei drei Besonderheiten die Situation verändern und zuspitzen:
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Erstens die Frage, wer Gewinner und wer Verlierer
der Fusion ist (wobei das übernommene Unternehmen bei der Verliererrolle
normalerweise den Vortritt hat). Deshalb werden Übernahmen
auch häufig als "Merger of Equals" (Fusion von Gleichen)
getarnt. Was das Misstrauen indes allenfalls vorübergehend
dämpft. |
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Zweitens die Tatsache, dass in der ersten Zeit nach
der Fusion noch längst nicht alle Führungspositionen besetzt
sind. Dies führt zu erheblicher Verunsicherung sowohl bei den
in Frage kommenden Führungskräften als auch bei deren
Mitarbeitern. Und während einige versuchen, "Business
as usual" zu machen, versuchen andere, sich durch die unterschiedlichsten
Manöver in eine möglichst vorteilhafte Position für
die Stellenbesetzung zu bringen.
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Drittens, dass es bei der Umsetzung einer Fusion
keine "unpolitischen Entscheidungen" gibt: In den Augen
der internen Beobachter wird jede Position entweder mit "einem
von unseren Leuten" oder mit "einem von den anderen"
besetzt. Und das ganze Unternehmen zählt mit. Das gleiche gilt
für Standorte, IT-Systeme und alles andere, wo "die"
anders sind als "wir". |
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Das Problem des Top Managements ist, dass es in den ersten Wochen
auf viele Fragen der Mitarbeiter selbst noch keine Antwort hat.
Dies offen zu sagen und dann noch einen Termin zu nennen, wann die
Antwort gegeben werden kann, ist freilich schon ein wichtiger erster
Schritt, um etwas Ruhe in den Laden zu bringen.
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Das Wichtigste bei einer Fusion sind neben einem klaren
strategischen Konzept schnelle Entscheidungen und entschlossenes
Handeln. Nirgendwo ist die Regel richtiger als hier, dass, wer schnell
entscheidet, zwar mehr Fehler macht, aber auch mehr Zeit hat, seine
Fehler zu korrigieren. Insbesondere Organisations- und Personalentscheidungen müssen, wenn sie nicht schon im Vorfeld der Fusion vorbereitet
wurden, schnellstmöglich getroffen werden, auch nachts und
am Wochenende. Dabei muss immer auch darauf geachtet werden, dass
keines der beiden Unternehmen zum Verlierer wird. Denn sonst packen die besten Mitarbeiter des Verlierers unverzüglich die Koffer.
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Ebenso wichtig wie rasche Entscheidungen ist ihre rasche und überzeugende
Kommunikation. Denn nicht allein die Fakten zählen, sondern
vor allem, wie sie von den Belegschaften wahrgenommen werden. Direkte,
offene und zugleich feste Kommunikation ist hier besonders wichtig,
weil starker "Gegenwind" vorhersagbar ist. Denn bei einer
Fusion oder Übernahme gibt unvermeidlich auch Verlierer. Mit
Sicherheit werden einige davon versuchen, ihre persönliche
Niederlage durch Streuen ihrer "objektiven" Sichtweise
zu begründen, um ihr Gesicht zu wahren oder auch sich zu rächen.
Sie finden ein aufmerksames Publikum in den zahlreichen verunsicherten
Mitarbeitern aus dem gleichen Ursprungsunternehmen, die nur allzu
bereit sind, jede schlechte Nachricht für bare Münze zu
nehmen.
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Dabei gilt es, hier auf eine spezielle Paradoxie vorbereitet zu
sein: Auch wenn Sie sich bei den Entscheidungen um größtmögliche
Sachgerechtigkeit und Fairness bemühen, wird dies nicht unbedingt
anerkannt oder honoriert werden. Wenigstens ein Teil der Betroffenen
wird Ihnen trotzdem direkt oder indirekt den Vorwurf von Einseitigkeit
und mangelnder Fairness machen. So werden Ihnen möglicherweise
Mitarbeiter aus Ihrem Ursprungsunternehmen mitteilen, dass die "andere
Seite" an die Stellenbesetzungen leider nicht mit der gleichen
Fairness heranginge wie Sie, sondern dass sie ihre Leute gezielt
bevorzugen würden; der unausgesprochene Vorwurf lautet also,
dass Sie mit Ihrer Fairness de facto die "eigenen Leute" benachteiligen
würden. Verstehen Sie diese Vorwürfe als das, was sie sind: Als einen Versuch, Druck auf Sie auszuüben, um Ihre Entscheidungen
im eigenen Sinne zu beeinflussen. Lassen Sie sich davon also weder
beirren noch gar erpressen!
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© 2002 Winfried Berner – vollständige oder auszugsweise Wiedergabe, gleich in welcher Form, honorarpflichtig und nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung / Zitate im üblichen Umfang mit Quellenangabe gemäß wiss. Zitationsregeln zulässig. Näheres siehe Nutzungsbedingungen.
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