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Neu von Winfried Berner:
"Change!" 15 Fallstudien zu Sanierung, Turnaround, Prozessoptimierung, Reorganisation und Kulturveränderung
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Winfried Berner:
"Bleiben oder Gehen"
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Deutlichkeit: Mutig und konstruktiv die Wahrheit sagen |
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Die Grundregel für das Ansprechen unangenehmer Themen – gleich
ob es um Kritik geht oder um das Überbringen schlechter Nachrichten
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Sie nach bestem Wissen und Gewissen dafür halten) – ohne Härte und
Übertreibung, aber auch ohne Abschwächung, Verharmlosung oder "Diplomatie". |
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Mit unangenehmen Themen hat man im Change Management ständig zu
tun. Das muss nicht immer gleich die Entlassung von Mitarbeitern
oder andere einschneidende Maßnahmen sein – schon die Auseinandersetzung
mit Kollegen, die ihren Beitrag zum Vorankommen des Projekts nicht
leisten oder das Eingeständnis, dass das Projekt nicht in der gewünschten
Weise vorankommt, kann unangenehm genug sein. |
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Gute Führung zeichnet sich dadurch aus, dass sie um unangenehme Themen keinen
Bogen macht, sondern sie mutig und konstruktiv adressiert.
- "Mutig" heißt, unangenehme Dinge frühzeitig anzusprechen
und nicht erst dann, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht und
keine andere Wahl mehr hat. Das ist eine wichtige Voraussetzung
für Glaubwürdigkeit.
- "Konstruktiv" bedeutet, dem Gesprächspartner bei
aller unmissverständlichen Klarheit wohlwollend und ohne offene
oder versteckte Feindseligkeit zu begegnen.

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Unter konstruktiver Kritik wird häufig verstanden, dass man
immer sofort Lösungsvorschläge machen müsste. Das ist blanker Unsinn.
Wenn Probleme erst dann angesprochen werden dürfen, wenn man einen
Lösungsvorschlag hat, werden viele Probleme – und gerade die schwierigsten
– zu spät adressiert. Möchten sie wirklich erst dann wissen, dass
Wasser im Schiff ist, wenn der Schiffsjunge sich einen Lösungsvorschlag
ausgedacht hat? Es kann sehr konstruktiv sein, wenn man ein Problem
frühzeitig anspricht, auch wenn man keinerlei Idee für eine Lösung
hat. Denn nur, wenn das Problem erkannt und benannt ist, kann man
entscheiden, wie damit umgegangen werden soll und wer dies tun soll. |
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Konstruktives Handeln heißt vor allem anderen, sich auch bei einem
schwierigen oder kontroversen Thema innerlich nicht gegen den Gesprächspartner
zu stellen, sondern auf dessen Seite, und sich dabei um größtmögliche
Deutlichkeit zu bemühen und auf verletzende Härte zu verzichten.
Konstruktives Handeln ist damit in erster Linie eine "Gesinnungsfrage",
also eine Frage davon, welche Einstellung man gegenüber dem Gesprächspartner
(und gegenüber dem Problem) einnimmt. |
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Eine Frage der Einstellung |
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Solange Ihre Deutlichkeit frei von Feindseligkeit ist, müssen Sie
sich keinerlei Sorge machen, jemanden durch eine zu deutliche Aussage
zu verletzen oder gar zu "zerstören" (Übertreibung!). Denn was verletzt,
ist nicht die Klarheit, sondern die feindselige Absicht. Wenn die Wahrheit dazu benutzt
wird, dem anderen weh zu tun oder ihn "klein zu machen", hat sie
eine grundlegend andere Wirkung als wenn sie – bei allen bestehenden
Problemen – von Achtung für den anderen geprägt ist. |
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Deutlichkeit hat nichts mit Härte zu tun |
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Sehr viele Menschen verwechseln Deutlichkeit mit Härte. Der fundamentale
Unterschied zwischen beiden ist seltsamerweise den wenigsten Führungskräften
klar. "Sie müssen dem Mitarbeiter mal ein hartes (oder gar: "schonungsloses")
Feedback geben!", sagt der Geschäftsführer zum Abteilungsleiter,
wenn er eigentlich meint: "Junge, nun rede endlich mal Klartext
mit dem Mann!" Die eigentliche Intention des Geschäftsführers ist
(höchstwahrscheinlich) nicht, dem Mitarbeiter weh zu tun, sondern
ihm die Sichtweise des Unternehmens unmissverständlich deutlich
zu machen. Wenn aber Klarheit das Ziel ist, welchen Nutzen hat dann
Härte? Schafft Härte wirklich Klarheit? |
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Härte zielt auf Durchsetzung – und damit auf eine Niederlage des
Gegners. Deutlichkeit hingegen zielt auf Klarheit und damit auf
die Beseitigung möglicher Missverständnisse – sie ist nicht gegen
irgend jemanden gerichtet. Auch wenn Klarheit nicht immer angenehm
ist, ist Deutlichkeit ein konstruktives Kommunikationsziel; sie
ist nicht gegen den Gesprächspartner gerichtet, sondern will ihm
helfen, die Situation klar und realistisch zu sehen. |
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Aus den unterschiedlichen Zielen resultieren unterschiedliche Verhaltensweisen:
Wer sich durchsetzen möchte, kommuniziert grundlegend anders als
jemand, der Klarheit erreichen und jegliches Missverständnis ausschließen
möchte. Ersteres ist ein offener oder verdeckter Kampf ("setze ich
mich durch oder der andere?"); letzteres ist eher eine Erläuterung,
die bei aller Klarheit auch von Empathie geprägt ist. Denn wer verstanden
werden will, muss sich auf seine(n) Adressaten einstellen. |
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Übertreibungen ("Sie machen immer ..." / "Sie machen nie ...")
sind im Grunde nur eine defensive Variante von Härte (siehe Diplomatie):
Sie haben die Funktion, unsere Argumente größer aufzuplustern, damit
sie überzeugender wirken. Dahinter steht in der Regel die Angst,
dass die Kritik oder Forderung in "Originalgröße" vielleicht nicht
ernstgenommen würde. Der Effekt ist fast immer das genaue Gegenteil:
Gegen die Übertreibung wehrt sich der Gesprächspartner sehr viel
heftiger als gegen die realistische Aussage, weil sie ihm unfair
und ungerecht erscheint – und schon ist genau die Abwehrreaktion
da, die man durch die Übertreibung vermeiden wollte. |
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Haupthindernis Konfliktscheu |
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Dass Deutlichkeit und Härte so häufig verwechselt werden, ist kein
Zufall. Es hängt damit zusammen, dass konfliktscheue Menschen –
also die allermeisten von uns – in aller Regel erst dann deutlich werden,
wenn sie entweder vor Wut kochen oder mit dem Rücken zur Wand stehen.
Harmoniebedürftige Menschen verschleppen eine klare Stellungnahme
so lange, bis ihnen entweder der Kragen platzt oder bis es sich
nicht mehr hinauszögern lässt. Dann jedoch wird aus Deutlichkeit
Härte, denn mit Wut oder Panik im Bauch ist man zu konstruktivem
Verhalten nicht mehr bereit und in der Lage – man schlägt "ohne
Rücksicht auf Verluste" zu. Was natürlich sehr leicht in eine Konflikteskalation
führen kann. |
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Das Problem mit der Deutlichkeit ist, dass sie Stress bedeutet
– insbesondere für Ungeübte. Denn natürlich wird der Gesprächspartner
sich nicht freuen, wenn wir ihm unsere Sichtweise oder Entscheidung
deutlich mitteilen. Vielmehr wird er über die unangenehme Nachricht
betroffen oder erschrocken sein, vielleicht sogar erschüttert. Um
sich diese Situation zu ersparen, liegt es nahe, das Problem zu
verharmlosen, zu bagatellisieren oder sonstwie herunterzuspielen.
Deutlichkeit verhindert, dass sich der andere der Sache auf diese
Weise entziehen kann. Das schafft eine gewisse Spannung – einen
Stress, den man aushalten muss, ohne sofort seinem Harmoniebedürfnis
nachzugeben und sich in nervöses Lachen oder andere Beschwichtigungsgesten
zu retten. |
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Die Spannung ertragen
lernen |
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Wie geht das Gespräch nach einer deutlichen Aussage weiter? In
der Regel wird sich der Gesprächspartner äußern, wenn wir ihm unsere
Position oder Entscheidung deutlich gemacht haben – oft erklärend,
rechtfertigend oder beschwichtigend, zuweilen auch vorwurfsvoll
und aggressiv. Akzeptieren Sie an dieser Stelle, dass der andere
auf seine Art reagiert, wie auch immer sie sein mag. Lassen Sie
sich nicht in eine Detaildiskussion hineinziehen, die leicht in
einen rechthaberischen Streit abgleitet. Entscheidend ist nicht,
dass der andere ihrer Aussage zustimmt, sondern dass er ihre Position
(oder Entscheidung) zur Kenntnis nimmt. |
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Gesprächsziel Kenntnisnahme |
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Deshalb sollten Sie Ihre Position auch nicht rechtfertigen oder
sonst wie um Zustimmung betteln. Sie können ihre Position erläutern,
wenn Sie dies für sinnvoll und angebracht halten, sollten aber sorgfältig
darauf achten, dass Sie dabei nicht die Schwelle von der Erläuterung
(die darauf zielt, Ihre Position für den anderen nachvollziehbar
zu machen) zur Rechtfertigung (die auf die Zustimmung des anderen
zielt) nicht zu überschreiten. Was Sie an dieser Stelle von dem
anderen wollen (sollten), ist nicht Zustimmung, sondern Kenntnisnahme.
Wenn die erreicht ist, ist das erste Ziel, das mit der Deutlichkeit
angestrebt wurde, erreicht. Dann kann sich ein Gespräch darüber
anschließen, wie es nun weiter geht und was die nächsten Schritte
sein sollten. |
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Nicht um Zustimmung
betteln! |
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Alternativen zur Deutlichkeit – und ihr Preis |
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Je nach Grad Ihres persönlichen Harmoniebedürfnisses mag das ein
harter Brocken für Sie sein. Für diesen Fall ist es sinnvoll, einmal
darüber nachzudenken, was eigentlich die Alternativen zur Deutlichkeit
sind und welche Vor- und Nachteile sie haben. Die beiden anderen
Möglichkeiten sind, entweder gar nichts zu sagen oder sich hinter
unklare Formulierungen und vermeintliche "Diplomatie"
zurückzuziehen. Ersteres ist auf die Dauer kaum möglich; es liefe
darauf hinaus, die Dinge sich selbst zu überlassen, auch wenn das
zu krassen Fehlentwicklungen führen kann. Letzteres klingt auf den
ersten Blick attraktiv, doch der Preis eines vermeintlich diplomatischen
Vorgehens liegt sowohl in einem Verlust an Glaubwürdigkeit
als auch in reduzierten Einflussmöglichkeiten. |
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Der Preis mangelnder
Deutlichkeit |
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Letzten Endes muss sich jeder, der in Unternehmen oder anderen
sozialen Systemen etwas bewegen möchte, entscheiden zwischen Nett-Sein-Wollen
("Harmonie") und Wirksamkeit. Der Preis des Nett-Seins, das heißt
der Konfliktvermeidung, ist, dass Ihre Vorstellungen zuweilen auf
der Strecke bleiben und dass Ihr Ansehen und Ihre Macht
sich in Grenzen halten. Der Preis der Deutlichkeit, das heißt einer
gewissen Konfliktbereitschaft, ist, dass die Harmonie zuweilen getrübt
wird – wenigstens vorübergehend. Dass daraus in aller Regel kein
dauerhafter Bruch entsteht, dafür sorgt das Vermeiden von Härte
und Verletzungen durch eine konstruktive Grundhaltung. Trotzdem
führt kein Weg daran vorbei, dass Deutlichkeit erst einmal zu Disharmonien
führt, die man ertragen muss, wenn man etwas bewegen will. |
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Konfliktfähigkeit ist unabdingbare Voraussetzung für die
Fähigkeit, Veränderungen auch bei Widerständen
voranzutreiben. |
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© 2001 Winfried Berner – vollständige oder auszugsweise Wiedergabe, gleich in welcher Form, honorarpflichtig und nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung / Zitate im üblichen Umfang mit Quellenangabe gemäß wiss. Zitationsregeln zulässig. Näheres siehe Nutzungsbedingungen.
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