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Neu von Winfried Berner:
"Change!" 15 Fallstudien zu Sanierung, Turnaround, Prozessoptimierung, Reorganisation und Kulturveränderung
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Winfried Berner:
"Bleiben oder Gehen"
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Projekte: Definition und Nutzen
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Gebräuchliche Definitionen von Projekten ignorieren durchweg
deren soziale Dimension: Projekte werden in erster Linie als Verfahren
zur Lösung von Sachproblemen verstanden. Dass davon Menschen betroffen
sind, die auf die geplanten oder stattfindenden Veränderungen reagieren
und damit den weiteren Verlauf beeinflussen, bleibt in den Begriffsbestimmungen
unerwähnt, obwohl genau das in der Praxis in fast jedem Veränderungsprozess
eine entscheidende Rolle spielt. Der logische Konsequenzfehler ist,
dass die Reaktionen der betroffenen Mitarbeiter und Führungskräfte
auch beim Management der Projekte häufig missachtet werden, was
zwangsläufig Widerstände
und Konflikte hervorruft
und oftmals den Erfolg des gesamten Vorhabens in Frage stellt.
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Vergessene: die soziale
Dimension
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Definitionen oder: Was ist eigentlich ein Projekt?
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Definitionen sind eine eigenartige Sache: Wer nicht weiß, worum
es geht, wird es in der Regel auch durch das Lesen vieler Definitionen
nicht erfahren. Wer es weiß oder zu wissen glaubt, braucht im Grunde
keine Definitionen. Nutzen haben Definitionen im Grunde nur dann,
wenn jemand der Frage nachgehen möchte: Was ist eigentlich das Besondere
an dem definierten Gegenstand? Wodurch unterscheidet er sich von
anderen Dingen?
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Um diese Unterscheidung zu leisten, müssen Definitionen trennscharf
sein: Alle Objekte, die der Kategorie angehören sollen, müssen die
in der Definition genannten Kriterien erfüllen alle, die
ihr nicht angehören sollen, dürfen die Kriterien nicht erfüllen
(oder genauer: dürfen nicht alle Kriterien erfüllen). Anderenfalls
ist die Definition ungenau bzw. falsch. Wie im Falle des folgenden
Beispiels.
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"Ein Projekt ist ein Vorhaben, das im wesentlichen durch eine
Einmaligkeit der Bedingungen in ihrer Gesamtheit gekennzeichnet
ist."
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Schmeichelhaft für Projekte, dass sie es bis zu einer Definition
in einer DIN-Norm gebracht haben (DIN 69 901) doch unbefriedigend
die Definition selbst: Sie ist erstens nichtssagend und zweitens
unsauber. "Die Bedingungen in ihrer Gesamtheit" sind, wie schon
die alten Griechen festgestellt haben, sowieso immer einmalig ("Niemand
steigt zwei Mal in denselben Fluss"). Außerdem fehlt es an Trennschärfe:
Zum Beispiel wäre der Besuch einer Opernpremiere zwar wohl ein "Vorhaben,
das durch die Einmaligkeit der Bedingungen in ihrer Gesamtheit"
gekennzeichnet ist, trotzdem würden ihn wohl die wenigsten Menschen
als Projekt ansehen.
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Präziser, aber etwas sperrig definiert R. L. Martino:
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"A project is any task which has a definable beginning and a
definable end and requires the expenditure of one or more resources
in each of the separate but interrelated and independent activities
which must be completed to achieve the objectives for which the
task was instituted."
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In der Tat sind ein klarer Anfang und ein klares Ende wichtige
Merkmale von Projekten auch wenn das banal klingt. In der
Praxis werden jedoch viele Projekte um dieses klare Ende betrogen,
indem man sie sanft einschlafen oder am ausgestreckten Arm verhungern
lässt. Wesentlich ist auch, dass es bei Projekten darum geht, "Ziele
zu erreichen, für die die Aufgabe eingerichtet wurde". Zutreffend,
aber irgendwie weniger aufregend ist, dass dafür bestimmte "Aufgaben
erledigt werden müssen", die "zusammenhängen aber unabhängig sind".
Doch bleibt das Gefühl, dass noch etwas fehlt.
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Hans-D. Litke fasst in seinem Buch "Projekt-Management" (Hanser
3. Aufl. 1995) die charakteristischen Merkmale von Projekten in
folgender Liste zusammen:
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abgrenzbares Einzelvorhaben mit definiertem
Anfang und Ende (Ziel),
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neuartig: Vorstoß an Grenzen des Machbaren,
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risikoreich (technisch, wirtschaftlich, terminlich),
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komplex,
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im Laufe der Abwicklung sich ändernde organisatorische
Bedürfnisse,
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große Bedeutung für Unternehmen / Organisation,
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Auch wenn die "Grenzen des Machbaren" vielleicht ein bisserl hoch
gegriffen sind, wird jeder erfahrene Projektmanager den Merkmalen
von Litke mit leisem Stöhnen ("risikoreich", "komplex", "sich ändernde
Bedürfnisse", "Termindruck") zustimmen. Doch die soziale Dimension
streift auch er nur am Rande ("große Bedeutung für Unternehmen /
Organisation").
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Für Change Management in Unternehmen gilt aber durchgehend
gleich ob es sich um eine Post-Merger-Integration,
ein Reengineering oder
um ein IT-Projekt handelt , dass das soziale System diese Aktivitäten
nicht passiv erduldet wie ein Auto seine Reparatur, sondern dass
es in vielfältigster Weise auf sie reagiert. Dabei geht es nicht
nur um Emotionen, die man noch als soziale
Nebengeräusche von Veränderung betrachten könnte, sondern auch um
Aktionen, also um konkretes Tun oder Unterlassen. Beispielsweise
darum, dass die Mitarbeiter Tausend Gründe und Argumente bringen,
weshalb die vorgeschlagene Lösung gar nicht funktionieren kann und
zu welch katastrophalen Problemen sie führen wird, dass sie die
neuen Abläufe subtil boykottieren, dass sie die Kunden vernachlässigen,
weil ihre Aufmerksamkeit intern gebunden ist, dass sich manche nach
einem neuen
Job umsehen
und dass andere völlig passiv verhalten, weil sie finden, dass sich
neue Initiativen erst lohnen, wenn wieder klare Verhältnisse herrschen.
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Soziale Systeme reagieren
auf Veränderungs-aktivitäten
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Kosten und Nutzen der Projektarbeit
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Natürlich haben auch Projekte nicht nur Vorteile, sondern auch
Schattenseiten. Die nachstehende Tabelle stellt sie gegenüber. Ob
die Vor- oder die Nachteile überwiegen, lässt sich nicht allgemein
beantworten, sondern muss für jedes konkrete Vorhaben neu geprüft
werden und zwar möglichst vor Beginn des Projektes. Denn
wenn man erst im Nachhinein erkennt, dass ein Projekt im konkreten
Fall mehr Nachteile als Vorteile hat, besteht das Risiko eines vorzeitigen
Projektabbruchs
samt seiner demotivierenden Folgen.
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Vorteile und Schattenseiten
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Vorteile
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Konzentrierte interdisziplinäre Bearbeitung
aktueller Fragen
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Neuer Blick auf alte Probleme
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Grundsatz-Lösungen, Chance zum großen Schritt
nach vorn
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Nutzung des Wissens und des kreativen Potenzials
der Mitarbeiter
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Relativ schnelle Lösungsfindung
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Flexibilität
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i.d.R. hohes Engagement
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i.d.R. gute Akzeptanz der Ergebnisse
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Risiken und Nebenwirkungen
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Planungs- und Steuerungsaufwand
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Belastung des Tagesgeschäfts
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Schnittstellen / Reibungen mit der "Linie"
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Trennung von Entwicklung und Umsetzung
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Gefahr unausgegorener Lösungen
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Überforderung des Projektteams bei Fragestellungen,
die spezielle fachliche Kenntnisse erfordern
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Widerstände
bei mangelnder Einbeziehung der Betroffenen; Gefahr des Scheiterns
der Umsetzung
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"Projekt-Lawinen", weil ein Projekt das nächste
nach sich zieht.
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© 2001 Winfried Berner – vollständige oder auszugsweise Wiedergabe, gleich in welcher Form, honorarpflichtig und nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung / Zitate im üblichen Umfang mit Quellenangabe gemäß wiss. Zitationsregeln zulässig. Näheres siehe Nutzungsbedingungen. |
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