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Neu von Winfried Berner:
"Change!" 15 Fallstudien zu Sanierung, Turnaround, Prozessoptimierung, Reorganisation und Kulturveränderung
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Winfried Berner:
"Bleiben oder Gehen"
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Synchronisierung: Bündelung der Aufmerksamkeit zu einem gemeinsamen
Aufbruch
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"Stell dir vor, es ist Neuanfang, und keiner guckt hin!" Change
Management-Vorhaben vom Typ
"Push" haben nur dann eine Erfolgschance, wenn es gelingt, die
Aufmerksamkeit aller Führungskräfte und Mitarbeiter auf das Vorhaben
zu lenken und für einen gemeinsamen Aufbruch zu "synchronisieren".
Viele Veränderungsansätze im Alltag versanden, weil sie nicht schnell
genug die "kritische Masse" an Unterstützern erreichen. So kommt
mal von hier, mal von da eine Initiative – aber jede einzelne ist
für sich zu schwach, um das Unternehmen wirklich zu mobilisieren.
Meist geht den Veränderern dabei die Puste aus, bevor ihr Vorhaben
von der Mehrzahl der Beschäftigten überhaupt zur Kenntnis genommen
wurde.
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Bei einer Fusion, einem Kostensenkungsprogramm
oder einer Restrukturierung
brauchen Sie nichts tun, um die Aufmerksamkeit der gesamten Belegschaft
auf das Vorhaben zu lenken – die haben Sie gewiss, weil die bevorstehenden
Veränderungen für die Mitarbeiter potenziell bedrohlich
sind und damit reflektorisch ihre ungeteilte Wachsamkeit auf sich
ziehen. Völlig anders, wenn Sie zum Beispiel die
Kundenorientierung verbessern, eine Qualitätskampagne durchführen oder
die Mitarbeiterqualität
weiterentwickeln wollen. Da fühlt sich niemand bedroht, sondern
allenfalls genervt: "Glaubt der Vorstand denn, wir hätten sonst
nichts zu tun?" Natürlich sagen die Führungskräfte das nicht so
direkt. Sie hören sich die Vorträge an und diskutieren in den unvermeidlichen
Arbeitsgruppen mit.
Und nach dem Workshop gehen
sie zurück an ihre Arbeit – und dann ist das Thema ziemlich schnell
wieder vergessen.
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Um solch ein Vorhaben ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken,
können Sie den konventionellen Weg gehen und mit Reden,
Artikeln in der Werkszeitung
und anderen Instrumenten für Ihr Vorhaben werben, eine Trainingsreihe
starten, eine Projektgruppe
mit der Ausarbeitung von Maßnahmen betrauen usw. Das Problem, das
sie bei einem solchen Vorgehen mit großer Wahrscheinlichkeit bekommen,
ist eine wachsende Asynchronität im Denken und Handeln der Belegschaft:
Manche Mitarbeiter ziehen schon sehr frühzeitig mit, andere tauchen
erst einmal ab, wieder andere – vor allem die "an der Basis" und
in der Peripherie – bekommen kaum etwas mit; "das Feld zieht sich
auseinander".
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Diese Asynchronität kostet Kraft: Die Pioniere – oftmals jüngere,
engagierte, idealistische Mitarbeiter – werden oftmals von ihren
eigenen Vorgesetzten und Kollegen gebremst. Es bilden sich Lager,
die mehr oder weniger offensichtlich versuchen, die Veränderung
auszusitzen. Nach einiger Zeit macht sich bei vielen der anfangs
Begeisterten Enttäuschung breit: "Warum ziehen die Leute denn nicht
mit?!" Etliche beginnen zu erlahmen und zu resignieren, und es erfordert
sehr viel Kraft und Energie, die Führungskräfte und Mitarbeiter
immer wieder anzuschieben. Nach einer Weile bringen auch die
Motivationsbemühungen der Geschäftsleitung
den Elan nicht mehr dauerhaft zurück. Und so erlahmen die Aktivitäten,
bevor das Vorhaben die "kritische Masse" erreicht hat.
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Synchronisierung der Aufmerksamkeit
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Um dieses Auseinanderdriften zu verhindern, muss Ihre Dramaturgie
dafür sorgen, dass am Anfang etwas geschieht, was die volle Aufmerksamkeit
der Mitarbeiter und Führungskräfte auf das Thema lenkt – und vor
allem für eine Weile dort hält. Was beinahe noch schwieriger ist,
denn die meisten gängigen Kommunikationsmethoden
sind zeitlich eng umgrenzte Events. Sie können die Mitarbeiter durchaus
erreichen, aber ihre Wirkung verblasst schnell, wenn nicht bald
weitere Aktivitäten folgen.
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Daraus ergeben sich zwei wichtige Konsequenzen: Erstens, dass solche
"Push-Veränderungsvorhaben"
ein unüberhörbares Startsignal brauchen, damit sie von möglichst
allen Beschäftigten (wenigstens aber von 80 Prozent) wahrgenommen
werden. Und zweitens, dass nach dem Start eine rasche und konsequente
Fortsetzung folgen muss, wenn die Sache nicht verpuffen soll wie
ein Sylvester-Feuerwerk. Dem muss als "Gegengewicht" ein dritter
Punkt hinzugefügt werden, nämlich, dass man bei alledem den Umfang
der Aktivitäten in einem durchhaltbaren Rahmen halten muss. Sonst
besteht die Gefahr, dass das Vorhaben nach einem furiosen Startphase
unter der Last des Tagesgeschäfts (und dem Druck derer, die das
Tagesgeschäft dankbar als Vorwand nehmen) zusammenbricht.
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Aufbruchssignal und konsequente Fortsetzung können auf verschiedene
Weise bewirkt werden. Was der beste Weg ist, hängt auch von der
Art der angesteuerten Veränderungsziele
ab. Je "breiter" und "weicher" diese Ziele, das heißt, je mehr es
um Einstellungs- und Verhaltensänderung bei einer großen Zahl von
Mitarbeitern geht, desto schwieriger das Vorhaben, und desto mehr
Sorgfalt muss auf die Dramaturgie
verwendet werden. Gerade bei Change Management-Vorhaben, die sich
auf vermeintlich weiche Themen wie Führung, Zusammenarbeit oder
interne und externe
Kundenorientierung beziehen, ist es
daher wichtig, konkrete, nachprüfbare Veränderungsziele
zu formulieren.
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Die gebräuchlichste Dramaturgie
für solche Zwecke ist wohl, ein großes Projekt (bzw. ein "Programm")
auszurufen, und zwar mit einigem internen Marketing-Aufwand. Das
Startsignal dafür kann zum Beispiel bei einer Großveranstaltung
oder einer Management-Tagung gegeben werden; dabei wird eine Projektstruktur mit
Projektteams, Lenkungsausschuss und
Projekt-Controlling
eingerichtet, und es wird regelmäßige Kommunikation
über den Projektfortgang und die Umsetzungsschritte versprochen.
Zusätzlich wird vielleicht noch eine flächendeckende Serie von Seminaren
oder Workshops zu dem Change
Management-Vorhaben vorgesehen und in den Wochen danach durchgeführt.
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"Programme" und Kampagnen
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Dieser hohe Aufwand in der Startphase bewirkt die angestrebte Synchronisierung
der Aufmerksamkeit: Etliche Mitarbeiter sind dann schon aktiv an
dem Projekt beteiligt; die meisten anderen haben das Programm oder
die Kampagne zumindest zur Kenntnis genommen. Damit ist der erhebliche
Aufwand von Zeit und Geld gerechtfertigt. Wichtig ist nur, dass
danach kein "schwarzes Loch" folgt. Denn wenn die Mitarbeiter monatelang
nichts mehr von der Sache hören, geht die Wirkung des brillanten
Starts verloren. Deshalb müssen handfeste weitere Schritte festgelegt
werden. Sie dürfen durchaus in einem gewissen zeitlichen Abstand
folgen – entscheidend ist, dass sie frühzeitig konkretisiert werden.
Ein "Schau'n wir mal, dann seh'n wir's schon!" reicht als Orientierung
nicht aus.
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Doch es gibt auch Alternativen zu diesem "klassischen Ansatz".
Zu den reizvollsten zählen Mitarbeiter- und Kundenbefragungen.
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Mitarbeiter- und Kundenbefragungen
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Der besondere Charme von Mitarbeiterbefragungen
liegt darin, dass sie sich über einen längeren Zeitraum erstrecken
und daher bei guter Dramaturgie geeignet
sind, die jeweilige Thematik für einige Monate im Blickfeld der
gesamten Belegschaft zu halten. Es beginnt damit, dass Sie die Chance
haben (und ergreifen sollten), zu erklären, weshalb Sie die Befragung
durchführen und welche Aspekte Sie dabei besonders wichtig finden.
Damit können Sie die Aufmerksamkeit ganz gezielt auf die Aspekte
lenken, um die es Ihnen geht.
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Der nächste Akt ist, dass alle Mitarbeiter den Fragebogen
erhalten und ausfüllen – oder doch wenigstens durchblättern. Doch
viele Mitarbeiter füllen den Fragebogen
nicht nur aus, sondern diskutieren auch mit Kollegen darüber. So
setzen sie sich noch intensiver mit der Sache auseinander. Der nächste
Höhepunkt ist die Bekanntgabe der Ergebnisse. Wenn die Auswertung
offen und in guter Aufmachung kommuniziert wird, löst sie vielfältige
Diskussionen aus. An diesen Diskussionen sollte sich die Geschäftsleitung
aktiv beteiligen – was auch heißt, dass sie dafür Foren (z.B. Workshops,
Diskussionsveranstaltungen,
ein Diskussionsforum
im Intranet) schaffen sollte.
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Ein wertvoller Effekt dieser Diskussionen ist, dass die Mitarbeiter
das Problem kennen lernen und es von allen Seiten beleuchten, bevor
sie über dessen Lösung nachdenken. Denn häufig wird beim Start von
Veränderungsvorhaben der Schritt von der Problembeschreibung zur
Lösung zu schnell gemacht. Mit der Folge, dass die
Motivation zur Veränderung sich in
Grenzen hält: Wer das Problem nicht sieht, interessiert sich auch
nicht sehr für dessen Lösung. Deshalb ist die breite Diskussion
über die Problemlage ein ganz wesentlicher Schritt:
Handlungsdruck ist Voraussetzung
für die Bereitschaft, sich ernstlich auf die Suche nach Lösungen
und vor allem auf deren Umsetzung einzulassen.
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Zudem weckt eine Mitarbeiterbefragung Erwartungen: Wer den Fragebogen
ausgefüllt hat und über die Ergebnisse informiert wurde, erwartet
nun auch, dass etwas passiert. Was in unserem Zusammenhang ist es
eine ausgesprochen gute Nachricht ist. Denn genau weil die Befragung
Erwartungen weckt, bündelt sie die Aufmerksamkeit der gesamten Belegschaft
auf die abgeleiteten Maßnahmen. Deshalb sind Befragungen ein exzellentes
dramaturgisches Mittel, um Veränderungsthemen
zu lancieren und so wirklich für einen gemeinsamen Aufbruch zu sorgen.
Mit kaum einem anderen Vorgehen können Sie so viel kritische Aufmerksamkeit
auf die von Ihnen eingeleites Maßnahmen ziehen. Deshalb eignen sie
sich insbesondere für Themen, die keine Selbstgänger sind (sogenannte
"Push-Projekte").
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Ähnliches gilt auch für Kundenbefragungen
– insbesondere, wenn sie nicht durch Berater
oder Marktforschungsagenturen durchgeführt werden, sondern von den
eigenen Mitarbeitern. Das geht zwar nicht in jeder Branche, aber
in sehr viel mehr Fällen als man zunächst denkt. Möglicherweise
müssen Sie dafür gewisse Abstriche an Repräsentativität und methodischer
Perfektion in Kauf nehmen, aber dafür sorgen Sie für authentische
Erfahrungen und tragen so einen starken Veränderungsimpuls in Ihr
Unternehmen hinein.
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Selbst wenn bei weitem nicht alle Mitarbeiter an den Marktinterviews
teilnehmen, sorgen die Erzählungen, Erfahrungsberichte und Anekdoten
der Beteiligten für eine sehr viel breitere und intensivere Auseinandersetzung
mit den Kundenwünschen als sie über eine noch so professionelle
externe Marktforschung jemals ausgelöst werden könnte. Damit bewirken
sie genau die Synchronisierung der Aufmerksamkeit auf die Kundensicht,
die für einen gemeinsamen Aufbruch in Sachen
Kundenorientierung erforderlich ist.
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© 2001 Winfried Berner – vollständige oder auszugsweise Wiedergabe, gleich in welcher Form, honorarpflichtig und nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung / Zitate im üblichen Umfang mit Quellenangabe gemäß wiss. Zitationsregeln zulässig. Näheres siehe Nutzungsbedingungen.
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